Hüls. Für den SC Wiedenbrück kam der Rummel um Olaf Thon, den neuen Trainer des VfB Hüls, zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der abstiegsgefährdete Tabellenvierzehnte in der NRW-Liga verteidigte sich gestern gegen den Spitzenreiter nämlich mit einem ganz besonders hohen Einsatz und verdiente sich so ein 0:0. Allerdings ließ der enttäuschende Aufstiegskandidat jede Durchschlagskraft vermissen. Bei gefühlten 80 Prozent Ballbesitz brachte er in den langweiligen neunzig Minuten gerade mal zwei nennenswerte Chancen zustande.
Während die meisten Wiedenbrücker Spieler enttäuscht und kommentarlos in die Kabine eilten, stellte sich Mariusz Rogowski den kritischen Nachfragen. "Nach vorne war das ganz klar zu wenig von uns. Wir haben uns zu selten durchgesetzt und das Unentschieden ist deshalb nicht ungerecht", brachte der Kapitän die dürftige Angriffsleistung des Tabellenführers auf den Punkt.
Co-Trainer Marc Hunt ("Nach vorne klappte fast gar nichts") ordnete den Spielverlauf zwar so ähnlich ein, relativierte allerdings: "Wir haben keine Chance zugelassen und auswärts einen Punkt geholt. Wer weiß, wozu der noch gut ist, wo man doch jetzt deutlich merkt, dass die Mannschaft nach den vielen Spielen in den letzten Wochen müde wird."
Erschwerend hinzu kommen die Ausfälle. Frederic Kollmeyer konnte nach seiner Verletzung am Gründonnerstag im Spiel gegen Bielefeld wie erwartet seinen Platz in der Innenverteidigung nicht einnehmen. Für ihn wurde Carsten Strickmann aus dem Mittelfeld in die Zentrale der Viererkette zurückgezogen. Pascal Hofbüker rückte auf die rechte Mittefeldposition, während Lars Remmert rechts in die Viererkette rutschte.
Die Umstellung tat der Stabilität in der Defensive gegen allerdings äußerst harmlose Hülser keinen Abbruch. Dafür machte sie den Wiedenbrückern im Spielaufbau zu schaffen. Noch mehr Sicherheit ging dort verloren, als Soner Dayangan, der über links zu einigen der gegen die massierte Hülser Abwehr noch am ehesten Erfolg versprechenden Doppelpässe angesetzt hatte, wegen einer Oberschenkelzerrung (20.) ausschied.
Den Ball gefährlich in die Spitze zu spielen, fiel den Gästen umso schwerer, als Dominik Jansen nach zwei Krankheitstagen nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war und die Kugel dort nicht gut behauptete. Hinzu kam, dass der Raum immer enger wurde, je mehr und schneller Hofbüker, Lukas Krause oder die schwachen Temel Hop und Altan Arslan in die Mitte drängten.
Zwar bestimmten die deutlich ballsichereren Wiedenbrücker trotzdem von Anfang an die Partie, doch zwingende Angriffe vermochten sie in der 1. Halbzeit gar nicht und auch in der 2. trotz der Wechsel nur ganz selten aufzuziehen. In der 57. Minute köpfte der aufgerückte Innenverteidiger Steve Degelmann den Ball nach einer Oesterhelweg-Ecke knapp über das Tor. In der 79. Minute verrutschte Marc Polder eine Flanke von links derart, dass sich der Hülser Keeper Marvin Radüchel zum ersten und einzigen Mal lang machen musste.
Gleichwohl eröffnete Polder mit der einzigen spektakulären Aktion des Spiels eine Schlussphase,in der die Aufstiegskandidaten den kräftemäßig nachlassenden Gegner wenigstens richtig unter Druck setzten. Allerdings zeigte sich dabei deutlich, dass ihnen die Frische fehlte, um sich auch einmal im Spiel eins gegen eins durchzusetzen. Weil zudem der letzte Pass in die Tiefe so gut wie nie ankam, war das torlose Unentschieden ein zwangsläufiges Ergebnis, denn die Hülser waren nicht ein einziges Mal torgefährlich.