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30.03.2010
Der Weggang des Wohlerzogenen
TENNIS: Jung-Profi Richard Becker bestätigt Wechsel nach Espelkamp / BTTC kann nicht mehr nachrüsten
VON LARS FREITAG

Ab durch die Mitte | FOTO: LARS FREITAG

Bielefeld. Nun sind alle Zweifel ausgeräumt: Richard Becker, vom Bielefelder TTC für die Medensaison als Nummer eins vorgesehen, spielt zukünftig für den Tennis-Zweitligisten TV Espelkamp. "Wir haben den unterzeichneten Vertrag vergangene Woche verschickt", bestätigte sein Berater Alexander Waske. Der ehemalige Daviscup-Spieler meldete sich überraschend bei dieser Zeitung.

In Espelkamp sieht Becker, der derzeit sein Abitur macht und danach Tennisprofi werden möchte, bessere Entwicklungschancen als an der Voltmannstraße. "Der Wechsel ist keine Entscheidung gegen den BTTC, sondern für meine Karriere. Espelkamp hat eine sehr starke Mannschaft mit Aufstiegsambitionen. Hier möchte ich den nächsten Schritt zu noch mehr Professionalität machen", ließ der Bad Oeynhausener über Waske verlauten.

Seinem Ex-Verein, für den er seit 2005 aktiv war, dankte Richard Becker. "Ich hatte beim BTTC tolle Jahre und habe mich dort immer wohl gefühlt. Man hat mich sehr gut betreut, und ich habe mich in dieser Zeit enorm weiterentwickelt."

Alexander Waske (bestes ATP-Ranking 89; bisheriges Preisgeld 1.240.434 US-Dollar), der Becker im Auftrag der von Dirk Hordorff (unter anderem Präsident des Hessischen Tennis-Verbandes) geführten Agentur "Global Sports Management" betreut, hält große Stücke auf das Nachwuchsass. "Er ist freundlich, wohlerzogen, ein guter Spieler und akribischer Arbeiter, der sein Potenzial noch nicht voll abgerufen hat."

Keine besonders hohe Meinung von Richard Becker – der den Bielefeldern vor Zeugen für die Medensaison 2010 zusagt hatte – haben momentan seine ehemaligen Mitstreiter vom Bielefelder TTC. "Sein Verhalten ist für mich die größte Enttäuschung meiner Karriere", sagt Herrentrainer und Sportwart Georg Magnus. Er erfuhr erst am 12. März, drei Tage vor Ende der Wechselfrist für neue Spieler, aus dieser Zeitung, dass Becker nach Espelkamp wechselt. "Bei einem Telefonat am selben Tag tat Richard ahnungslos und meinte, dass er weiter für uns spielen wolle", so Magnus.

Zu diesem Zeitpunkt war der Wechsel jedoch längst in trockenen Tüchern. "Richard wurde uns von Hordorffs Agentur Ende Januar angeboten. Am 20. Februar waren wir uns im Prinzip schon einig. Am 8. März habe ich Richards Verpflichtung bereits auf unserer Jahreshauptversammlung verkündet", teilte Espelkamps Teamchef Tobias Löhbrink mit.

Becker hat in Espelkamp einen Sponsoring-Vertrag über drei Jahre unterschrieben. Der Deal: Der Youngster bekommt von TV-Hauptsponsor Paul Gauselmann, beziehungsweise dessen Firma, Reisekosten erstattet, die ihm bei der ATP-Tour entstehen – im Gegenzug greift der Rechtshänder für Espelkamps Herren zum Racket.

Tennisprofi Waske zeigte für die Kritik seitens des BTTC kein Verständnis: "Richard hat seinem alten Verein gegenüber mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass er kein Zusage geben kann, weil er anderweitig verhandelt", so Waske. "Das stimmt nicht. Wenn dem so gewesen wäre, hätten wir einen anderen Spieler geholt. Uns lagen zahlreiche Anfragen vor, die wir alle abgelehnt haben. Nun ist es zu spät, um noch jemanden zu holen", meint Georg Magnus.

In sportrechtlicher Hinsicht war der Wechsel nicht zu verhindern. "Der für die Bundesligen zuständige Deutsche Tennis-Bund kennt nur Mannschaftsmeldungen. Die Frist läuft am 10. April ab. Wenn ein Spieler, so wie in diesem Fall, für zwei Vereine gemeldet wird, kann er sich innerhalb von 14 Tagen für einen entscheiden", sagt Ulf Bosse, Jurist und Vorsitzender der Rechtskommission des Westfälischen Tennis-Verbandes.

Richard Becker, für seine Ex-Teamkollegen zuvor nicht erreichbar, hat sich dann übrigens doch noch gemeldet. Georg Magnus: "Er meinte, dass er das Espelkamper Angebot nicht habe ausschlagen können."
    

 
 
    
 
    

 
 
    


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