WM-Finale am 1. August im Visier
Gütersloh. Mit 19 Jahren hat Kristina Gessat schon eine beachtenswerte Karriere als Fußballerin hinter sich. Sie durchlief sämtliche Nachwuchsteams des DFB, ist seit langem Leistungsträgerin in ihrem Gütersloher Vereinsteam und seit dem Winter auch Kapitänin des FSV. Die U 20-WM, deren Endspiel am 1. August nur wenige Kilometer entfernt von ihrem Heimatort Dissen stattfindet, ist ihre bisher größte sportliche Herausforderung. Vor dem seit Donnerstag in Marienfeld stattfindenden Vorbereitungslehrgang sprach NW-Redakteur Wolfgang Temme mit der Nationalspielerin.
Glückwunsch zum erfolgreichen Schulabschluss, Kristina. Aber welches ist in diesem Jahr die wichtigere Reifeprüfung: Das Abitur oder die U 20-Weltmeisterschaft?KRISTINA GESSAT: Das Abitur steht in jedem Fall im Vordergrund, weil ich davon ja später leben muss. Im Fußball werde ich wahrscheinlich nicht so viel Geld verdienen, dass es dafür reicht. Aber natürlich ist die WM nach dem Abitur das absolute Highlight, so ein bisschen das Bonbon.
Was haben Sie mit dem Abitur vor?GESSAT: Ich möchte auf jeden Fall studieren, habe mich aber noch nicht konkret entschieden, in welche Richtung es geht: Entweder Sport oder Kommunikationsdesign.
Wie geht es fußballerisch weiter?GESSAT: Auch da habe ich mich noch nicht entschieden, weil es auch von meinen Studienplänen abhängt.
Gibt es Präferenzen?GESSAT: Eigentlich nicht.
Im Vorfeld der Männer-WM hat es Verletzungen gegeben, die zum Aus für einige Spieler geführt haben. Kommt da Angst auf, dass Ihnen so etwas passieren könnte und Sie das Highlight verpassen?GESSAT: Ja klar, man denkt wie bitter das für die Spieler ist und wie bitter das für mich wäre. Aber die Wahrscheinlichkeit, sich zu verletzen, ist in jedem Spiel und jeden Training da. Man sollte das jetzt also nicht zu hoch bewerten.
Das Saisonende in der 2. Liga war schon Anfang Mai, die WM beginnt am 13. Juli. Wie überbrückt man eine solch lange Phase?GESSAT: Die "Pause" war ja schon am 28. Mai vorbei, da begann der erste von drei WM-Lehrgängen über jeweils eine Woche. In der Zwischenzeit habe ich mich mit individuellem Training fit gehalten.
Hat man Respekt vor der Belastung in den Lehrgängen oder genießen Sie es, endlich einmal unter unter professionellen Bedingungen trainieren zu können?GESSAT: Ich bin ja frei jetzt. Ich habe in der Schule nichts mehr, was parallel laufen müsste. Deshalb ist das Training okay so.
Im Kader der U 20-Nationalmannschaft sind Sie eine von ganz wenigen Zweitligaspielerinnen. Entwickelt man da Minderwertigkeitskomplexe?GESSAT: Natürlich ist es so, dass sich die anderen an den Wochenenden öfter auf dem Fußballplatz treffen, weil sie in der Bundesliga gegeneinander spielen. Aber deswegen komme ich mir nicht weniger wert vor.
Beim FSV Gütersloh sind Sie auf dem Platz so etwas wie das Mädchen für alles: Sie haben Innenverteidigung gespielt, defensives und offensives Mittelfeld und als Sturmspitze. Welche Position besetzen Sie im U 20-Nationalteam?GESSAT: Neuerdings, seit letztem Winter, die Innenverteidigerposition. Sonst habe ich beim DFB immer im zentralen Mittelfeld gespielt, mal auf der Zehn, aber in der U19 eigentlich immer auf der Sechs. Aber mittlerweile bin ich hinten angekommen.
Was machen Sie am 1. August?GESSAT: Ich hoffe in Bielefeld das Finale spielen.