Bielefeld. Ein Astronaut, der, aus der Weite des Alls kommend, am Sonntag auf der Rußheide gelandet wäre, hätte sicherlich nicht vermutet, in Deutschland zu sein. 1.000 Zuschauer bei einem Footballspiel ließen eher auf einen Ort irgendwo in den USA schließen. Es waren aber die Bielefeld Bulldogs, die so viele Fans angelockt hatten. Und die ihre Anhänger beim 58:21 (35:7) über die Paderborn Dolphins Pfingsten auf amerikanische Art feiern ließen.
Damit bleiben die Bielefelder ungeschlagener Spitzenreiter der Regionalliga und sind der erklärte Titelfavorit. Auch wenn, wie Vorstandsmitglied Sebastian Klein abwiegelte, "bei uns noch keiner das Wort Meisterschaft in den Mund nimmt." Die Konkurrenz hat aber zur Kenntnis genommen, dass sich da etwas bewegt. "Die neue Qualität der Bulldogs rührt sicher zu einem gewissen Teil von den enorm starken Amerikanern, die sie geholt haben. Das Trio zieht aber offenbar die ganze Truppe mit, bei der Fortschritte unverkennbar sind", sagte Matthias Gehrke aus dem Trainerstab der am Sonntag hoffnungslos unterlegenen Dolphins.
Die gerieten schon nach dem ersten Kick der Bulldogs unter Druck und mussten nach einer guten Minute den ersten Touchdown hinnehmen: Oldie Heiko Schreiber wurde vom neuen Quarterback Michael Proulx mustergültig bedient, nachdem zuvor im Zusammenspiel der bärenstarken US-Achse Proulx – Smith der entscheidende Raumgewinn herausgeholt worden war. Mister Smith höchstselbst sorgte noch im ersten Viertel für eine beruhigende Führung, und da auch die Extrapunkte durchPatrick Bröhl saßen, stand es nach zehn Minuten 14:0.
Im zweiten Viertel legten die Bulldogs sofort nach. Noch einmal Smith und zweimal Max Nolte sorgten für eine zwischenzeitliche 35:0-Führung. Vor allem Noltes zweiter Touchdown, bei dem er zwei Paderborner Verteidiger elegant austanzte, sorgte auf den Rängen und bei den Mitspielern für Begeisterung. "Mit der Nummer kann Max bei jedem Abschlussball glänzen", jubelte Heiko Schreiber, der nachher von einem "perfekten Tag" für sein Team sprechen sollte. "Es ist kein Zufall, dass wir so einen guten Lauf haben – bei uns passt von der gelungenen Integration der Youngster über die Klasse-Verstärkungen bis zu unserem tollen Teamgeist im Moment einfach alles zusammen", meinte Schreiber, der schon über 15 Jahre seinen Körper für die Bulldogs hinhält.
Ein Fieldgoal von Pascal Bröhl, je ein Versuch von Schreiber und Nolte sowie ein Touchdown der Bielefelder Defense durch Kevin Miles jun., den dritten US-Boy im Team, sorgten für die weiteren Punkte der Gastgeber. Deren einziges Problem war der schnelle Steven Müller, den die Defense nicht ganz ausschalten konnte und der alle drei Touchdowns der Dolphins erzielte. Ein Schönheitsfehler, der die Coaches vorübergehend auf die Palme brachte. Doch auch sie freuten sich am Ende über den gelungenen Nachmittag.