Bielefeld. Ein Konflikt, wie es ihn in der fast 40-jährigen Geschichte ostwestfälischer Hallenmeisterschaften noch nicht gegeben hat: Am Sonntag, den 12. Februar werden in der Paderborner Ahornsportpark-Halle die OWL-Titel der Männer, Frauen, U 20 und U 18 vergeben; gleichzeitig geht in der Seidensticker Halle das Nationale SVB-Meeting über die Bühne.
Wie auch immer sich die ostwestfälischen Leistungsträger/innen entscheiden, eine der beiden Parallelveranstaltungen wird zwangsläufig geschwächt. Besonders konfliktreich ist das für die Brackweder Athleten selbst. Sie werden wohl das Meeting ihres Vereins unterstützen, damit aber die eine oder andere Titelchance vergeben. Seit Jahren lockt das SVB-Angebot auch nationale Top-Athleten an, die eine Testmöglichkeit im Vorfeld der DM suchen.
Das Terminproblem trifft die ambitionierte SVB-Crew um Abteilungsleiter Gerd Grotemeier und Vize Manfred Siegmund ausgerechnet in einer Phase, da man das Event weiter ausbauen, seine Attraktivität erhöhen will. So wurde für einen neuen Meetingrekord über 3.000 m (bisher Marcus Biehl 8:44,0 Min.) eine Prämie ausgesetzt. Und erfreut nahm man den Anruf des Weitsprung-Bundestrainers Uwe Florczak (HSV, früher LC Paderborn) auf, der am 12. Februar mit vier Assen kommen will.
Man darf sich freuen auf den Acht-Meter Kandidaten Mario Kral (bisher 7,99 m), die frühere Junioren-Vizeweltmeisterin Anika Leipold (6,67 m), die Hallen-DM-Dritte Nadja Käther (6,66 m) und Florczaks Tochter Sinje (6,46 m), die wieder für Paderborn startet und direkt von dem Konflikt betroffen ist, aber in Bielefeld springen wird.
Erstaunt stellt Uwe Florczak, zu dessen Schützlingen übrigens der 8,71-m-Springer Sebastian Bayer zählt, in einer Mail an Manfred Siegmund die Frage: "Wie ist es denn zur Kollision der Termine gekommen? OWL-Meisterschaften in Paderborn zur gleichen Zeit wie Ihr Sportfest." Die Vorgeschichte stellt sich reichlich kompliziert dar. "Wir haben das Meeting schon am 27. Oktober angemeldet, gleich nach der Terminvergabe für die Seidensticker Halle", stellt Siegmund klar. Zu diesem Zeitpunkt lag dem Bielefelder Kreis-Leichtathletik-Ausschuss (KLA) ein Tauschvorschlag aus Paderborn vor, wie sich die KLA-Vorsitzende Wenke Nagel erinnert: "Wir sollten am 18. Februar die Hauptveranstaltung übernehmen, Paderborn am 12. Februar die Nachwuchsmeisterschaften U16/U14." Diese Lösung hätte zwar den jährlichen Ausrichter-Wechsel zwischen Bielefeld und Paderborn unterbrochen, aber die Überschneidungsproblematik vermieden.
Doch in der Vergabesitzung der OWL-Kreise Ende November in Lemgo wurde der Vorschlag gekippt und die "Hauptmeisterschaft" doch für den 12. Februar an die Domstadt vergeben. Offenbar kam damals der Konflikt mit dem SVB-Meeting nicht wirklich in den Blick. "Ich habe zwar unseren Bielefelder Hallenterminplan verteilt; doch niemand hat die Überschneidung bemerkt bzw. angesprochen. Und leider war ich auch nicht darauf vorbereitet, dass hier ein Problem entstand", räumt Kreisjugendwartin Ingeborg Hupel ein, die Nagel in Lemgo vertrat.
"Ich höre jetzt zum ersten Mal von der Terminkollision", erklärte der Sprecher der OWL-Kreise Wolfgang Stockmann und bedauert das entstandene Dilemma. Nach seiner Erinnerung sei es darum gegangen, die "Ostwestfälischen" nicht am Wochenende der Jugend-Hallen-DM (18./19. Februar) durchzuführen. Dies sagt auch die Paderborner Kreisvorsitzende Claudia Reichold: "Keinesfalls wollten wir das SVB-Meeting beeinträchtigen. Wir sind, schon wegen der ausgezeichneten Sprint- und Sprunganlagen, immer gern in Bielefeld."
Wenke Nagel macht die Abhängigkeit von den (späten) Terminplanungen der übergeordneten Verbände DLV und FLVW mitverantwortlich: "Das alles ist unglücklich gelaufen. Es hilft aber nichts, in diesem Jahr müssen wir mit der Überschneidung leben und sie in Zukunft verhindern." Doch es bleiben Zweifel, ob Bielefeld seine Interessen energisch genug vertreten hat, ob in den letzten Wochen des alten Jahres nicht doch noch - wie auch die Gütersloher Kreisvorsitzende Christiane Offel meint - eine Trennung beider Termine erreichbar gewesen wäre.





Wilde Liga Bielefeld


