Verl. 57. Spielminute: Ricarda Kranz erzielt von Linksaußen das 24:21 für den TV Verl. Aber das Finale in der Handball-Oberliga ist noch nicht entschieden. Eintracht Oberlübbe kommt zum 23:24 heran. Die gut 400 Zuschauer in der Verler Sporthalle hält es nicht mehr auf den Sitzen. Stehend feiern sie das 25:23 durch Anke Gawer und als Ulla Zelle das 26:23 erzielt, gibt es kein Halten mehr: Jubel, Trubel, Sektdusche. Die Verler Handballerinnen gehen als Westfalenmeister in die neue 3. Liga.
"Jetzt ist unser tolle Saison doch erst richtig rund. Als Tabellenzweiter hätten wir uns doch immer nachsagen lassen müssen, dass wir nur in die 3. Liga gekommen sind, weil die Oberlübberinnen auf den Aufstieg verzichtet haben." Katharina Schockenhoff bewahrt auch in der Partystimmung genug Ruhe und Übersicht, um den großen Erfolg treffend einzuordnen.
Daran, dass es nach dem sehr schwachen Start mit einem 2:7-Rückstand (11.) überhaupt dieses Happy End gab, hatten die Verlerinnen eh weitgehend ihrer Torfrau zu verdanken. Wie schon im Aufstiegsfinale bei der SpVg. Steinhagen fand Katharina Schockenhoff in dem super nervösen Haufen als erste zur Normalform und steigerte sich zu einem sicheren Rückhalt.
Womöglich spielentscheidend war der von ihr beim Stande von 21:20 (54.) abgewehrte Siebenmeter. Die Oberlüberinnen waren zum vierten Mal von der "Marke" gescheitert . Zu oft um dass rassige Endspiel für sich zu entscheiden, zumal auch noch die Würfe der bärenstark beginnenden Joelle Kargesmeier gegen die sich stetig steigernde Verler Deckung an Präzision verloren. Am Ende trauerte der Tabellenzweite acht Aluminiumtreffern hinterher.
Nach dem 22:20 durch Ulla Zelle hatte der Spitzenreiter endgültig Oberwasser. Für die Kreisläuferin sind Sieg und Meisterschaft ein ganz besonderer Erfolg. "Nach der Schwangerschaft in den Sport zurückzukommen, war anstrengender als gedacht." Ilka Kleikämper, die wegen Krankheit, Verletzungen und Schwangerschaft ein noch beschwerlicheres Comeback hinter sich hat, nickt zustimmend, als sie sich freudestrahlend das rote T-Shirt mit der weißen Aufschrift "3. Liga, wir kommen, um zu bleiben" überstreift.
Darauf, dass sich die beiden Routiniers dafür noch weiter steigern können, ruhen in Verl die Hoffnungen. Am Samstag mussten die Leistungsträgerinnen Anke Gawer, Nina Jacobkersting und Ricarda Kranz schließlich zumindest im Angriff noch allzu viel Last tragen. Trotzdem: Wie die Verlerinnen sich nach dem 2:7 ins Spiel kämpften, mit dem Pausenpfiff zum ersten Ausgleich (13:13) kanen und dann das Finale an sich rissen, das war drittligareif. Das Publikum ging begeistert mit. Die ausgelassene Feier der Meisterinnen ließ erahnen, welchen Druck sie ausgehalten hatten.