Markus Reiter kommt zum 1. Juli
FUSSBALL: Regionalligist SC Wiedenbrück verpflichtet neuen Coach und Dirk Flock als Co-Trainer
Rheda-Wiedenbrück. Weitgehend im Verborgenen und ganz verschwiegen suchte der SCWiedenbrück vier Wochen lang nach einem neuen Trainergespann – gestern präsentierte der Fußball-Regionalligist das so von niemanden erwartete Ergebnis. Markus Reiter, ein 35-jähriger Ex-Profi aus Essen, wird ab 1. Juli neuer Coach im Jahnstadion. Als Co-Trainer verpflichtete der Verein den im Dezember beim FC Gütersloh entlassenen Dirk Flock (39). "Dieses Ergebnis macht uns sehr stolz", sagte Vorstandsmitglied Burckhard Kramer bei einer gestern kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.
Reiter und Flock, die beide Einjahresverträge unterschrieben, werden Nachfolger von Thomas Stratos (45) und Marc Hunt (48), denen der SCW am 10.Januar mitgeteilt hatte, dass ihre am Saisonende auslaufenden Verträge nicht verlängert werden.
Markus Reiter sei einer von 37Trainern gewesen, die sich beim SC Wiedenbrück beworben hätten, verriet Burckhard Kramer: "Mit vier von ihnen haben wir uns unterhalten." Bei der Entscheidung über die Kandidaten habe man auch "fußballerischen Sachverstand von außen" mit einbezogen, sagte Kramer, ohne dies zu personifizieren. Die Wahl sei aus mehreren Gründen auf Reiter gefallen: "Er hat eine klare Ansage und redet nicht um die heiße Kartoffel herum", so Kramer: "Überzeugt hat uns auch seine detailreiche Darstellung, wie er sich die Arbeit bei uns vorstellt – in der Form habe ich das bei Trainern bis zum heutigen Tag nicht erlebt."
Dass Reiter ("Es freut mich, dass ich in den Gesprächen überzeugt habe") einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen konnte, überrascht nicht. Der 35-Jährige hat an der Universität Bochum ein Studium zum Diplom-Sportwissenschaftler absolviert und 2009 die elfmonatige Ausbildung zum Fußballlehrer erfolgreich durchlaufen.
Als Trainer war er von 2009 bis 2011 beim MSV Duisburg angestellt und für die 2. Mannschaft verantwortlich. Mit ihr gab es in der Saison 2009/2010 auch den bis dato einzigen Kontakt zum SC Wiedenbrück: Am 14. März 2010 unterlagen die "Zebras" im Jahnstadion mit 1:2, nachdem es im Hinspiel 2:2 geheißen hatte. Mit Matthias Tietz hatte Reiter damals einen Youngster unter seinen Fittichen, der jetzt beim SCW spielt. Vor seiner Tätigkeit in Duisburg war er von 2005 bis 2008 Trainer des U17-Bundesligateams von Rot-Weiß Essen gewesen. Nach Auslaufen seines Vertrages in Duisburg leitete er bis Mitte Oktober zusammen mit Christian Wück das VDV-Camp, ein Trainingsangebot für vertragslose Profifußballer.Der in Essen geborene und in der Jugendabteilung von ETB Schwarz-Weiß fußballerisch aufgewachsene Markus Reiter hatte seine Spielerkarriere schon im Alter von 25 Jahren beendet. Nach 50 Bundesligaspielen als Innenverteidiger für den MSV Duisburg und Borussia Mönchengladbach sowie 28 Zweitliga-Einsätzen für Gladbach und die Spvgg. Greuther Fürth fand er keinen Anschlussvertrag und entschloss sich ,,komplett aufzuhören und nicht durch die unteren Ligen zu tingeln." Keine leichte Entscheidung für einen Fußballer, der mit den U 17-, U18- und U 21- Nationalteams insgesamt 25 Länderspiele bestritt und bei der U 21- Europameisterschaft 1996 mit Michael Ballack und Torsten Frings im Kader stand.
Zu seinen Zielen mit dem SC Wiedenbrück befragt, hielt sich Markus Reiter gegenüber den Medienvertretern mit konkreten Festlegungen zurück: "Erfolgreich sein, offensiv spielen, eine Mannschaft entwickeln, für die es sich lohnt, ins Stadion zu kommen." Gesehen hat er die aktuelle Mannschaft des SC Wiedenbrück bisher nur bei ihrem Testspiel gegen den SV Lippstadt. "Technisch sehr gepflegt, eine gute Grundlage für meine Arbeit", lobte er den Stil. Ab sofort beginnen für ihn Sichtung und Gespräche zwecks Kaderschmiede. Die gestern vermeldete Vertragsverlängerung von Carsten Strickmann war bereits mit ihm abgestimmt.
"Der Etat wird geringer sein als in dieser Saison", erklärte Vorstandsmitglied Burckhard Kramer und spielte damit auf den nicht durch zusätzliche Sponsoreneinnahmen zu kompensierenden Wegfall der DFB-Fernsehgelder in Höhe von 96.000 Euro an. Geklärt werden soll in Kürze auch, ob Techniktrainer Stephan Achtereekte und Torwarttrainer Holgern Kern mit einer Weiterbeschäftigung rechnen dürfen.
Dirk Flock war keiner der 37 Bewerber – er wurde vom SC Wiedenbrück kontaktiert. Er habe nicht lange überlegen müssen, ob er das Angebot annimmt, sagte der in Rheda lebende 39-Jährige, der in der Saison 2007/ 2008 für den SCW in der Oberliga spielte: "Ich weiß, dass hier korrekt gearbeitet wird." Als dann auch noch das erste Gespräch mit Markus Reiter – beide kannten sich zuvor nur vom Namen her – positiv verlaufen sei, habe er sich schnell entschieden. "Das kann zum Glücksfall werden", hält es Reiter für einen Vorteil, mit Flock einen Partner an der Seite zu haben, "der das Ganze hier schon kennt." Mit dem FCGütersloh hatte sich Flock seinerzeit auf eine Vertragsauflösung zum 31.März geeinigt.