LEICHTATHLETIK: Zwei deutsche Saisonbestmarken / Bitteres Verletzungspech für Przybylko
Bielefeld. Um 16.40 Uhr stand das nationale SVB-Meeting plötzlich unter Schock. Mateusz Przybylko, Bielefelder im Trikot von Bayer Leverkusen, lag bäuchlings neben dem Hochsprungkissen und stöhnte vor Schmerz. Bei seinem dritten Versuch über 2,19 m hatte er sich eine schwere Muskelverletzung zugezogen. Vorher waren an der Weitsprunganlage Freudentänze zu sehen: Die Hamburgerin Nadja Käther (6,66 m) und der Leverkusener Alyn Camara (7,89 m) erzielten neue deutsche Jahresbestmarken.
Mit 6,48 m hatte sich die HSV-Springerin der Saisonbestweite von Bianca Kappler schon bis auf zwei Zentimeter genähert, als sie zu ihrem fünften Versuch anlief. Diesmal passte alles: Perfekt getroffener Balken, weiter Flug, gelungene Landung – und als Lohn die dreifache Sechs. "Ich hatte gehört, dass die Bielefelder Anlaufbahn schnell ist. Und weil ich derzeit auch fit bin, wollte ich weiter springen als bisher in diesem Jahr", erklärte sie, "dass ich jetzt auch im DLV vorn stehe, freut mich umso mehr".
Ihr Trainer Uwe Florczak hatte ihr eine Weite über sechseinhalb Meter zugetraut. Nach den 6,66 m war auch sein anfänglicher Ärger darüber verflogen, dass der Balken ein, zwei Millimeter zu tief lag. "Das wirkt sich negativ auf die Weiten aus", monierte er. Aber noch vor Beginn wurde das Problem behoben – die vier besten Springerinnen, unter ihnen Florczaks Tochter Sinje (6,22 m), bedankten sich mit "Sechsern".
Im Männerwettbewerb sorgte der nachgemeldete Alyn Camara für das Highlight. "Ich bin in dieser Saison schon weit gesprungen, allerdings bei ungültigen Versuchen", sagte er. Und so schien es dann auch in der Seidensticker Halle zu laufen: Der großgewachsene DLV-Hoffnungsträger, im letzten Sommer bereits zum Acht-Meter-Springer (8,08 m) avanciert, bot dem Publikum weite Sätze – und trat über. Doch im letzten Durchgang traf er den Balken und landete nach 7,89 m. "Besser als gar nichts", lautete sein Kommentar, der hohe Ambitionen verrät. Er entthronte den Routinier Nils Winter, der Freitag in Düsseldorf 7,86 m vorgelegt hatte. Einen weiteren Leverkusener Sieg gab es gestern im Frauen-Hochsprung: Favoritin Julia Straub überquerte 1,80 m – just in dem Moment, als auf der benachbarten Anlage Mateusz Przybylko in seinen Wettkampf einstieg.
"Heute möchte ich mindestens 2,20 m springen", hatte er sich beim Aufwärmen noch sehr optimistisch gezeigt, "ich bin gut drauf und motiviert, außerdem sind meine Eltern und Brüder hier." Ein sicherer Flop über 2,08 m schien auch wirklich große Höhen anzukündigen. Für die anschließend aufgelegten 2,14 m aber benötigte er drei Sprünge, wählte dann 2,19 m, die neue persönliche Hallenbestleistung bedeutet hätten. Zwei missglückten Versuchen folgte – als er die letzte Chance nutzen wollte – das Verletzungsdrama.
"Vermutlich hat es den Bizeps femoris getroffen", meinte sein früherer Trainer im PSV, Georg Cadek. Klar ist jedenfalls, dass die Karlsruher Hallen-DM in zwei Wochen ohne Mateusz Przybylko stattfinden wird. Eine bittere Erkenntnis nach diesem mit so großen Hoffnungen begonnenen Wettkampf.
Die 100-Euro-Prämie für einen neuen Meetingrekord über 3.000 m sicherte sich der Favorit Jan Simon Hamann (USC Bochum), der frühzeitig die Entscheidung suchte und mit 8:39,43 Min. vor dem Hammer Leonard Reinke (8:43,41) und dem durch Wadenprobleme behinderten Brackweder Jungsenior Thorsten Krüger (9:01,04) siegte. Als U-20-Zweite über 60 m Hürden verbesserte sich SVB-Talent Frauke Pollklesener auf erfreuliche 9,26 Sek.
Das Meeting bot eine Fülle weiterer interessanter und leistungsstarker Wettkämpfe. Ein ergänzender Bericht mit den wichtigsten Ergebnissen folgt in unserer morgigen Ausgabe.