Herford (wad). Der Herforder SV des Jahres 2010 ist eine Wundertüte. Das Team hat bislang gegen alle Spitzenteams der Frauenfußball-Bundesliga über weite Teile mitgehalten, um am Ende wegen einiger schwacher Minuten mit leeren Händen da zu stehen. Das gestrige Spiel in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Titelverteidiger FCR Duisburg machte da keine Ausnahme. Mit Applaus der 642 zahlenden Zuschauer wegen einer starken Leistung in Hälfte eins wurden die Herforderinnen zur Pause bei einem 0:0-Zwischenstand in die Kabine begleitet. Am Ende stand ein 0:6 zu Buche.
"Herford hatte in der ersten Halbzeit einige richtig gute Aktionen", sagte FCR-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg und schien nach der Pause selbst verwundert, wie leicht es ihrem Team zwischen der 51. und 62. Minute gemacht wurde. Dabei waren die Nationalspielerinnen Linda Bresonik und Inka Grings schon nicht mehr auf dem Feld, als das Unheil über die Herforderinnen hereinbrach. Jennifer Oster hatte für Grings gerade das Feld betreten, als Simone Laudehr, ebenfalls Nationalspielerin, ihre Farben in Führung brachte.
Danach verlor die Herforder Deckung, die in der ersten Hälfte noch gut dagegen gehalten hatte, für kurze Zeit völlig die Orientierung – was der Gegner zu weiteren vier Treffern bis zur 62. Minute nutzte. "Das ist einfach nur ärgerlich. Wenn wir ein Gegentor kassieren, stehen wir zu weit auseinander. Eine Mannschaft wie Duisburg, bei der trotz einiger Ausfälle immer noch genügend Qualität auf dem Platz steht, nutzt so etwas aus. Somit haben wir uns erneut um ein gutes Ergebnis gebracht", sagte Herfords Trainerin Tanja Schulte, die so sauer war, dass sie nach dem Schlusspfiff schnurstracks in die Kabine eilte.
So kassierte der HSV wie schon beim 0:6 in Frankfurt oder beim 3:6 in Wolfsburg erneut sechs Gegentore, weil für wenige Minuten die Ordnung völlig verloren geht. "Das ist kein Problem der körperlichen Fitness. Wenn dies so wäre, müsste ich mir über meine Arbeit Gedanken machen", meinte Schulte. Ihr Team hatte in der ersten Hälfte mutig dagegen gehalten und das Ziel, immer wieder mit Nadelstichen das Duisburger Tor in Gefahr zu bringen, erreicht.
Sogar die Führung war in der 20. Minute möglich, als Laura Feiersinger nach einem langen Pass aus dem hinteren Bereich mit ihrer Antrittsschnelligkeit der Duisburger Abwehr davoneilte. Der Ball sprang ihr aber ein klein wenig vom Fuß, so dass Mirte Roelvink entscheidend eingreifen konnte. Nur drei Minuten später stand Duisburgs Nummer vier wieder im Blickpunkt, diesmal auf der anderen Seite.
Gleich dreimal innerhalb von Sekunden scheiterte sie an der glänzend parierenden Sonja Speckmann, die im Pokal für Tessa Rinkes im Tor steht und die eine starke erste Hälfte spielte. In dieser Phase entwickelte sich ein packender Pokalkampf, in dem eine Überraschung möglich schien. Doch durch die Herforder Auszeit zu Beginn der zweiten Hälfte war die Partie frühzeitig entschieden.
Ein Schmankerl hatte sich der FCR für die 90. Minute aufgehoben, Die für Bresonik eingewechselte Barbara Müller traf mit einem Sonntagsschuss aus 25 Metern. Dass dieser Knaller seinen Weg in den Winkel fand, passte zu der aus Herforder Sicht verkorksten zweiten Hälfte.