Bielefeld. Ob die Internationalen Westfälischen Meisterschaften der Senioren (11. bis 15. August beim Bielefelder TTC) ein Erfolg werden, bleibt abzuwarten. Die Internationalen Westfälischen Meisterschaften der Damen, auch Bielefeld Open (2002 bis 2007) genannt, standen jedenfalls unter keinem guten Stern. Sowohl die Zuschauerresonanz als auch das Wetter ließen oft zu wünschen übrig. Dabei schlugen bei dem Turnier die aktuell besten deutschen Spielerinnen auf.
Am vergangenen Sonntag fühlte sich Julia Görges wie im siebten Himmel. "Für diesen Moment haben wir jahrelang gekämpft", erzählte die 21-Jährige der internationalen Reporterschar. Kurz zuvor hatte sie im österreichischen Bad Gastein die Schweizerin Timea Bacsinszky 6:1, 6:4 bezwungen. Es war ihr erster Sieg bei einem WTA-Turnier dieser Größenordnung (220.000 US-Dollar Preisgeld) und der bis dato einzige Erfolg einer Deutschen in diesem Jahr überhaupt. Als Belohnung gab es ein nettes Taschengeld und wichtige Weltranglistenpunkte.
Rückblick: Im August 2006 jubelte Görges an der Voltmannstraße. Damals gewann sie die Bielefelder Open. Den Pokal nahm die Bad Oldesloerin auf der TTC-Anlage aus den Händen des Ex-Tennisparklers Marc Kuchenbecker in Empfang, die Fragen stellte ein Mitarbeiter dieser Zeitung. Als Ziel gab sie damals die Top 100 aus. Dies hat sie längst erreicht. Für 2010 hatte sie sich die Top 50 vorgenommen. Jetzt knackte das "schöne neue Gesicht des deutschen Tennis" (Die Welt) auch diese Marke. Aktuell ist Görges 42. der Weltrangliste.
Besser ist nur Andrea Petkovic (38.) platziert, auch sie war mehrmals bei den Bielefeld Open zu Gast. Gleiches gilt für die aktuelle deutsche Nummer vier, Kristina Barrois (WTA 65), die 2004 das Turnier für sich entschied. "Mit Sabine Lisicki (WTA 79) und Tatjana Malek (WTA 125) hatten wir zwei weitere Top-10-Spielerinnen aus Deutschland bei uns.
Im Laufe der Jahre hat somit das komplette deutsche Fed-Cup-Team bei uns mitgemacht", sagt Jan Miska. Der Bielefelder Tennisexperte organisiert die Internationalen Westfälischen Meisterschaften der Damen gemeinsam mit Marc Kuchenbecker. Seit 2008 findet das Turnier in Versmold (Tennispark) statt.
"In Bielefeld war es unheimlich schwierig ein Turnier dieser Größenordnung zu etablieren", so Miska. Die Gründe: "Es gibt hier zu viel anderen Sport, in erster Linie Arminia. Und das hat sich auf die Zuschauerresonanz und somit auch auf die Sponsorensuche ausgewirkt."
In Versmold ist das anders. Dank eines Tennis begeistertern Sponsoren steht die Veranstaltung, die mittlerweile Reinert Open heißt, auf festen Füßen. Miska: "Für eine kleine Stadt wie Versmold ist so eine Veranstaltung ein Highlight. Wir werden dort vom ganzen Verein unterstützt und es kommen mehr Zuschauer."
Für die 3. Auflage, die diesmal vom 8. bis 15. August steigt, wurde das Preisgeld von 10.000 US-Dollar (damit war es auch zu Bielefelder Zeiten dotiert) auf 25.000 US-Dollar erhöht. Damit ist das Turnier das viertgrößte für Damen auf deutschem Boden.
"Wir freuen uns über die Entwicklung, die die Reinert Open genommen haben. Mit der Erhöhung des Preisgelds können wir den Zuschauern noch besseres und attraktiveres Tennis bieten", so Hauptsponsor Hans-Ewald Reinert. Wer aufschlägt, entscheidet sich kurzfristig. Organisator Jan Miska ist sich jedoch sicher, dass die Freunde des weißen Sports auf ihre Kosten kommen werden.
"Die Spielerinnen, die wie bislang im Hauptfeld gesehen haben, treten diesmal schon in der Qualifikation an." Für Lokalkolorit ist auch gesorgt. Dinah Pfizenmaier aus Oerlinghausen wird erwartet. Zudem dürften auch einige Bielefelder Männer den Weg nach Versmold antreten, denn ein Herren-Turnier - wenn auch in kleinerem Rahmen - steht dort ebenfalls auf dem Programm.
Zurück in die Profiwelt: Ricardas Berankis, der 2008 für den TC Brackwede in der Westfalenliga zum Racket griff, befindet sich auf dem Weg in die Top 100 der ATP-Weltrangliste. Der Litauer, hat seit seiner ersten Notierung am 10. März 2008 (ATPB 627) einen Riesensprung gemacht.
Derzeit wird er auf Position 131 geführt. Es ist das höchste Ranking seiner noch jungen Profikarriere. "Ricardas hat sich zuletzt sehr gut entwickelt und ich bin zuversichtlich, dass er noch viel weiter kommen wird", sagt Brackwedes Spielertrainer Daniel Lencina, der mit Berankis im litauischen Daviscup-Team zusammenarbeitet.