Harsewinkel. Viele Finisher beim 23. Pflüger-Triathlon in Harsewinkel gingen im Ziel erschöpft in die Knie, die meisten liefen gleich durch bis zum Getränkestand. Nur einer trotzte gestern der Hitze und wirkte nach dem Wettkampf so frisch wie vorher: Evert Scheltinga, ein 22-jähriger Holländer, der für Bayer 05 Uerdingen startet, holte sich souverän den Sieg über die Kurzdistanz. Für 1–40–10 Kilometer benötigte er 1:48:50 Stunden und lag damit 1:46 Minuten vor dem auf Rang vier einlaufenden Gütersloher Ingmar Lundström.
Normalerweise geht Scheltinga für das Uerdinger Zweitligateam an den Start. Gestern wechselte der Physiotherapeut aus Arnheim freiwillig eine Klasse tiefer in die NRW-Liga, um sich für die holländischen Sprintmeisterschaften in Form zu bringen. "Er ist ein Ausnahmeathlet und es ist eine Ehre für uns, mit ihm starten zu dürfen", sagte Marcello Ruiz. Der Bielefelder im 05-Trikot freute sich auch über den Sieg in der Liga-Mannschaftswertung, denn mit Vorjahressieger Uwe Kappelhoff (1:49:31 Std.) kam der nächste Uerdinger als Zweiter ins Ziel. "Ich bin der bessere Läufer", wusste Scheltinga, schon der schnellste Schwimmer, dass er den minimalen Rückstand nach der Radstrecke locker aufholen würde. Kappelhoff durfte sich mit dem Gewinn des NRW-Meistertitels trösten.
Ingmar Lundström, der als Läufer für die DJK Gütersloh aber als Triathlet für den TSVE Bielefeld startet, war als Zehnter auf die Laufstrecke gewechselt. "Ich bin schon völlig platt vom Rad gestiegen", gestand der 38-Jährige hinterher. Gleichwohl setzte er zur Aufholjagd an und lag nach der ersten von zwei Laufrunden gemeinsam mit Rene Dörmbach (Lüdenscheid) auf Rang drei. Dann zog Dörmbach aber an und nahm ihm bis zum Ziel noch 19 Sekunden ab. Lundström reagierte gelassen: "Ich mache mir nicht mehr den Stress und laufe mich grün und blau, nur um vielleicht Dritter zu werden." Der Dauerbrenner der Szene, 1994 und 2002 westdeutscher Meister, durfte dann aber doch als Dritter der NRW-Meisterschaft noch einmal auf die Siegerehrungsbühne im Harsewinkeler Triathlon-Stadion. Außer Starts in Verl und Ratzeburg hat Lundström keine großen Pläne mehr für dieses Jahr.
Gesamtsieg und Titel bei den Frauen holte sich mit Katjana Quest-Altrogge "die große alte Dame des ostwestfälischen Triathlons", wie Moderator Stefan Schwenke sagte. Tatsächlich wunderte sich die 46-Jährige aus Lage, die für den Krefelder Kanu-Klub startet, dass niemand ihre Aufholjagd stoppte. "Ich bin eine komplette Athletin mit Schwimmschwäche", kommentierte sie lächelnd die Tatsache, nur als 25. des Rekordfeldes von 91 Frauen aufs Rad gestiegen zu sein. Letztendlich profitierte die frühere Hermannslaufsiegerin aber von ihrer Stärke und lief nach 2:07:01 Stunden ins Ziel. "Es war eine Schinderei", sagte sie pitschnass geschwitzt nach der Erstversorgung mit Cola und Wasser.