Bielefeld/Paderborn. Wenn seine Schulkollegen in zwei Wochen in die Osterferien gehen, geht es für Bastian Landgraf erst richtig los. Der 15-Jährige Basketballer aus Bielefeld reist zu einem mehrtägigen Leistungscamp nach Heidelberg. Dorthin wurden die besten deutschen Spieler seiner Altersklasse eingeladen.
"Ich hatte - ehrlich gesagt - mit der Einladung nicht gerechnet", gibt Bastian zu. Er gehört zwar schon seit längerem zur Auswahl des Westdeutschen Basketball-Verbandes. Doch als ihn die Bundestrainer, darunter auch Dirk Bauermann, aufriefen, war er überrascht. Denn beim Bundesjugendlager des Jahrgangs 1995 Mitte Februar waren alle deutschen Topspieler versammelt. "Da spielen einige schon körperlich in einer anderen Liga", sagt Bastian.
Er selbst ist jetzt 1,84m groß und spielt für die Paderborn Baskets in der Junioren-Basketball Bundesliga (JBBL). "Bastian ist ein spielintelligenter Junge mit einer sehr guten Übersicht, der auch in der Abwehr richtig beißen kann", lobt Trainer Martin Krüger die Vorzüge seines Schützlings. Deshalb kann er Bastian, der in seiner Spielklasse auf ältere Spieler trifft, auch immer wieder gut einsetzen: "Ein Jahr macht in diesem Alter einen Riesenunterschied", sagt Krüger. "Bastian muss noch lernen, abgeklärter zu werden."
Das weiß auch der Spieler: "Ich brauche noch ein bisschen mehr Sicherheit, muss mit beiden Händen gleich stark werden und meinen Wurf verbessern", sagt Bastian. Dafür fährt er viermal wöchentlich zum Training nach Paderborn. "Schule, Mittagessen, Hausaufgaben im Zug, dann nach Hause, Abendbrot und ins Bett", beschreibt der 15-Jährige seinen Tagesablauf. Und dennoch: Wenn Freude an der Haustür klingeln, geht Sportfan Bastian gerne noch für eine Runde mit auf den Bolzplatz.
"Man kann ihn zu nichts zwingen", weiß Mutter Julia Landgraf, "aber die Pendelei nach Paderborn war seine Entscheidung. Und es tut ihm gut, selbstständig zu werden." Dazu kommt, dass die Landgrafs eine echte Basketballfamilie sind. Mutter Julia spielte für die SV Brackwede in der zweiten Liga. Vater Bernd, der im vergangenen Jahr in Bielefeld als OB-Kandidat antrat, spielte in den 80er-Jahren für die SVB in der Oberliga. Und natürlich jagen auch Bastians Geschwister Lena (12) und Jan (18) dem Basketball hinterher, Jan bereits in der ersten Herrenmannschaft der SVB.
"Ich möchte versuchen, so hoch wie möglich zu kommen", hat sich Bastian Landgraf vorgenommen. Auch wenn ihm und seinen auserwählten Kollegen gesagt wurde, das Fernziel für den DBB-Leistungskader sei die A-WM 2020, bleibt er ganz realistisch: "Konkrete Ziele setze ich mir nicht. Denn mit Basketball Geld zu verdienen, ist schwierig." Deshalb spielt auch die Schule eine wichtige Rolle. Bastian besucht die neunte Klasse des Gymnasiums Brackwede, das ihn immer wieder mit Freistellungen für seine Kader-Lehrgänge unterstützt.
Ab dem Sommer geht Bastian für ein Jahr in die USA "Dazu haben mir alle geraten. Ich hoffe, das wird basketballerisch kein Rückschlag", sagt er. Das wünscht ihm auch sein Trainer Martin Krüger. "Ich hätte ihn gerne weiter in Paderborn, das wäre sportlich wichtiger. Für die Persönlichkeitsbildung ist es aber sehr gut." Zurzeit überprüfen Bastians Eltern, wo ihr Sohnemann in den Staaten bei seinem Aufenthalt genügend Training und Spielpraxis bekommt.
Vorher steht aber über Ostern noch das Leistungscamp in Heidelberg an. Ziel ist es, dort beim direkten Vergleich mit den besten deutschen Spielern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Damit sich die Bundestrainer auch nach dem USA-Aufenthalt noch an ihn erinnern.





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