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23.03.2010
Des einen Freud, des andern Leid
FUSSBALL: Unterschiedliche Stimmungslagen bei den beiden Westfalenligisten
VON HANS-JOACHIM KASPERS

Komm an meine Brust, Kollege | FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Bielefeld. Die heimischen Fußballfans dürfen sich wohl auch in der kommenden Saison auf zwei Westfalenliga-Mannschaften freuen. Das ist im Hinblick auf den VfB Fichte, der sich mit dem Sieg über Delbrück der größten Abstiegssorgen entledigte, eine gute Nachricht. Der TuS Dornberg musste dagegen in den vergangenen Tagen betrübt zur Kenntnis nehmen, dass für ihn die Zeit für die NRW-Liga noch nicht reif ist.

Und das trotz des 1:5 gegen Münster nicht in erster Linie in sportlicher Hinsicht, sondern weil die Vorgaben des Verbandes für die fünfte Liga einfach nicht zu erfüllen sind. "Wir kommen uns zur Zeit vor wie ein Oberschüler, der bei einer Mathearbeit von zehn Aufgaben nicht eine einzige hundertprozentig lösen kann und trotzdem eine Zwei schreiben muss", erläutert Hans-Werner Freese die aktuelle Situation. Aufgrund der Örtlichkeiten am Mühlenbrink sei es auch langfristig nicht möglich, dort NRW-Liga-Spiele durchzuführen, so der Dornberger Manager weiter. "Wenn wir alles das umsetzen wollten, was der Verband will, wäre das unser finanzieller Ruin", sagt er.

Als Beispiel für den ganz normalen Wahnsinn der Funktionäre nennt Freese die Auflage, dass eine eigene abgeschottete Parkmöglichkeit für den Gästebus bereitgestellt werden muss. "Okay, das könnten wir hinter unserem Vereinsheim organisieren. Die Zuschauer müssten dann aber unten an der Kirchdornberger Straße parken", zeigt er mit einer gehörigen Portion Sarkasmus die Unmöglichkeit dieses Unterfangens auf.

Auch Trainer Mario Ermisch ist klar, dass ein Aufstieg aufgrund der Rahmenbedingungen momentan unmöglich ist. "Aber wir sollten alles versuchen, um die NRW-Liga irgendwann einmal doch zu realisieren", will der Coach die Flinte nicht voreilig ins Korn werfen. So brachte er in den vergangenen Wochen den Gedanken an eine Fusion mit dem VfB Fichte und dem VfL Theesen ins Spiel ("Nur so ist höherklassiger Amateurfußball in Bielefeld abseits von Arminia möglich") und wurde bei der Stadt bezüglich eines Umzugs des TuS Dornberg auf die Rußheide vorstellig - allerdings ohne Erfolg, da das einzige halbwegs NRW-Liga taugliche Bielefelder Stadion durch Arminia II, den VfB Fichte und die Footballer der Bulldogs schon jetzt überbelegt ist.

Eine andere Hoffnung ist, dass der Verband schon in naher Zukunft Abstand von seinen viel zu restriktiven Auflagen nehmen könnte. "Es wird angesichts der sich weiter verschlechternden finanziellen Möglichkeiten von Vereinen und Kommunen sicherlich immer mehr Klubs geben, die - wie wir - sagen, dass sie zwar aufsteigen wollen, es aber nicht können", glaubt Mario Ermisch. Dass der immer ambitionierte Coach den Verein aufgrund der Sackgasse, in die er mit den Dornbergern zu geraten droht, schon bald verlassen wird, weist er vorerst noch zurück. "Wir haben eine junge, hungrige Mannschaft zusammengestellt, die guten Fußball zeigt - damit ist die Zielvorgabe für die erste Saison schon erfüllt", sagt Ermisch, der die künftige Entwicklung "ganz in Ruhe" abwarten will. Da er aber zugibt, "dass ich im Fußball immer eine Motivation brauche", darf man gespannt sein, wie es in Dornberg weiter geht.

Gleiches gilt für die Trainerfrage beim VfB Fichte, die nach gespächsintensiven Wochen immer noch nicht geklärt ist. "Mark Sawkill ist der Mann, den wir haben wollen", legt sich der sportliche Leiter Murat Karanfil fest. Nachdem Sawkill aber in der vergangenen Woche einen unterschriftsreifen Vertrag nicht mit seinem Namenszug versehen hatte ("Da lagen meine und die Vorstellungen des Vereins noch zu weit auseinander"), musste der Vorstand nachbessern. "Wir werden noch einige Dinge, die Mark angesprochen hat, abarbeiten und hoffen darauf, dass er das Konzept dann mittragen kann", erklärt Karanfil, der verspricht, Sawkills wichtigste Forderung, die Mannschaft im Kern zusammenzuhalten, zu erfüllen.

Sportlich sieht Mark Sawkill sein Team bei nun 27 erreichten Punkten und einigem Abstand auf den Tabellenkeller zwar auf einem gutem Weg, warnt aber vor verfrühter Zufriedenheit. "Ganz über den Berg sind wir noch nicht, den einen oder anderen Dreier brauchen wir schon noch", sagt er. Aus 15 Spielen sollten die zu den magischen 40 Punkten noch fehlenden 13 Zähler indes locker zu holen sein.


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