Bielefeld. Die HSG Gütersloh durfte gestern für zwei Stunden auf die große Handball-Bühne. 3.033 zahlende Zuschauer genossen, wie sich der Oberligist in der 2. Runde des deutschen Pokalwettbewerbs mit 25:42 glänzend verkaufte. Als sich das Publikum in der Schlussphase von den Sitzen in der Seidensticker Halle erhob und sich mit Standing Ovations für den unterhaltsamen Abend bedankte, kam richtig Gänsehaut-Feeling auf.
"Was für ein geiles Erlebnis", brach es aus Christoph Harbert heraus. "Ich habe drei Tore gegen Jogi Bitter geworfen, und das vor so vielen Menschen." Während die Gütersloher Spieler ein Bad in der Menge nahmen, die aufs Spielfeld strömte, um Autogramme zu sammeln und Fotos zu schießen, genoss Udo Johannböke den größten Tag des Gütersloher Handballs ganz still. "Der riesige Aufwand hat sich gelohnt. Die Saison ist finanziell gerettet", sagte der HSG-Vorsitzende.
Nach einer Werbung für die HSG hatte es zunächst nicht ausgesehen. Stefan Schröder von Rechtsaußen, Matthias Flohr vom Kreis, Igor Vori und Blazenko Lackovic per Gegenstoß oder aus dem Rückraum: Die Nationalspieler aus Deutschland und aller Welt in den Reihen des konzentriert beginnenden Bundesligisten trafen wie sie wollten. Auch wenn Eugen Rogalski unter riesigem Beifall Marcel Schliedermann einen Wurf wegnahm und Kreisläufer Florian Haubrock zum 1:5 für die Gütersloher einnetzte, brauchte es zehn Minuten bis zum 1:11, ehe die Schwarz-Gelben ihre Nervosität ablegten. "Als die Jungs merkten, dass man auch gegen einen Bundesligisten Chancen herausspielen kann, ging es", freute sich Matthias Wieling. "Aber wie das Publikum uns immer wieder nach vorne getrieben hat, das war auch einfach nur klasse."
Natürlich kamen die Gütersloher jetzt auch deshalb zurecht, weil die Hamburger sie mitspielen ließen. Aber mitspielen gegen einen technisch, läuferisch und athletisch derart überlegenen Gegner – das muss eine Mannschaft auch erstmal bringen. Und es war Benny Zöllner, der auf Zuspiel von Christoph Harbert mit dem Kempa-Tor zum 2:12 für den ersten Höhepunkt des Abends sorgte.
"Die ersten zehn Minuten waren von uns gut, dann haben wir etwas Gas rausgenommen. Aber die Gütersloher machen das prima, und die Zuschauer haben ihren Spaß, so soll es sein", sagte Johannes Bitter in der Pause. "Aber für uns ist es heute auch ganz gut, dass wir nur gegen einen Oberligisten spielen müssen. Gegen einen Bundesligisten würde es eng", räumte Bitter nicht nur ein, weil nach Lijewski, Kraus und Carlén mit Pascal Hens noch ein Leistungsträger verletzt ausgefallen war. "Wir tun uns schwer, in die Serie zu kommen", räumte Bitter ein. Deshalb nutzte Trainer Per Carlen auch die Gelegenheit, "um gegen diesen guten und fairen Gegner etwas auszuprobieren."
Die Gütersloher genossen ihren Pokalauftritt trotzdem aus vollem Herzen. "Natürlich hätten die jederzeit, zwei, drei Schüppen drauflegen können. Aber wir haben sie wenigstens hin und wieder ärgern können", freute sich Marcel Schönhoff diebisch, dass seiner Truppe gerade nach dem 12:25-Pausenstand noch ganz viel gelang und die Zuschauer nicht nur bis zum Schlusspfiff blieben, sondern den Außenseiter anfeuerten.