Rheda-Wiedenbrück. Wer solche Spiele gewinnt, der steigt am Ende auch auf. Dieses Fazit lässt sich getrost aus dem gestrigen 2:1-Erfolg des SC Wiedenbrück über den MSV Duisburg II ziehen. Dabei folgte der NRW-Ligist einem in dieser Saison bewährten Schema: Erst in Rückstand geraten und dann durch einen Joker zurückschlagen. Dieses Mal dauerte es sogar bis zur 93. Minute, ehe Maximilian Oesterhelweg die 350 Zuschauer jubeln ließ.
Wie sehr dieser Erfolg am seidenen Faden hing, verdeutlichte Thomas Stratos. Der Trainer gestand ein, sich mit dem 1:1 abgefunden zu haben. "Als der Schiedsrichter drei Minuten Nachspielzeit anzeigte, habe ich gedacht: Jetzt bloß keinen mehr reinkriegen." Aber seine Spieler legten all ihre Kraft in den letzten Angriff und erzwangen das Happyend im ersten Heimspiel dieses Jahres. Das Glück ist eben mit den Tüchtigen.
Den Grund, warum Stratos ein Zähler befriedigt hätte, lieferte die erste Halbzeit, in der die Wiedenbrücker ähnlich fahrig agierten wie zuletzt beim 1:3 in Essen. Konnte Jonathan Mellwig in der 5. Minute nach einem Kopfball von Luka Mario Odak das 0:1 mit einer Glanzparade noch verhindern, war er elf Minuten später machtlos. Andre Schröder, für den verletzten Steven Degelmann in der Innenverteidigung eingesetzt, kam gegen Denis Pozder zu spät. Zu einem unglücklichen Nachmittag wurde die Partie für den 21-Jährigen endgültig in der 21.Minute, als er nach einem Zweikampf mit einer Beckenverletzung ausschied.
Der eingewechselte Temel Hop entwickelte sich ebenfalls zum Kurzarbeiter. Stratos registrierte die "schwache Leistung" mit derartigem Unbehagen, dass er den Rechtsaußen rund eine halbe Stunde später gegen Marc Polder austauschte. Der erwies sich als gute Wahl und initiierte ab der 54. Minute viele gefährliche Angriffe.
Vorher hatten die Wiedenbrücker, die erst in der 44. Minute durch Lars Remmert zu ihrer ersten, wenn auch hochkarätigen Chance kamen, allerdings eine Schrecksekunde zu überstehen. Nur der wagemutige Einsatz von Torhüter Mellwig gegen den Duisburger Pozder verhinderte das 0:2 – und damit die Vorentscheidung.
"Wenn das Tor gefallen wäre, hätten wir gewonnen", sagte MSV-Trainer Markus Reiter. Eine Einschätzung, die Stratos teilte.
Mellwig steckte mit seiner Rettungstat offenbar seine Vorderleute an, die das Tempo merklich erhöhten und die Duisburger Viererkette um den früheren Bundesligaprofi Bernd Korzynietz endlich in Schwierigkeiten brachten. Die Pässe landeten nun beim Mitspieler, zwangsläufig ergaben sich Torchancen. Nachdem sowohl Marc Polder (65.) als auch Lars Remmert (71.) am starken MSV-Torhüter Raphael Koczor gescheitert waren, zog Stratos mit der Einwechslung von Oesterhelweg seinen letzten Trumpf.
Doch ehe der stach, brauchten die Wiedenbrücker das Glück, in der 73. Minute per Elfmeter durch Dominik Jansen zum 1:1-Ausgleich zu kommen. "Anders hätten wir dieses Tor nicht geschossen", sagte Stratos angesichts der schlechten Chancenverwertung seiner Elf. Als Oesterhelweg doch noch ein Feldtor erzielte, war für den Trainer aber wieder einmal "alles gut". Sein Gegenüber Reiter nannte den Schlüssel für den Erfolg: "Der stärkere Wille und größere Kampfgeist haben sich nach 93 Minuten durchgesetzt."









