Bad Füssing. Es muss wohl an seiner jugendlichen Unbekümmertheit liegen, dass Marcel Appiah die Einheiten während des Trainingslagers des Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld im niederbayerischen Bad Füssing zwar als anstrengend bezeichnet, "aber platt fühle ich mich nicht."
Der 22 Jahre alte Rechtsverteidiger gehört zu einem Kreis von Spielern, auf die Trainer Christian Ziege in den kommenden Jahren setzt. Appiah gehört eigentlich der U 23 von Arminia an, hat in der vergangenen Saison aber schon zwei überzeugende Einsätze bei den Profis gehabt.
Neben dem in Schwelm geborenen Ghanaer zählen noch Ensar Baykan, Colin Quaner und Christ Kasela Mbona zu den Rohdiamanten, die Ziege und sein Trainerteam in der Zukunft noch zu schleifen haben.
Ensar Baykan, am 22. Januar 1992 in Steinheim geboren, ist der Benjamin im Aufgebot der Arminen. Sein Sprung in die Erste ist gewaltig. Schon nach dem ersten U-19-Jahr stieg er in die Riege der etablierten auf. "Das ist schon eine sehr aufregende Sache für mich", beschreibt der von Borussia Dortmund gekommene Youngster seinen Aufstieg. Der offensive Mittelfeldspieler, der seine Fußballkarriere in Augustdorf begann, hat bereits drei Einsätze für die Türkei bei der U-17-WM bestritten. Vor zwei Monaten stand er erstmals für die U 18 im Testspiel gegen Belgien auf dem Platz. "Die Kontakte bestehen. Ich erhalte regelmäßig Einladungen." Baykan beschreibt sich als flinken Spieler. "Körperlich muss ich noch kräftiger werden", sieht er sein Defizit deutlich vor Augen.
Christ Kasela Mbona ist gerade einmal einen Monat älter als sein türkischer Mitspieler. Der deutsch-Kongolese ist vor 15 Jahren nach Deutschland gekommen. In Düsseldorf wurde er mit seiner Mutter und den sechs Geschwistern sesshaft. Im Ortsteil Gerresheim erlernte er die Grundregeln des Fußballs. Mbona hat sie schnell begriffen und wechselte mit 16 in die U17 von Borussia Mönchengladbach. "Dort habe ich ein halbes Jahr unter Christian Ziege trainiert, ehe er Sportdirektor wurde", beschreibt der Defensivspieler seine ersten Kontakte zum heutigen Trainer. Großes Vorbild des Neu-Arminen, der einen Vertrag bis 2011 unterzeichnet hat, ist Ronaldo. "Es ist der alte Ronaldo, der Dicke." Mbona war früher selbst Stürmer, ehe seine Stärken für die Abwehrarbeit entdeckt wurden.
Colin Quaner stammt ebenfalls vom Niederrhein "Ich bin ein echter Düsseldorfer, der von kleinauf stets das Fortunen-Trikot trug", erzählt der Sohn eines ghanaischen Vaters. In Düsseldorf verspürte der Angreifer zuletzt einen Stillstand. In der Hinrunde zur letzten Saison hatte er gesundheitliche Probleme. In der Rückrunde lief es besser. "Ich musste eine Veränderung vornehmen." Im neuen Umfeld fühlt sich der Rheinländer pudelwohl, "obgleich die neuen Reize im Vergleich zur U 19 enorm sind", beschreibt er seine ersten Erfahrungen als Profi.
Christian Ziege spricht seinen Nachwuchscracks allesamt ein großes Kompliment aus. "Sie machen ihre Sachen ordentlich, auch wenn sie leichte Nachteile gegenüber den Alten haben und die körperlichen Anstrengungen noch nicht gewohnt sind." Marcel Appiah spricht das aus, was alle aus diesem Quartett denken: "Jetzt sind wir hier oben. Aber wir haben auch kein Problem, in der U 23 zu spielen. Das sind auch gute Jungs."
Aber nicht nur dieses Quartett, sondern auch U-23-Stürmer Marwin Studtrucker und U-19-Keeper Stefan Ortega, die sich aufgrund von Verletzungen wieder in Bielefeld aufhalten, schrieben in Bad Füssing positive Schlagzeilen. "Ortega besitzt mit seinen 17 Jahren ein Riesenpotenzial", sagt Torwarttrainer Thomas Schlieck. Und der junge Studtrucker fiel in den sechs bisherigen Testspielen als zweifacher Torschütze auf.