FUSSBALL: Lena Hackmann schießt Frauen-Zweitligist FSV Gütersloh zum Sieg
VON CARSTEN BIERMANN
Gütersloh. 4:1 - das klingt nach einer klaren Angelegenheit. Bis zur 83. Minute deutete aber rein gar nichts auf einen derartig hohen Sieg des Frauen-Zweitligisten FSV Gütersloh über den SV Meppen hin. Beim Stand von 1:1 öffnete erst Lena Hackmann mit einem gleichsam traumhaften wie glücklichen Sonntagsschuss den Gastgebern den Weg zu den drei Punkten.
Nach nicht immer hochklassigen aber stets spannenden 90 Minuten waren sich beide Trainer einig, dass das Ergebnis nicht ganz dem Spielverlauf entsprach. "Ein 2:1 wäre in Ordnung gewesen", sagte Meppens Maria Reisinger, betonte aber gleichsam, dass "auch ein Unentschieden drin war." Der Gütersloher Markus Graskamp pflichtete ihr bei: "Es sah lange so aus, als müssten wir uns mit einem 1:1 zufrieden geben."
Der Tabellenfünfte erwies sich als der erwartet schwere Gegner, erstickte mit einer körperbetonten Gangart das Gütersloher Kombinationsspiel im Ansatz. Hilfreich war zudem die frühe 1:0-Führung in der 2. Minute durch Sarah Sieksmeyer, die die FSV-Abwehr im Tiefschlaf erwischte. "Wir haben schwer ins Spiel gefunden", sagte Graskamp, der nach dem Weckruf aber eine verbesserte Mannschaft sah.
Trotz Feldüberlegenheit blieben Torchancen Mangelware, das Fehlen der beiden U17-Nationalspielerinnen Annabel Jäger und Lina Magull konnten die nachgerückten Nina Philipp und Lena Hackmann nicht kompensieren. Es drohte sogar ein 0:2-Rückstand, wenn Martina Fennen eine gute Hereingabe erwischt hätte (26.).
Auf der anderen Seite dauerte es bis zur 30. Minute, ehe Rebecca Granz nach einer der zahlreichen Ecken aus zehn Metern abzog, aber nur eine Abwehrspielerin traf. Mit gütiger Unterstützung von Meppens Bianca Lity gingen die Gütersloherin doch noch mit einem 1:1 in die Pause. Die Verteidigerin senste Kristina Gessat derart ungestüm um, dass Schiedsrichterin Sabine Stadler (Fulda) gar nicht anders konnte, als auf Elfmeter zu entscheiden. Lena Hackmann erzielte so ihr erstes Tor (43.).
Mit dem Treffer im Rücken kam der FSV engagiert aus der Kabine. "Wir haben das Tempo erhöht", stellte Graskamp fest, doch nach Chancen von Marina Hermes (Lattenschuss, 52.) und Kristina Gessat (54.) musste er sich weiter in Geduld üben. Meppen blieb bei Kontern brandgefährlich. Sarah Schulte verfehlte aus sieben Metern das Ziel (59.), Anja Berger parierte glänzend gegen Inga Kappel (67.).
Mit zwei Wechseln sorgte Graskamp schließlich für neuen Schwung. Magull ersetzte trotz Erkältung Birgitta Schmücker im Sturmzentrum, Franziska Brückl, der Graskamp nach anstrengenden Wochen eine Erholungspause gönnte, rückte für Angelika Widowski auf die linke Offensivseite. Und Bröckl war es schließlich, die Hackmann das 2:1 auflegte. "So ein Tor habe ich noch nie geschossen", strahlte die Interimskapitänin nach Abpfiff mit der untergehenden Sonne um die Wette. Sichtlich entspannt konnte sich nachlegen: "Es hat sich ausgezahlt, die Ruhe zu bewahren."
Die Gäste zeigten sich von dem Treffer derart geschockt, dass sie ihre Abwehrarbeit einstellten und Lina Magull zwei Tore (85. und 87.) zum 4:1 ermöglichten. Dass sie "kaum Luft bekam", wie sie meinte, merkte man ihr dabei nicht an.
Durch den Erfolg ergeben sich für den FSV glänzende Perspektiven. Da der Herforder SV beim 1:1 in Magdeburg Punkte liegen ließ, verdrängte das Team den Erzrivalen vom 3. Tabellenplatz. "Nachlegen", gab Graskamp vor dem nächsten Heimspiel gegen Magdeburg entsprechend als Devise auf.
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