FUSSBALL: NRW-Ligist SC Wiedenbrück kontert einen 0:1-Rückstand und kann am Donnerstag im Idealfall den Aufstieg feiern
Rheda-Wiedenbrück. In der 77. Minute weht zum ersten Mal Aufstiegsatmosphäre durchs Jahnstadion. Ein Fan des SC Wiedenbrück läuft mit einer schwarz-blauen Fahne von der Stehplatz- auf die gegenüberliegende Sitzplatztribüne, wo er mit einem zufriedenen Lächeln inne hält. "Applaus für den Stadionläufer Nummer eins", bedankt sich Sprecher Hans-Dieter Paschköwitz für diesen besonderen Einsatz. Rund 15 Minuten später sind die Spieler an der Reihe. Den 5:1-Erfolg über Westfalia Herne feiern sie vor ihren Anhängern mit einer Welle.
Durch das 1:1 von Germania Windeck bei der Hammer Spvg. hat der NRW-Ligaspitzenreiter seinen Vorsprung auf nunmehr neun Punkte ausgebaut. Auch wenn es Trainer Thomas Stratos nach wie vor "völlig egal ist, wann wir den Aufstieg feiern", kann im günstigsten Fall bereits am Vatertag auf die Regionalliga angestoßen werden. Gewinnen die Windecker Dienstag nicht ihre Partie beim MSV Duisburg II, ist der SCW mit einem Erfolg gegen Fortuna Köln durch.
Gestern mussten die Wiedenbrücker aber eine härtere Nuss knacken, als es das 5:1 nur annähernd ausdrückt. So wie Stratos von einem Sieg sprach, "der um zwei Tore zu hoch ausgefallen ist", sah sein Pendant Klaus Täuber 75 Minuten lang "ein Duell auf Augenhöhe". Lange Zeit lagen seine Herner eine Nasenspitze vorne. Mit der frühen 1:0-Führung durch Marko Onucka (5.) erwischten sie die Wiedenbrücker nicht nur auf dem falschen Fuß, sondern deckten bei den Gastgebern selten gesehene Schwächen auf. Frederic Kollmeier brauchte nach fünfwöchiger Verletzungspause einige Zeit, ehe er in der Innenverteidigung zu gewohnter Souveränität fand. Und auch im Mittelfeld hatten die Gastgeber mit den aggressiven Hernern ihre liebe Mühe. "Sie waren sehr griffig", umschrieb Kollmeier mit freundlichen Worten die harte Gangweise, die ihre Spuren hinterließ. Lukas Krause musste in der 44. Minute mit einer Wadenverletzung das Feld für Marc Polder räumen. Carsten Strickmann holte sich kurz vor der Pause einen dicken Knöchel, hielt aber bis zur 77. Minute durch. Von Beginn nur zuschauen konnte Pascal Hofbüker (Zerrung), Christopher John ersetzte ihn.
Letztlich halfen zwei mehr oder weniger geschenkte Elfmeter den Wiedenbrückern, dem Gegner den Schneid abzukaufen. In der 44. Minute musste der Schiedsrichter nach einer Attacke gegen Lars Remmert nicht zwangsläufig pfeifen; und in der 54. Minute musste Daniel Diaz nach einer Ecke noch weniger Hand spielen. Sei’s drum: Dominik Jansen verwandelte zum 2:1, sein Team kam in Schwung.
Einmal noch stellte die Westfalia ihre Gefährlichkeit unter Beweis. Doch als Jonathan Mellwig einen Kopfball von Ouro-Ackpo parierte (66.) und der eingewechselte Temel Hop elf Minuten später auf 3:1 erhöhte, gab sie sich geschlagen. "Es war klar, dass Herne den Aufwand nicht über 90 Minuten durchhalten kann", lieferte Jansen einen Grund für sein 4:1 (70.) und das 5:1 von Marc Polder (83.).
Kurz darauf hatte der Stadionläufer seinen zweiten Auftritt. Doch seine Aufforderung "Steht auf", ignorierten die Sitzplatz-Besucher beharrlich. In Puncto Stimmung ist bei der richtigen Feier durchaus Luft nach oben.