Bielefeld. Vom Abseits ins Rampenlicht: Im Bielefelder Süden macht ein eher kleiner Fußballverein derzeit auf sich aufmerksam. Der VfL Ummeln feierte zwei Kreismeistertitel in der Fußball-B- und C-Jugend und spielt an den nächsten beiden Wochenenden in einer Aufstiegsrunde um die Bezirksliga-Teilnahme.
Während bei den meisten Klubs im Amateur- und Jugendbereich der Ball Ende Juni ruht und stattdessen nur noch die Weltmeisterschaft zählt, läuft bei zwei Nachwuchsmannschaften des VfL Ummeln der Trainingsbetrieb weiter. Weil die B- und C-Junioren in der Kreisliga A souveräner Tabellenerster wurden, bietet sich nun die großartige Chance für einen Aufstieg in die überkreisliche Bezirksliga. Auf dem Weg dahin müssten die Ummelner allerdings in einer Aufstiegsrunde zwei Konkurrenten hinter sich lassen.
Die B-Jugend von Trainer Maik Boschke bekommt es dabei mit dem SC Wiedenbrück und dem SV Neubeckum zu tun, die C-Junioren von Murat Cokluk treffen auf den VfB Schloss Holte und die SpVg. Oelde. "Natürlich werden das harte Brocken, aber wir wollen es mit dem Leistungsdruck auch nicht übertreiben.
Der Spaß soll weiterhin im Vordergrund stehen", sagt Boschke. "Ganz egal, was wir erreichen, die Freude über das mehr als positive Abschneiden bleibt erhalten", ergänzt Hans Keuch, Jugendleiter beim VfL Ummeln und Vorsitzender im Kreisjugendausschuss Bielefeld.
Selbst die Verantwortlichen beim VfL zeigten sich überrascht über die Meistertitel, hatte man doch für jene beiden Teams den sicheren Klassenerhalt als Saisonziel ausgewiesen. "Dennoch kommt der Erfolg natürlich nicht von ungefähr", betont Keuch und nennt vor allem die lange Vereinszugehörigkeit der beteiligten Spieler als Erfolgsrezept.
"70 bis 80 Prozent der B- und C-Jugendlichen begann als Minikicker beim VfL mit dem Bolzen und konnte somit kontinuierlich Fortschritte für die eigene Entwicklung machen." Natürlich gibt es auch ein Sonderlob für die beiden Trainer, die selbst schon jahrelang Mitglied und Identifikationsfigur im Verein sind. "Zwei Spieler aus unserer B-Jugend trainieren auch selbst schon die kleinen F-Junioren", erklärt Keuch das Prinzip.
Stellvertretend für alle Vereine plädiert der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses für eine stärkere Förderung und Anerkennung von Jugendarbeit im Fußballverein und betont, "dass man dabei ganz unten anfangen muss, um die Kinder langfristig für das Fußballspielen zu begeistern."
Als Verantwortlicher von elf Nachwuchsteams kennt Keuch natürlich auch die Schwierigkeiten eines kleinen Vereins, wie der VfL einer ist. So werden beispielsweise gute Talente, die beim VfL ausgebildet wurden, schnell von den größeren Vereinen wie Theesen, Wellensiek und Arminia abgeworben.
Ein weiteres Problem bestehe darin, gut ausgebildete Trainer zu finden und diese auch mit einer entsprechenden Aufwandsentschädigung zu entlohnen. "Auch für die nächste Saison suchen wir noch einen C-Jugend-Coach, weil Maik und Murat jeweils mit ihren Teams eine Jugend aufrücken", erzählt Keuch.
Trotz dieser Herausforderungen ist man in Ummeln stets bemüht, den Jugendlichen etwas zu bieten, nicht nur in fußballerischer Hinsicht. Neben den renommierten Hallenmasters für E- und F-Junioren pflegt der VfL eine langjährige Partnerschaft mit der nordirischen Stadt Lisbellaw.
In diesem Jahr traten die C- und D-Jugend nach Ostern eine einwöchige Reise auf die Insel an, bei der vor allem die Begegnung mit Kultur, Sprache und Leuten im Vordergrund stand. Ganz bestimmt haben solche einmaligen Erfahrungen zur guten Saisonbilanz des VfL Ummeln beigetragen.