FUSSBALL: Frauen-Zweitligist Gütersloh verliert zwei Punkte durch Fehlentscheidung
Gütersloh. Manchmal kann man über Tore streiten, aber gestern waren sich alle einig: Um 17.32 Uhr rollte der Ball im Heidewaldstadion fast einen halben Meter hinter die Linie, ehe ihn die Leipziger Torfrau Sandra Schumann herausputzte. "Was können wir dafür, wenn die Schiedsrichterin den Treffer nicht gibt?", zuckte selbst Lokomotive-Trainer Jürgen Brauße mit den Schultern. Weil Monique Klauß aus Duisburg einen krassen Fehler beging, musste sich der FSV Gütersloh im Nachholspiel der 2.Frauenfußball-Bundesliga mit einem 0:0 zufrieden geben.
Aus dem Mittelkreis heraus hatte die Leipziger Verteidigerin Katharina Freitag in der 77. Minute unbedrängt einen flachen Rückpass zu ihrer Torhüterin gespielt. Der rutschte der Ball auf Höhe der Strafraumgrenze unter dem Fuß durch und kullerte relativ langsam weiter. Die 19-Jährige rannte hinterher, erwischte die Kugel aber erst deutlich hinter der Linie. Nicht "mitgespielt" hatte in dieser Szene allerdings die vor der Gegentribüne postierte Schiedsrichter-Assistentin. Pia Neutzer war schlichtweg nicht auf Ballhöhe und bewies dann auch noch mangelhafte Qualitäten im räumlichen Sehen, sonst hätte sie erkennen müssen, dass der Ball die Linie weit überschritten hatte. Während die Gütersloher auf dem Feld und auf der Tribüne schon die vermeintliche 1:0-Führung bejubelten, ließ Monique Klauß nach einem hilflosen Blick zu ihrer Assistentin weiterspielen.
Sie ließ auch die Gelegenheit aus, die Leipziger Torhüterin zu befragen und ihr die Chance zu geben, einen Fairnesspreis zu gewinnen. Hinterher gaben sowohl Schumann als auch die sich hinter dem Tor aufwärmenden Leipziger Ersatzspielerinnen zu, dass der Ball drin war. Nach dem Abpfiff kochten die Emotionen daher kurz hoch. Die Gütersloher Vorhaltungen ("Wo bleibt euer Fairplay?") wurden von den Leipzigerinnen auch bissig mit einem "Scheiß Wessies" beantwortet.
Das irreguläre 0:0 war gleichwohl ein gerechtes Ergebnis. Beide Teams hatten nach vorne herzlich wenig zu bieten. In einer von schwerfälligem Kampf und Ballverlusten geprägten Partie erspielte sich niemand wirklich zwingende Torchancen. Die beste Möglichkeit der Gäste war in der 54. Minute ein Lupfer von Marie-Luise Herrmann über FSV-Torhüterin Anja Berger hinweg; Lisa Gebhard konnte soeben noch retten. Auf der Gegenseite lag am ehesten in der 71. Minute ein Treffer in der Luft: Rechtsaußen Lena Hackmann brachte den Konter aber nicht zum Abschluss.
"Es fehlte bei uns an Laufbereitschaft", monierte Trainerin Christina Krüger vor allem den schwachen Auftritt in der ersten Halbzeit. "Wir waren von Anfang an nicht griffig und sind nicht in die Zweikämpfe gekommen", bestätigte Kristina Gessat. Die spielstarke Kapitänin hatte wieder als Innenverteidigerin begonnen, wechselte dann aber ins Mittelfeld. Immerhin steigerte sich der FSV ein wenig. Von der Klasse und vor allem der Courage des sonntäglichen Herford-Spiels war aber nichts zu sehen. So spielt eine Mannschaft, die in der Zwölfer-Liga Tabellenachter ist und sieben Spieltage vor Saisonende Angst vor dem Abstiegskampf hat.