Gewalt gegen Schiedsrichter: Gericht vertagt Prozess gegen Spieler von K.F. Drita
VON CARSTEN BIERMANN
Gütersloh. Acht Stunden, kein Ergebnis: Die Verhandlung gegen den früheren Fußballer von K.F. Drita Gütersloh am Amtsgericht Gütersloh geht in die Verlängerung. Das Jugendschöffengericht mit dem Vorsitzenden Ulrich Koschmieder stimmte dem Antrag des Verteidigers Markus Kottmann zu, weitere Zeugen anzuhören. Gestern konnten die unrühmlichen Gewaltszenen des B-Ligaspiels SV Avenwedde II gegen K.F. Drita am 7. November 2010 nicht restlos aufgeklärt werden.
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Schiedsrichter pfeift wieder
Bei Hermann Dresselhaus kamen gestern Erinnerungen hoch, die er eigentlich verdrängt hatte. "Jetzt sind die Schläge wieder präsent", sagte er nach seiner Zeugenaussage. Zwar habe er keine Angst mehr, doch Spuren habe der Fall hinterlassen: "Der Kopf ist das Problem." Als "Schiedsrichter aus Leidenschaft" stand es für ihn außer Frage, seine Karriere trotz des Angriffs fortzusetzen: "In 34 Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt." Beistand bekam der 55-Jährige von Michael Swiers vom Kreisschiedsrichterausschuss, der die Verhandlung verfolgte. Aus sportlicher Sicht sei der Fall mit dem Urteil der Verbandsspruchkammer, die den Spieler im Dezember 2010 für 18 Monate gesperrt hat, abgeschlossen. Von dem Gerichtsurteil erwartet er zusätzlich eine "reinigende Wirkung". Er appelliert an die Vereine, auffällige Spieler auszuschließen: "Ich hoffe, dass der Angeklagte nirgendwo mehr spielt."
Eine besondere Brisanz bekommt der Fall, da der Angeklagte zur Tatzeit wegen eines anderen Vergehens bereits zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden war. Ihm droht die Aussetzung der Bewährung.
Dem 20-Jährigen, der sich zu dem Fußballspiel nicht äußerte, wird vorgeworfen, den Schiedsrichter Hermann Dresselhaus (Schloß Holte) mit einem Faustschlag am Kopf verletzt zu haben. In der 86. Minute hatte der 55-Jährige den insgesamt vierten Drita-Spieler nach einem rüden Foul die Rote Karte gezeigt. Daraufhin stürmten mehrere Drita-Spieler und Zuschauer auf den Schiedsrichter zu und bedrängten ihn massiv. "Richtige Jagdszenen" hätten sich abgespielt, sagte Dresselhaus: "Ich hatte Angst um mein Leben."
Unter dem Schutz von Avenwedder Spielern und Zuschauern flüchtete er ins Sportheim. Durch die Attacken trug er Prellungen an Kopf und Schultern davon. Identifizieren konnte er die Täter nicht: "Ich habe mich geduckt, und sie kamen von hinten." Unter anderem erhielt er Schläge von einem Linienrichter, den K.F. Drita stellte. Der Hauptverdächtige war in einem anderen Gerichtsverfahren bereits freigesprochen worden. Bis zur 70. Minute hatte, wie im Spielbericht eingetragen, der Mannschaftsverantwortliche dieses Amt ausgeführt. "Er hat in der 70. Minute die Fahne weggeworfen", bestätigte Dresselhaus dessen Unschuld. Wer in den letzten Spielminuten an der Linie stand, konnten oder wollten die als Zeugen geladenen Drita-Spieler nicht sagen.
"Alles ging so schnell. Ich habe nichts gesehen." Mehrfach fielen diese Sätze, wenn der Richter die vier Zeugen fragte, was auf dem Avenwedder Sportplatz passiert sei. Besonders intensiv verhörte er den Torhüter. Bei seiner Aussage vor der Polizei hatte der Angeklagte angegeben, zum Zeitpunkt der Auseinandersetzungen im Fünfmeterraum verletzt am Boden gelegen zu haben. Dies hatte zuvor auch ein Drita-Spieler ausgesagt. Der Torhüter hielt dies für möglich, war sich aber nicht sicher.
Überhaupt schien der 22-jährige Slowake, der von einem Dolmetscher übersetzt wurde, unter Gedächtnislücken zu leiden. Mehrmals musste der Richter ermahnend nachfragen, ehe er einräumte, dass seine Mitspieler den Tumult ausgelöst haben. "Sie wollen nichts Schlechtes über ihre Mannschaftskameraden sagen.Menschlich ist das okay, rechtlich nicht", sagte Koschmieder. Auf den Hinweis, die Wahrheit sagen zu müssen, entgegnete der Torhüter: "Ich weiß nicht, was passiert ist." Um die Geschehnisse habe er sich auch deswegen nicht gekümmert, da er zu seiner Freundin gelaufen sei, die weinend am Spielfeldrand gestanden habe.
Von dieser Zeugin verspricht sich der Verteidiger eine mögliche Entlastung seines Mandanten. Ebenso helfen soll ein Spieler, den alle "Chicha" oder wegen seiner Statur "Storch" nennen. Er soll sich zur Tatzeit am Strafraum aufgehalten haben. Das Gericht fand heraus, dass es sich um den Bruder des Vereinspräsidenten handelt, der aber nicht mitgespielt hat.
Einzig Avenweddes Kapitän belastete den Angeklagten. Bei der Identifizierung berief er sich auf das Aussehen. Als Deutsch-Brite hebt sich der vermeintliche Schläger von seinen zumeist albanischen Teamkameraden ab. Der Zeuge sagte auch: "Der Angeklagte hat nicht zu den handelnden Personen gehört, sondern sich zu dem Schlag verleiten lassen." Eigentlich müssten noch "ganz andere hier sitzen".
Der Beschuldigte verfolgte die Verhandlung nahezu regungslos. Nur zu Beginn fuhr er aus der Haut. Es ging um eine zweite Anklage, der er sich stellen muss. Bei einer Familienstreitigkeit soll er gegenüber dem Ehemann seiner Cousine – beide leben in Trennung – eine Morddrohung geäußert haben.
Der Prozess wird am 23. Februar um 9 Uhr fortgesetzt.
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