Bielefeld. Fanfaren erklingen minutenlang im Sportpark Gadderbaum. Immer wieder treten Sportler auf das Siegerpodest, erhalten ihre Medaille. Die Prozedur ähnelt sich den ganzen Tag über, für die Geehrten ist es aber alles andere als Routine. Bei den Bethel Athletics, dem größten Sportfest für Menschen mit Behinderung in NRW stehen die körperlich oder geistig Behinderten im Mittelpunkt und genießen den Beifall der Zuschauer, denn sie haben etwas geleistet: Sie haben gekämpft, sich verausgabt und den Willen zum Siegen gezeigt.
Für gute Stimmung unter den mehr als 1.000 Teilnehmern und den mehreren hundert Besuchern und Betreuern sorgten von Beginn an die Trommlerinnen der "Lesbenitas". Sie zogen vorweg, alle Anwesenden zogen hinterher in einer langen klatschenden, singenden, fröhlichen Reihe.
Neben dem so genannten wettbewerbsfreien Angebot der Bethel Athletics war es vor allem das sportliche Kräftemessen, das die Aufmerksamkeit der Sportler auf sich zog. "Menschen mit Behinderungen möchten genau so wie wir ihre Grenzen erleben, lernen den Umgang mit Gewinnen und Verlieren", sagt Organisator Dr. Lutz Worms im Nachklang der Veranstaltung. Die Teilnehmer spüren, dass sie an diesem Tag im Mittelpunkt stehen.
Und natürlich ist es auch Horst Köhler, Bundespräsident A.D., der an diesem Tag die Aufmerksamkeit auf sich zieht. "Wer ist denn das?", fragt ein junges Mädchen in einem roten Rollstuhl. "Weiß nicht", antwortet ein älterer Mann, und fügt mit Blick auf die vier bewaffneten Leibwächter hinzu: "Er muss aber ein wichtiger Mann sein." Das mag stimmen, aber so wichtig nimmt sich Köhler selbst nicht. Er geht auf die Sportler zu, schüttelt Hände, lässt sich bereitwillig fotografieren und beantwortet Fragen.
Und für einen Moment sind Wettkampf, Spaß und Medaillen vergessen – aber nicht lange, denn die Teilnehmer sind hier, um sich im fairen sportlichen Wettkampf zu messen. Die Fanfaren erklingen wieder aus den Lautsprechern, es gibt die nächsten Siegerehrungen. Dieses Mal auch für das Mädchen im Rollstuhl. Sie bekommt ihre Medaille nicht von irgendwem überreicht, sondern von einem "wichtigen Mann": vom Ex-Bundespräsidenten persönlich.