Gütersloh. Schlechter hätte der Trainerjob für Philipp Christ bei der HSG Gütersloh nicht beginnen können. Der Handball-Oberligist verlor nicht nur mit 23:33 gegen Eintracht Hagen II, er gab sich regelrecht auf. "Ich will, dass die Jungs wieder sechzig Minuten lang an sich glauben. Das muss ich reinkriegen, das ist meine Aufgabe", sagt der 31-Jährige vor dem Spiel am Sonntag beim TV Soest.
Auf Betreiben der Mannschaft hatte sich die abstiegsgefährdete HSG vor der Partie gegen Hagen von Matthias Wieling getrennt und Christ bis zum Saisonende als Nachfolger benannt. Die erhoffte Reaktion auf diesen Schnitt blieb aus. Statt kompromisslos um "Big Points" zu kämpfen, resignierten Gütersloher, als nach dem 14:16-Pausenstand nichts mehr lief. "Dafür gibt es keine Entschuldigung", sagt Christ unmissverständlich. Trotzdem sucht er nach Erklärungen: "Ich glaube, sie wollten alle, aber sie wollten zu viel und sind damit irgendwann nicht mehr klar gekommen." Er thematisierte die Blamage natürlich an den Trainingsabenden. "Doch was bringt es. lange darauf herumzureiten?" Lieber setzte er auf intensive Einheiten. "Aus diesem Schlamassel kommen wir nur durch Anstrengung, Kampf und Einsatz wieder heraus."
Aus der Pflicht, auf die von ihr erzwungene Maßnahme der Vereinsführung zu reagieren, hat der neue Coach die Mannschaft damit keineswegs entlassen. "Dann muss jetzt eben in Soest etwas kommen", fordert er. Schließlich ist es nicht nur die Stimmungslage, die Christ und seine Spieler unter Druck setzen, sondern auch die Tabellensituation.
Die Chance, den Klassenerhalt im Endspurt zu schaffen, ist für die Gütersloher immer noch da. Weil Hagen I in der 3. Liga einen Abstiegsplatz belegt, müsste Hagen II die Oberliga zwangsweise verlassen. Regulär absteigen würden darüber hinaus nur noch die drei Tabellenletzten. Die HSG Gütersloh geht punktgleich mit dem Viertletzten Teutonia Riemke in den 19. Spieltag. Dabei stehen die entscheidenden Partien gegen Riemke, gegen die ebenfalls noch gefährdeten Teams aus Bergkamen, Hamm und Jöllenbeck, sowie das Gastspiel beim Schlusslicht Hahlen noch aus. "Wir haben es noch selber in der Hand", versucht Christ seine demoralisierten Spieler wieder aufzubauen.
In der Hinserie holten sich die Schwarz-Gelben mit dem 32:29 gegen Soest die einzigen Bonuspunkte dieser Saison gegen Teams aus dem oberen Tabellenbereich. Ob dieser Coup wiederholbar ist? Ausgerechnet vor dem Rückspiel finden die Loer-Brüder Max und Alex wieder zu ihrer Form, und der Rangsiebte ist nach fünf Niederlagen in Folge mit dem 29:28-Sieg über Menden in die Erfolgsspur zurück.
Auf dem Feld geht es um Punkte für den Klassenerhalt, hinter den Kulissen um Zusagen für die neue Saison. Am Donnerstag intensivierte der Vorstand die Gespräche mit den Spielern. "Da kommt noch viel Arbeit auf den Verein zu", unkt Christ: "Für die nächstes Jahr noch stärkere Oberliga eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen ist schwer. Aber in der Verbandsliga mit der großen Konkurrenz aus dem Kreisgebiet würde es auch nicht leicht."