Bielefeld. Durchatmen bei Frauen-Zweitligist TSVE Bielefeld. Seit dem Auswärtssieg am Wochenende beim Tabellenletzten Rist steht der Klassenerhalt zwar rechnerisch noch nicht fest. Es müssten aber gleich mehrere Wunder geschehen, wenn die Hamburgerinnen von ihren letzten sechs Saisonspielen insgesamt vier mehr gewinnen sollten als die Lady Dolphins, die außerdem noch ein Spiel mehr haben.
Dennoch ist die Spielzeit für den TSVE noch lange nicht zu Ende. Und der Vorstellung von Trainer Matthias Schöpfer, vor allem mit eigenen Kräften in der 2. Bundesliga zu spielen, sind die Lady Dolphins plötzlich und unfreiwillig ein großes Stück näher gekommen: Nach der Verletzung von US-Centerin KathlynVarno fällt die einzige verbliebene Profispielerin vermutlich bis zum Saisonende aus. Der Innenmeniskus ist gerissen.
Ob sich die 23-Jährige hier oder in den USA operieren lässt, ist noch nicht geklärt. Dies bedeutete eine sechswöchige Pause - und damit das vorzeitige Saisonende. "Für eine Profispielerin ist das nicht leicht zu akzeptieren", sagt TSVE-Trainer Schöpfer, der die ehrgeizige Spielerin zur Computer-Tomografie begleitet hatte und anschließend vor dem wichtigen Spiel am vergangenen Samstag tatsächlich bremsen musste. Varno, die im Jahr zuvor gerade erst einen Kreuzbandriss überstanden hatte, wollte trotz Schmerzen spielen.
Was einiges über das Teamverständnis der Amerikanerin aussagt. "Natürlich ist Kathlyn für uns wichtig, weit über das Spielerische allein hinaus", sagt Schöpfer. Gut deshalb, dass Varno derzeit Familienbesuch hat. Vater, Großvater und Bruder sind zu Gast in Bielefeld und können gemeinsam mit ihr überlegen, ob sie die OP aufschiebt oder es noch einmal sportlich versucht, wenn die Schwellung aus dem Knie heraus ist.
Bis dahin kann der TSVE also schon einmal ausprobieren,was es bedeutet, ohne Profiunterstützung in der 2. Bundesliga unterwegs zu sein. Die eine Amerikanerin hatte der Klub weggeschickt, die andere fällt nun verletzt aus. "Es wird jetzt einige Situationen geben, in denen die Mannschaft über sich hinauswachsen muss", weiß Trainer Schöpfer, der es nach dem Klassenerhalt als nächsten wichtigen Schritt ansieht, dass seine Truppe auch in problematischen Phasen zusammen hält. "Wie schaffen wir es, uns in schwierigen Partien zu präsentieren?" fragt Schöpfer. Wohl wissend, dass im Heimspiel am Samstag mit Tabellenführer Herne gleich die Übermannschaft der Liga nach Bielefeld kommt.
Ihm ist es wichtig, in solchen Begegnungen vor dem eigenen Publikum vor allem engagierten Basketball zu zeigen: "Auch wenn man sieht, dass wir noch nicht so weit sind, wäre es gut, wenn die Zuschauer sähen, dass wir mit Herz kämpfen." Vermeiden möchte der Coach zumindest eine demoralisierende Niederlage. Denn nach dem ersten Sieg am vergangenen Wochenende nach immerhin acht Spielverlusten in Folge ist es Matthias Schöpfer wichtig, dass die Mannschaft das frisch erworbene Selbstbewusstsein nicht gleich wieder verliert. Denn die Saison ist noch lang.