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28.11.2012
Wochen der Wahrheit
HANDBALL-UMSCHAU: Die aktuellen Tops und Flops der Landes- und Bezirksliga
VON GREGOR WINKLER

Der erste wichtige Sieg | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Der "No-look-Pass" auf den eigenen Kreisläufer, der Schlagwurf durch die Lücke in der 6:0-Deckung oder auch der Reflex des Torwartes in dem Moment, in dem der Ball die Hand des von außen einspringenden Gegners verlässt - alle Handballer wissen: Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an. Was auf dem Feld gilt, hat auch seine Richtigkeit, wenn man nach der sportlichen Zwischenbilanz fragt.

Nach zwei oder drei Spieltagen eine Einschätzung des Saisonverlaufs erhalten zu wollen, ist ungefähr so ergiebig wie der Versuch, mit einem Päckchen Lametta den New Yorker Weihnachtsbaum zu schmücken: Es fehlt die Substanz. In der Regel antworten Trainer, dass die Tabelle noch gar nichts aussage, man erst noch die schweren oder leichten Gegner spielen und sich das eigene Team ohnehin noch finden müsse. Jetzt, da mit neun Partien ein Drittel der Saison gespielt ist, ergeben sich schon deutlichere Tendenzen.

Tops: Beide Landesliga-Staffeln bestechen durch ihre Ausgeglichenheit an der Spitze. Profiteur in der Staffel zwei ist Tabellenführer TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck II (13:5 Punkte). Obwohl das Team von Sven-Eric Husemann schon fünf Minuspunkte hat (drei davon durch Remis), hält es sich auf dem Platz an der Sonne. Der Sieg gegen Isselhorst, das jetzt punktgleich auf Platz zwei steht, war der Grundstein. Erst Mitte November kassierte der TuS die erste Niederlage. In den kommenden drei Wochen hat die Oberliga-Reserve die Chance, ihren Platz zu festigen. Mit Werther (4., 12:6) und Ibbenbüren (3., 13:5) stellen sich zwei direkte Kontrahenten in der Realschule vor.

In der Parallelstaffel startete der TuS Brake mit großen Ambitionen. Als derzeitiger Tabellenfünfter (12:6 Punkte) dürfte der TuS unter den Tops eigentlich keine Beachtung finden. Doch wie in Staffel zwei ist auch hier die Spitze dicht beisammen. Nach Minuspunkten ist Brake Vierter. "Alle, die sieben Minuspunkte oder weniger haben, sind in der Verlosung", meint Trainer Stephan Neitzel. Am kommenden Spieltag kann der TuS zum großen Sprung ansetzten, denn es geht gegen den punktgleichen Verfolger Spradow. Der Sieger ist wieder im Rennen um den Aufstieg, wobei Brakes Saisonziel zur Zeit eher Neitzels Marschroute entspricht, der einen Platz unter den Top drei anstrebt. Ein Türchen hält Neitzel aber doch offen, wenn er vielsagend mitteilt: "Der Meister wird sicher ein zweistelliges Minuspunkte-Konto haben."

Flops: Leider tummeln sich mehr Bielefelder Mannschaften im Abstiegskampf als an den Tabellenspitzen. Und auch im Keller fallen vor Weihnachten wichtige Vorentscheidungen. Bei der HSG EGB Bielefeld muss man sich gleich um zwei Teams sorgen. Die erste Mannschaft balanciert als Zwölfter (6:12 Punkte) punktgleich mit den zwei davor Platzierten auf dem rettenden Ufer. Alles spitzt sich auf die folgenden drei Partien zu: Lemgo III (14.), Nordhemmern III (13.) und Hille (9.). Coach Matthias Foede erklärt: "Da wird sich entscheiden, ob wir weiter gegen den Abstieg spielen müssen oder uns im Mittelfeld festsetzen können." Der Trainer muss nach wie vor mit einem dezimierten Kader jonglieren, was alles um so spannender macht.

Die Personalnot wirkt sich auch auf EGB II aus, das als Letzter (2:16 Punkte) schon abgeschlagen scheint und Akteure an die Erste abgeben musste. Aber auch hier lohnt ein Blick aufs weitere Programm: Drei der vier nächsten Gegner sind Abstiegskonkurrenten. Mennighüffen II (12.), Bad Oeynhausen (13.) und die TG Herford (11.) könnten EGB die Punkte liefern, um wieder ins Geschäft zu kommen. Trainer Ralph Muesmann weiß: "Mein Team hat zuletzt Moral bewiesen. Uns fehlten immer ein paar Minuten, in denen wir mal hätten durchwechseln müssen. Aber wenn der Knoten platzt, haben wir die Qualität, drin zu bleiben."

Sennes Trainer Ivo Kraft rief nach der jüngsten Niederlage gegen den Drittletzten Hesselteich endgültig den Abstiegskampf aus. Ein Punkt trennt die Senner vom letzten Platz, und genau jenes Schlusslicht Everswinkel II ist der kommende Gegner. Kraft schätzt die Lage nüchtern ein: "Wir werden noch mindestens einen Spieltag auf einem Abstiegsplatz bleiben, aber die Situation hatten wir im vergangenen Jahr genau so. Damals haben wir mit einem Sieg in Schröttinghausen die Trendwende geschafft. Wir müssen alles dafür tun, um ein kleines Stück besser zu sein als der Gegner."



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