FUSSBALL: Im Wettskandal gibt es eine zweite Anklageschrift - wieder ist Arminias U 19 beteiligt
Bielefeld. Eine Zeit lang waren die Worte "Wettskandal" und "Manipulationsabsprache" im Zusammenhang mit dem Fußball aus der Öffentlichkeit verschwunden. Doch in den zurückliegenden Wochen sind sie wieder aufgetaucht. Wie schon in der ersten Anklageschrift ist erneut der Name Arminia Bielefeld erwähnt.
Nach dem verdächtigen Spiel der A-Junioren-Bundesliga-Mannschaft des DSC bei Schalkes Nachwuchs vom 8. November 2009 (2:1) ist der Staatsanwaltschaft nun auch das Spiel der Bielefelder U 19 beim VfL Bochum vom 31. Oktober 2009 (0:4) nicht mehr ganz koscher. "Das ist für uns kein neuer Sachstand", sagt Arminias Pressesprecher Marcus Uhlig.
Der DFB hatte in diesem Zusammenhang bereits im Mai drei Jugendspieler des DSC für sechs, acht und 14 Monate gesperrt. Alle Drei spielen nicht mehr für eine Mannschaft der Arminia. Der Verein hatte seinerzeit auf ein zivilgerichtliches Verfahren verzichtet, weil "es eine Manipulation von unserer Seite nicht gegeben hat", wie Jugendkoordinator Karl-Gerd Büttemeier betont. Vor dem Match gegen Bochum sei, so erklärte Büttemeier gegenüber dem Revier Sport, unser Akteur angesprochen worden, ob er nicht manipulieren wollte. Dieser Spieler wurde dann aber überhaupt nicht eingesetzt - Bochum gewann die Begegnung 4:0.
Vor dem Duell gegen Schalke wurden zwei andere Kicker angesprochen, ob sie nicht verlieren könnten - möglichst mit zwei Treffern Differenz. "Sie haben sich nicht ausdrücklich dagegen geäußert und uns nicht informiert", schildert Büttemeier weiter: "Die Jungs waren einfach dumm. Sie haben sich gedacht, wenn man den Kopf in den Sand steckt, sieht einen keiner." Obwohl die Schalker 1:0 führten, gewannen die Bielefelder - entgegen der angeblichen Manipulationsabsprache - schließlich mit 2:1. Dennoch waren die Treffer kurios. Der Ausgleich resultierte aus einem Strafstoß, den beide Trainer sehr unterschiedlich bewerteten. Schalkes Cheftrainer Norbert Elgert sprach damals von einem "Elfmeterpfiff aus heiterem Himmel", Bielefelds Coach Sebastian Scherer kommentierte: "Der Elfmeter war berechtigt." Der Siegtreffer der Arminen fiel gar durch einen direkt verwandelten Abstoß (!) von DSC-Keeper Stefan Ortega. Dazu die Übungsleiter: "Da war eine Menge Pech im Spiel" (Elgert), "Das war Zufall und ein bisschen Glück" (Scherer).
Die beiden Anklagen der Staatsanwaltschaft Bochum, die sich zu Details nicht äußert, richten sich gegen jeweils zwei Männer. Die Liste der Spiele sagt nichts darüber aus, ob wirklich manipuliert worden ist. Auch nichts darüber, von welchen Beteiligten. Die Anklage geht aber zumindest von Manipulationsversuchen aus. Geschädigte sind laut Anklage die Wettanbieter.
Bisher soll ein Schaden von mehr als 1,8 Millionen Euro entstanden sein - von dem immateriellen Schaden der Klubs ganz zu schweigen. Rund 350.000 Euro Schmiergeld sollen geflossen sein, dagegen sollen die Angeklagten etwa 1,45 Millionen Euro Gewinn gemacht haben. Der Prozessbeginn ist voraussichtlich am 6. Oktober.