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12.05.2010
Tschüss Tüdden!
Kaum einer hat in den vergangenen Jahren den TuS 97 so geprägt wie Ralf Bruelheide - jetzt geht er
VON GREGOR WINKLER UND IVO KRAFT

Schauen Sie sich diese Waden an | FOTO: TIM OLIVER KALLE

Bielefeld. Er hat so ziemlich alles erreicht. Ralf "Tüdden" Bruelheide hat mit 17 Jahren in der Verbandsliga beim TuS Jöllenbeck angefangen, zahlreiche Aufstiege geschafft, in der Ersten Liga zwei Jahre für Lemgo und sieben Jahre für Nettelstedt gespielt, war Oberliga-Torschützenkönig und - Achtung - zog in die Ruhmeshalle der NW ein. Grund genug, dem Routinier für 25 Jahre Handball zu huldigen. Die Redaktion hat sich dazu entschieden, Bruelheides Karriere Revue passieren zu lassen, indem sie zahlreiche Weggefährten befragte.

´ Das fällt mir als Zweites zu Tüdden ein: Die spezielle Formulierung hat einen Grund. Als erstes assoziiert mit dem Stichwort Bruelheide jeder sowieso nur eins: Muskeln und Fitness. In eine ähnliche Richtung denkt Helmut Bußmeyer: "Der hat ja noch länger durchgehalten als ich. Da bin ich eigentlich ein bisschen sauer." Oberlübbes Coach Dieter Löffelmann lobt Bruelheides sportliche Fairness. "Er war nie theatralisch, obwohl er immer viel abgekriegt hat." In dieselbe Kerbe schlägt Nils Grothaus. "Fair geht bei ihm vor, zumindest beim Fußball", sagt Grothaus grinsend und lässt durchblicken, dass "Tüdden" es nicht in eine Fußball-Ruhmeshalle der Neue Westfälische gebracht hätte.

Trainer Walter Schubert stellt heraus, dass "er keine Starallüren hat. Er hat sich immer ins Mannschaftsgefüge eingepasst. Er ist keiner, der quer treibt." TSG-Keeper Pascal Welge nennt "seinen unglaublichen Armzug. Egal, wie viele Gegner an seinem Arm hingen." Martin Räber (erst Kollege in Lemgo, dann sein Trainer) erinnert sich an "Tüddens schlechten Orientierungssinn. Er hat ein Jahr gebraucht, um den Weg nach Lemgo zu lernen." Zu einem Auswärtsspiel nach Nettelstedt sei er lediglich bis Stedefreund gekommen, ehe sein Auto streikte und er zu Fuß nach Hause ging. Gut, dass Bruelheide oft von Heiko Ruwe mitgenommen wurde. Sie spielten mehrere Jahre in Nettelstedt zusammen. "Das waren immer ganz besondere Fahrten, weil er ein lockerer Vogel ist."

´ Das haben wir von Tüdden gelernt: Martin Räber betont gleich mal, "dass die Frage anders herum gestellt sein müsste". Räber lobt "Tüdden" aber als "absoluten Führungsspieler." Auch Trainer-Ikone Dieter Löffelmann hat selber wenig von Bruelheide gelernt. "Aber ich habe meinen Jugendlichen oft gesagt, dass sie sich anschauen sollen, wie er Verantwortung übernimmt und trotz Manndeckung das entscheidende Tor wirft." Wie so viele hätte Heiko Ruwe gerne "seinen Unterhandwurf gelernt. Aber den kann ich bis heute nicht." Heiko Nossek, Trainer der Jöllenbecker Reserve, erinnert sich: "Er war mein erster E-Jugend-Trainer. Er hat immer die Arme ausgebreitet und Tobi Meyer und ich haben jeder auf einer Seite Klimmzüge gemacht." Walter Schubert sagt, dass Bruelheide gezeigt habe, "dass man auch im Alter noch viele Tore werfen kann".

Das wünschen wir Tüdden: Hier gehen die Vorschläge alle in dieselbe Richtung. "Gesunde Knochen, damit er weiter Sport machen kann", sagt Schubert. Heiko Ruwe weiß, "dass Ralf Bewegung auch braucht". Wer weiß also, ob es wirklich schon der endgültige Abschied war. Heiko Nossek wünscht Bruelheide jedenfalls , "dass er die Beschäftigung in Handball findet, die zu ihm passt". So ähnlich meint es Räber: "Ich hoffe, dass es handballerisch mit ihm weiter geht. Er ist ein ganz angenehmer Zeitgenosse. Tüdden, Fritz Driftmann und ich auf Mallorca - das war schon was."

Die letzten Worte gebühren dem Altmeister persönlich, der nach eigener Aussage nicht der Typ ist, der Emotionen zeigt: "Ich bin froh, dass ich einigermaßen verletzungsfrei durch diese Saison gekommen bin. Wenn es die Zeit erlaubt, werde ich schon noch ab und zu in der Jöllenbecker Halle auftauchen." Tschüss Tüdden!


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