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09.04.2010
Es war alles ganz anders
FUSSBALL: Bilder und ein Video belegen, dass Gliniars Siek gar nicht verletzt hat
VON MATTHIAS FOEDE

Luftkampf | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Es war der Aufreger des zurückliegenden Osterwochenendes. Beim Stadtderby in der Westfalenliga zwischen dem TuS Dornberg und dem VfB Fichte sorgten eine Verletzung in der 15. Minute sowie Anschuldigungen von Dornbergs Trainer Mario Ermisch nach Spielende für heftige, emotionale Ausschläge auf der nach oben offenen Richterskala für zwischenmenschliches Verhalten.

Ermisch hatte Christopher Gliniars vom VfB Fichte nach der turbulenten 2:3-Niederlage des TuS einer absichtlichen und angekündigten Tätlichkeit an Sören Siek bezichtigt. Jetzt allerdings belegen Bilder des Fotografen der Neuen Westfälischen sowie ein Video des VfB Fichte, dass der Jochbeinbruch von Sören Siek nach einer Viertelstunde weder absichtlich noch durch Christopher Gliniars zustande kam. Bisher sind alle - im übrigen auch die drei beteiligten Spieler - davon ausgegangen, dass sich Sören Siek die Verletzung an seinem rechten Auge nach einem Schlag von Gliniars’ linken Ellenbogen zugezogen hatte. Diese Version kann nach der Sichtung des neuen Materials nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Die Aufnahmen unseres Fotografen belegen (1. Bild), dass der eigentliche Zweikampf in der Luft um den Ball zwischen Dornbergs Mario Bertram (auf dem oberen Bild links) und Gliniars (rechts) stattfand. Sören Siek, der auf dem Foto nur ganz verdeckt links hinter Bertram zu erkennen ist, kam erst dazu, als die beiden anderen bereits im Luftkampf waren. "Unser Trainer hat uns beigebracht, dass wir in solchen Situationen den Gegner stets doppeln sollen", bestätigt der am Freitag operierte und noch für eine Woche krank geschriebene Siek aus dem Gedächtnis. Da Gliniars und Bertram mit dem Rücken zu Siek standen, konnten sie ihn nicht kommen sehen. Damit ist die These, dass Gliniars mit Vorsatz gehandelt haben soll, vom Tisch.

Wer das oberste Bild genau betrachtet, erkennt zudem, dass Gliniars’ linker Ellenbogen erstens angewinkelt und zweitens viel zu tief ist, um Sieks Kopf berühren zu können. Außerdem müsste Gliniars’ Körper deutlich mehr verwrungen sein, wenn er mit seinem linken Arm Sieks rechtes Auge hätte treffen wollen. Noch deutlicher sind die Ereignisse auf dem Video zu erkennen, das Bayamba Belombo gedreht und die Redaktion eingesehen hat. Die Bilder zeigen, dass Siek mit der linken Schulter von Mitspieler Bertram kollidiert und zu Boden geht. Dies belegt auch die nebenstehende Fotofolge. Und dies würde auch erklären, warum der nur etwa fünf Meter entfernt stehende Schiedsrichter Lennart Brüggemann aus Rheine nicht einmal ein Foul, geschweige denn eine Tätlichkeit gesehen hatte.Warum tauchten diese Beweise erst jetzt auf? Der verletzte Belombo hatte wie zuletzt des Öfteren eine Halbzeit seiner Kollegen gefilmt und die Kamera über die Ostertage zu Hause gelassen. Erst am vergangenen Dienstag schien klar, nachdem "ich die Szenen so ziemlich jedem gezeigt habe, den ich kenne, dass ich aus dem Schneider bin" (Gliniars). Daraufhin wandte sich der zweifache Torschütze der Partie an die NW.

Auch unser Fotograf sichtete nach seinem freien Wochenende noch einmal sein Material und förderte tatsächlich die fraglichen Bilder zutage. "Ich will nur klarstellen, dass ich in dieser Szene nicht mit Absicht gehandelt habe und nicht für die Verletzung von Sören verantwortlich bin", sagt Gliniars, der selber zugibt, nicht den besten Ruf in der Szene zu haben: "Natürlich bin ich kein Kind von Traurigkeit, doch diesmal bin ich unschuldig." Gliniars verzichtete bewusst darauf, das Video zu veröffentlichen oder in irgendein Internet-Portal zu stellen. "Das bringt alles nichts. Irgendwann muss auch einmal Schluss sein."

Bereits am Montagabend telefonierte Gliniars mit Siek und klärte den Fall. Für die beiden Protagonisten ist die Sache damit abgehakt. Auch von Seiten der Vereine wollte niemand mehr etwas zu den Ereignissen vom Gründonnerstag sagen. Mario Ermisch kommentierte den neuen Sachstand wie folgt: "Alle, die sich mit dem Bielefelder Fußball beschäftigen, und insbesondere ich, der ja jahrelang Gliniars’ Trainer war, wissen, mit welcher Einstellung "Crispi" in ein solches Derby geht. Wenn er dann noch mehrfach vor diesem Spiel diese Szene ankündigt und Sören Siek bereits vor dessen Verletzung in dem Derby zweimal vorsätzlich gefoult hat, wie er später selbst eingestand, muss er sich nicht wundern, wenn ihm auch hinsichtlich des Fouls, das zum Jochbeinbruch geführt hat, Absicht unterstellt wird, und dies nicht nur von mir. Zum Glück beweisen die Fotos zwar nicht schlüssig das Gegenteil, aber dokumentieren auch nicht absichtliches Handeln, so dass sich alle Beteiligten, zum Teil durch langjährige Freundschaften verbunden, weiterhin in die Augen schauen können und mehr."

Zum Beweis dafür trafen sich Ermisch und Gliniars am Donnerstagmittag und sprachen sich bei einer Tasse Kaffee aus. Damit ist der Fall erledigt.


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