Bielefeld. Rien ne va plus - nichts geht mehr. Genau so plötzlich, wie die potenziellen Macher des ersten Marathons durch Bielefeld vor zwei Jahren auf der Bildfläche erschienen waren, sind sie wieder verschwunden. Knapp zwei Wochen nach der offiziellen Absage des für den 10. Oktober dieses Jahres geplanten Laufs finden sich selbst im Internet keine Spuren mehr von den Organisatoren.
Wer die Web-Seite "Bielefeld-Marathon" anklickt, guckt erst einmal bass erstaunt, denn wo bis vor kurzem noch optimistisch für diese Veranstaltung geworben wurde, findet sich jetzt nur noch der lapidare Hinweis, dass die Domain zu mieten oder zu kaufen sei. Keine offizielle Verlautbarung, dass der Marathon gestorben ist, keine Angaben für die bereits angemeldeten Läufer, ob und wie sie ihr Startgeld zurückbekommen - es herrscht Schweigen im Walde.
"Ich komme mir ziemlich betrogen vor", sagt Rainer Hollm, der sich vor einem halben Jahr in gutem Glauben für den Bielefeld Marathon angemeldet hat und nun im Regen steht. Immerhin gelang es dem verhinderten Starter, einen der Verantwortlichen der ehemaligen Bielefeld Marathon UG ans Telefon zu bekommen. "Da wurde mir gesagt, dass die als Veranstalter fungierende UG Insolvenz angemeldet hat", berichtet Hollm.
Benjamin Fritzsch, ehemaliger Geschäftsführer der Bielefeld Marathon UG, bestätigt diese Auskunft. "Unsere Firma hat Insolvenz angemeldet und befindet sich im Löschungsverfahren, bislang wurde uns jedoch noch kein Insolvenzverwalter zugeteilt", sagt Fritzsch. Da die Firma praktisch nicht mehr existiere, sei es normal, dass sie per Telefon, Fax und E-Mail nicht mehr zu erreichen sei.
Was die Ansprüche der Teilnehmer angeht, die - exklusive Chip-Gebühr - zwischen 24 und 28 Euro (für den Halbmarathon) beziehungsweise 35 und 40 Euro (für den Marathon) an Startgeld überwiesen haben, kann Fritzsch keine genauen Angaben machen, ob das Geld zurückerstattet wird. Zwar seien alle bereits angemeldeten Starter automatisch in die Gläubigerliste aufgenommen worden. "Wenn das Gericht aber zu der Einschätzung kommt, dass nicht genügend Masse vorhanden ist, kann es die Einleitung des Insolvenzverfahrens ablehnen - dann würden alle Ansprüche verfallen", sagt er. Werde das Verfahren eröffnet, würden aber maximal neun Euro für einen Halbmarathon-Melder und 13 Euro für einen Marathon-Interessenten erstattet, der Rest der Startgebühr sei in die bereits fällig gewordenen Kosten für die Genehmigungsverfahren und die Organisation geflossen.
Benjamin Fritzsch bedauert, dass Läufer, die die Startgebühr schon bezahlt haben, möglicherweise leer ausgehen: "Es tut mir für jeden Leid, der uns mit seiner Überweisung geholfen hat." Andererseits betont er jedoch, dass es bei Veranstaltungen dieser Art gängige Praxis sei, eingehende Startgelder von Beginn an für die Finanzierung zu verwenden, und weist deshalb Betrugsvorwürfe zurück: "Wir waren alle guten Willens, konnten aber nicht ahnen, dass wir mit unserem Plan, einen Marathon zu veranstalten, in Bielefeld regelrecht vor eine Wand laufen würden."
Insgesamt rechnet Fritzsch mit Rückforderungen an die Bielefeld Marathon UG in Höhe von mehr als 20.000 Euro - in dieser Summe sind jedoch nicht nur die Ansprüche von nicht zum Zuge gekommenen Teilnehmern, sondern auch die von bereits in Vorleistung gegangenen Sponsoren enthalten.
Rainer Hollm sind diese Verfahrensprobleme ziemlich schnuppe. "Ich finde das Verhalten der Organisatoren auch deshalb unmöglich, weil Interessenten von außerhalb, die sich nicht über die Bielefelder Tageszeitungen informieren können, vollkommen darüber im Unklaren gelassen werden, dass der Marathon nicht stattfindet", sagt Hollm. Sicher ein weiterer Teilaspekt, der bei dieser Angelegenheit einen unangenehmen Nachgeschmack zurücklässt.