FUSSBALL: Kreisvorstand stellt Untersuchungen zum angeblich manipulierten B-Liga-Spiel ein
Bielefeld. Die E-Mail des Kreisvorsitzenden Markus Baumann vom Samstag zog einen Schluss-Strich unter einen bisher einmaligen Fall in der Geschichte des Fußballkreises Bielefeld-Herford.
Mit der um 13.04 Uhr versandten elektronischen Post stellte der Kreisvorstand fest: "Nach intensiven Recherchen hat der Kreis-Fußball-Ausschuss in Absprache mit dem Vorstand am Samstagmittag die Ermittlungen im Verdachtsfall einer Spielabsprache der Kreisliga-B-Begegnung zwischen SC Bosporus und SC Bielefeld 04/26 vom 13. Mai diesen Jahres eingestellt." Damit ist für den Fußballkreis die Sache erledigt. Genauso sehen es die involvierten Fußballvereine. Abdullah Yilmaz, Trainer beim SC Bosporus, sprach von "einem gerechten Urteil", Axel Gerlach, Vorsitzender des SCB, sagte: "Wir sind mehr als zufrieden. Die zurückliegenden Wochen waren für uns eher negativ. Jetzt herrscht Klarheit, dass es eine Manipulation nicht gegeben hat."
Der vorliegende Fall ist nicht etwa einzigartig, weil es einen Verdacht auf eine Spielabsprache gegeben hat. Dies kommt leider häufiger und auch in anderen Sportarten vor. Das Besondere in diesem Zusammenhang war, dass neben vielen lang anhaltenden Gerüchten (unter anderem in Internet-Foren) auch konkrete und vertrauliche Zeugenaussagen existiert hatten. Markus Baumann bestätigte zwei. Eine sei ihm telefonisch übermittelt worden, der andere Zeuge habe ihm persönlich die Geschehnisse rund um die Meisterschaftspartie geschildert. Demnach sollte der SCB in der Halbzeitpause Gegner Bosporus 500 Euro geboten haben, wenn er das Spiel, das zur Halbzeit 1:1 stand, noch verliere. Fakt ist lediglich, dass die Begegnung mit 6:2 für den SCB endete.
Da beide Zeugen anonym bleiben und bei einem möglichen Spruchkammerverfahren nicht aussagen wollten, sind ihre Einlassungen wertlos. Der Fußballkreis musste diese Einstellung respektieren. Das laufende Verfahren schien so aus Mangel an Beweisen im Sand zu verlaufen. Deshalb beraumte der Kreisvorstand eine bisher nie dagewesene Anhörung an. Am vergangenen Freitag sollte sich der SC Bosporus in der Kreisgeschäftsstelle in Einzelgesprächen zu den Vorfällen äußern, am Samstag der SCB. Die Gesprächsführung übernahmen Lutz-Peter Oberschelp, Wenke Nagel, Markus Baumann, Torsten Werner und Dominik Petersilie sowie Heinz-Werner Stork. Der SC Bosporus war mit zwölf Mann plus Trainer Abdullah Yilmaz erschienen. Die Kicker wollten sich allerdings nicht einzeln zu den Ereignissen äußern. "Wir fühlten uns unter Druck gesetzt und empfanden den Kreisvorstand als voreingenommen", kritisierte Yilmaz. Diesem Vorwurf widersprach Baumann energisch: "Es war klar, wie die Anhörung ablaufen sollte. Leider hat sich Bosporus darauf nicht eingelassen und ist von dannen gezogen." Wenn die beiden Zeugen aus den Reihen von Bosporus stammen sollten (warum lädt der Kreis den SC sonst als erstes ein?), sind sie durch das Verhalten der eigenen Mannschaft (gewollt oder ungewollt) zum Stillschweigen verdonnert worden. Deshalb spricht die Pressemitteilung des Kreises von einer "unterschiedlichen Bereitschaft zur Aufklärung".
Ganz anders präsentierte sich der SCB einen Tag später. Auch die Sudbracker waren mit vollem Kader an der Bleichstraße angetreten. Doch im Gegensatz zu Bosporus kamen "sehr offene und angenehme Gespräche" (Baumann) zustande. Auch Axel Gerlach bestätigte die konstruktive Atmosphäre, die dazu führte, dass der Verein vom Meierteich und der Kreisvorstand nach den zurückliegenden Misstrauensbekundungen wieder zu einem normalen Verhältnis zurückgekehrt sind.