FUSSBALL: FC Gütersloh hat Führungswechsel nicht gemeldet / De Santis sorgt sich um den Verein
Gütersloh. Die 1. Fußballmannschaft des FC Gütersloh hat ihre Hausaufgaben soeben erledigt und die Saison in der Westfalenliga auf Rang sieben abgeschlossen. Doch die Führung des Vereins hinkt ihrer Zielsetzung hinterher und hat noch viele Baustellen offen. Selbst zu einer sauberen Erledigung administrativer Pflichten reichte es bisher nicht. So hat es der seit dem 9. März amtierende Vorstand versäumt, den Neuanfang auch im Vereinsregister zu dokumentieren. Das Amtsgericht Gütersloh musste jetzt daran erinnern.
Das Schreiben mit Datum vom 20. Mai ging an Giuseppe de Santis. Der Wortlaut: "In der o.g. Sache wird angefragt, ob zwischenzeitlich ein neuer 1. Vorsitzender gewählt wurde. Bejahendenfalls wird an die notarielle Anmeldung hierher erinnert." De Santis war der Adressat, weil er in der Vereinsregistersache VR 1092 als einziges Vorstandsmitglied des FC Gütersloh geführt wird. Nachdem Ende Februar durch die Veröffentlichung in der NW publik geworden war, dass weder die Vorstandsmitgliedschaft von Thomas Birkenhake noch die ebenfalls Monate zuvor von den Mitgliedern beschlossene Vereinssatzung dem Gericht vorlag, hatte Birkenhake dies als "Unachtsamkeit des Rechtsbeistands" bezeichnet und eine sofortige Eintragung im Vereinsregister nach der Neuwahl am 9.März angekündigt. Warum das nicht geschah, begründete der 2. Vorsitzende Detlef Forsch gestern mit der Absicht, "alles in einem" erledigen zu wollen. Er meinte damit die gleichzeitige Meldung eines Jugendvorstands und die vom neuen Vorstand angestrebte erneute Satzungsänderung: "Die Unterlagen liegen bereits bei Dr. Schils, wir werden sie spätestens nächste Woche dem Gericht zustellen."
Stichhaltig ist diese Erklärung nicht. Jugendvorstände werden im Vereinsregister nicht eingetragen, und die neue Satzung kann der Vorstand mitnichten schon nächste Woche abgeben. Die ursprünglich für Ende April versprochene außerordentliche Mitgliederversammlung, in der die neue Satzung verabschiedet werden muss, soll schließlich erst Ende Juni stattfinden.
Rein formaljuristisch ist der FC Gütersloh dadurch in die Bredouille geraten. Giuseppe de Santis hat dem Amtsgericht am 4. März nämlich nicht nur den Januar-Rücktritt von Präsident Udo Böning mitgeteilt, sondern auch die bislang unwirksam gebliebene Satzung aktiviert. Dort ist insbesondere die Rolle das Aufsichtsrats deutlich aufgewertet. So muss diesem Gremium etwa vor jedem Geschäftsjahr der Finanzplan vorgelegt und von ihm die Genehmigung für Rechtsgeschäfte mit einem Umfang von mehr als 30.000 Euro eingeholt werden. "Wenn der jetzige Vorstand also einen Kader für die nächste Saison zusammenstellt, handelt er streng genommen satzungswidrig", findet de Santis. Für die Versäumnisse des neuen Vorstands hat der Ex-Vize keine Erklärung: "Man hat uns vorgeworfen, wir hätten nicht sauber und transparent gearbeitet. Ich vermisse das eher bei der neuen Führung."
De Santis, immer noch Mitglied beim FCG, geht es nach seiner Darstellung nicht um Nachtreten oder Erbsenzählerei. Ihn treibt die Sorge um die Zukunft des Vereins. Er empfiehlt den Mitgliedern daher eine kritische Begutachtung der neuen Satzung, von der er befürchtet, dass die Kontroll- und Steuerungsfunktionen von Vereinsorganen massiv reduziert werden sollen. "Es darf nicht passieren", so de Santis, "dass der Geldfluss zum Verein nur über eine außerhalb des Vereins angesiedelte Tochtergesellschaft eines Sponsorunternehmens läuft." In dem Strukturmodell des künftigen FC Gütersloh hat Jörg Siekmann (Melos GmbH) einen bislang nicht näher konkretisierten Finanzierungspool vorgesehen. Giuseppe de Santis will seine Rechte als Mitglied auf jeden Fall wahren und erklärte: "Ich bewerbe mich für den Aufsichtsrat."