Gütersloh. Jeden Montag gegen 14 Uhr nahm bei Josef Ersay die innere Unruhe sprunghaft zu. Die Auswertung des NW-Trainerspiels nahte – und damit der Moment, kurz von der Arbeit abzuschweifen und auf "nw-news.de" seinen Punktestand zu kontrollieren. Der letzte Blick brachte dem 32-Jährigen gestern die Gewissheit: Er ist der Meistertrainer im Kreis Gütersloh.
2.805 Punkte sammelte Ersay, 19 mehr als der Zweitplatzierte Steffen Buch. Bis zum Finale sah es sogar nach einer Art Doppelsieg für Ersay aus. Birte Hornberg, seine 31-jährige Freundin, bog als schärfste Verfolgerin auf die Zielgerade ein, rutschte aber auf Platz drei ab. Trotz dieser Konkurrenz geriet der Haussegen aber nie in Gefahr. "Er ist der Experte, ich habe wenig Ahnung vom Fußball", sagt Hornberg. Mit dem Endklassement könne sie gut leben, zumal ihr Freund sie als Manager beraten habe: "Er hat meiner Mannschaft den Feinschliff gegeben."
Auch wenn einige Spielernamen wie die Leverkusener Stürmer Stefan Kießling und Eren Derdiyok in beiden Teams auftauchen, so stützt sich ihr Erfolg auf unterschiedliches Personal. Das Rezept von Ersay, im Beruf Entwicklungsingenieur für Hard- und Software, klingt einfach. "Zwei Leistungsträger braucht man für jeden Mannschaftsteil", erklärt er. Als zum Saisonstart mit dem Etat von 80 Mio. Euro aus 331 Spielern der Kader zusammengestellt werden durfte, vertraute der Hobby-Kicker ("Früher habe ich beim Gütersloher TV gespielt") in der Abwehr beispielsweise Marcelo Bordon (FC Schalke) und Josip Simunic (Hoffenheim). Mit zusammen 11,5 Mio. Euro gingen die beiden Routiniers ins Geld, während sich der Münchener Holger Badstuber als Schnäppchen erwies. Für läppische 350.000 Euro bekam Ersay einen zuverlässigen Punktesammler. "Ein Glücksgriff", gesteht er ein. Bei Christian Träsch bewies er ebenfalls ein gutes Händchen, mit steigendem Tabellenplatz des VfB Stuttgart legte der Mittelfeldspieler an Wert zu.
Geholfen, die richtige Auswahl zu treffen, hat Ersay wohl auch seine Objektivität. "Ich bin kein Fan von irgendeiner Mannschaft", betont er. Im Rennen um die Deutsche Meisterschaft habe er als "Bewunderer von Trainer Felix Magath"den Schalkern die Daumen gedrückt. Der Wunsch erfüllte sich bekanntlich nicht – anders als sein persönlicher Triumph.
Dieser kündigte sich am letzten Hinrundenspieltag an, als der Gütersloher die Spitze übernahm und nicht mehr abgab. "Ersay geht in Führung" titelte die NW am 22. Dezember. Den Zeitungsausschnitt hat der Protagonist sorgfältig aufbewahrt. "Natürlich ist es ein tolles Gefühl, seinen Namen zu lesen", sagt er. Ebensolche Freude sei es, besser als Freunde und Bekannte abzuschneiden. Darunter sein früherer Studienkollege und jetzige Landesligafußballer Maik Mönchmeier vom SV Spexard. "Den wollte ich schlagen", sagt Josef Ersay – und lächelt. Der Spaß ist für ihn immer noch der größte Anreiz, beim Trainerspiel mitzumachen. Für den Sieger steht fest: "Nächste Saison bin ich wieder dabei."