Bünde. Vor ein paar Jahren hatte Tennisspieler Sebastian Schäffer einen Traum: Einmal bei Deutschen Meisterschaften ganz oben auf dem Podest stehen. Jetzt ging dieser Wunsch für den 25-jährigen Bünder in Erfüllung. Bei den Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen im Tennis fand sich Schäffer nach einem erfolgreichen Wochenende plötzlich ganz oben auf dem Treppchen wieder, und das nicht nur in der Einzel-, sondern auch in der Doppelkonkurrenz.
Der Weg zum Titel bei den Deutschen Meisterschaften war für Schäffer alles andere als einfach. Durch seine Einschränkung ist es nicht einfach, die gelbe Filzkugel über das Netz zu schlagen. "Die Spieler können den Schlag des Gegners ja nicht hören. Somit ist es viel schwerer, den Ball einzuschätzen", erläutert Vater Jörg Schäffer.
Doch in den letzten Monaten hat sich der hauptsächlich in der Verbandsliga aufschlagende Spieler des TC Rödinghausen in der Deutschen Spitze etabliert und ist auch in der Gehörlosen-Nationalmannschaft eine feste Größe geworden. Vor kurzem stand der Bünder sogar bei den US-Open in Las Vegas für Deutschland auf dem Platz (die NW berichtete). Jetzt standen die Deutschen Meisterschaften im Spielkalender und Schäffer fuhr voller Ehrgeiz nach Neuwied (bei Koblenz) in Rheinland-Pfalz.
An den drei Tagen hatte Schäffer neben der Einzelkonkurrenz auch noch mit seinem Doppelpartner Torsten Vonthein den zweiten Titel im Visier. Ohne Probleme startete Schäffer in beiden Konkurrenzen. Der im Gehörlosensport für München spielende Bünder zog locker in die Vorschlussrunden ein, wo die Gegner auch keine Hürde für Schäffer darstellten. Somit galt die volle Konzentration den Finalspielen.
Im Doppelfinale hatten Schäffer/Vontheim im ersten Satz wenig Mühe und sie konnten den Durchgang sicher mit 6:1 nach Hause bringen. Die Gegenwehr auf der anderen Seite des Netzes hielt sich auch danach in Grenzen. So gewannen der Bünder und sein Partner nach einer guten Leistung auch den zweiten Satz souverän mit 6:1. Somit war der erste Titel eingefahren.
Im zweiten Finale kam es für Schäffer zum Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Im letzten Jahr scheiterte der Bünder an Urs Breitenberger im Viertelfinale. Jetzt schlug er den favorisierten Gegner im Endspiel der der Einzelkonkurrenz - und das zur Verwunderung der meisten Zuschauer auch noch sehr deutlich. 6:2 und 6:3 zeigte am Ende die Anzeigetafel zu Gunsten von Schäffer. Dass das Finale so klar ausgehen würde, hätte selbst der neue Deutsche Meister nicht gedacht: "Ich wusste, was Urs kann. Wir haben schon öfter gegen einander gespielt, doch dass es so deutlich wird, überrascht mich selbst", berichtete Schäffer voller Stolz, während er noch einmal einen Blick auf seinen Siegerpokal wirft.
Die beiden Kontrahenten lieferten sich in Neuwied ein Tennismatch vom Feinsten. In den letzten Partien hatte Breitenberger zumeist die Nase vorn, weil er das Heft in die Hand genommen hatte. Doch dieses Mal lief es ganz anders, der Bünder ließ seinem Gegner mit druckvollem Spiel keine Chance. Damit war der Traum erfüllt - und das sogar gleich doppelt.