Bielefeld. "Elf Freunde müsst ihr sein." Nach diesem Motto marschiert derzeit der FC Türk Sport aus der Kreisliga in Richtung Bezirksliga. 109 Treffer und eine Tordifferenz von plus 71 sprechen für sich. Allen voran Özgen Yildiz und Muammer Pehlivan haben sich bisher mit großem Erfolg dabei betätigt, das Runde ins Eckige zu befördern. Yildiz brachte es auf 35 Treffer, Pehlivan auf 24.
Kenan Gökdemir, Trainer des FC, kann stolz auf seine beiden Goalgetter sein: "Sie sind mit großer Akribie dabei und fehlen bei keinem Training", lobt der Coach. Auch an Disziplin mangele es ihnen nicht. Besonders Yildiz, der früher oft Verwarnungen erhielt und nach Disqualifikationen länger aussetzen musste, ist regelrecht zahm geworden. "Ich bin in dieser Saison noch kein Mal vom Platz geflogen", freut sich Yildiz.
30 Jahre ist er inzwischen alt und hat eine Menge erlebt. "Er ist ein wirklich guter Fußballer", lobt ihn sein ehemaliger Trainer Mario Ermisch. "Özgen ist ein begnadeter Fußballer", setzt Murat Karanfil, sportlicher Leiter des VfB Fichte und Landsmann, noch einen drauf. Yildiz, der gelernte Maurer, der derzeit eine Umschulung zum Lageristen macht, kam im April 1980 zur Welt und begann beim VfL Ummeln mit dem Fußball spielen, für den er auch das erste Seniorenjahr bestritt. Dann wechselte er zum FC Türk Sport, später zog es ihn zum VfB Fichte.
Özgen Yildiz verfügt über eine ganz besondere Schusstechnik. Mit einer Mischung aus Spann und Innenrist befördert er die Bälle in der Regel genau dahin, wo er sie hin haben will. Mithin ist er ein Spezialist für Standards. Zuletzt lieferte er einen Beweis für seine Künste mit ruhenden Bällen beim 3:3 in Altenhagen, als er einen Freistoß aus 25 Metern verwandelte. Mit dem VfB Fichte stieg er seinerzeit gar in die Oberliga auf. Dort spielte er derart eindrucksvoll, dass Späher von Schalke 04 auf ihn aufmerksam wurden. Trotzdem konnte sich Yildiz nicht in der Oberliga behaupten und verschwand in den Niederungen der Bezirks- und Landesliga. "Er braucht wahrscheinlich den Stallgeruch seiner Kameraden beim FC Türk Sport", meint Karanfil süffisant.
Muammer Pehlivan - sein kongenialer Partner - ist 29 Jahre alt und kam vom FC Altenhagen an den Kupferhammer. "Ich habe hier sehr viel Spaß - besonders mit Özgen", fühlt sich Pehlivan wohl. Kein Wunder, dass die beiden Goalgetter auch abseits des Platzes ein Herz und eine Seele sind. Lediglich an der Play Station hört ihre Freundschaft regelmäßig auf. Beim Kampf an dem elektronischen Gerät mutieren die Zwei zu knallharten Gegnern und sind ähnlich kompromisslos wie vor des Gegners Tor.
Pehlivan machte sein Abitur am Gymnasium am Waldhof und studiert derzeit Betriebswirtschaftlehre. Weil das Studium bei ihm an erster Stelle steht, müssen sportliche Angebote mit seiner Ausbildung harmonieren. Logisch, dass die Leistung der beiden Ballermänner Begehrlichkeiten anderer Vereine geweckt hat. "Wir wissen beim besten Willen noch nicht, ob wir beim FC Türk Sport bleiben", sagen beide, als hätten sie sich abgesprochen.
Doch das ist Zukunftsmusik. Aktuell wollen Yildiz und Pehlivan erst einmal die Meisterschaft in der Kreisliga A und den direkten Wiederaufstieg des FC Türk Sport in die Bezirksliga unter Dach und Fach bringen. Mit zwei Siegen - heute gegen Versmold und am Sonntag in Halle - hätten sie es bereits geschafft.