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08.01.2010
Die Besten im Westen: Saison der Superlative wird zum Aufstiegshit
Fußballmannschaft des SC Wiedenbrück feierte am Ende der Saison 2008/2009 mit rekordverdächtigen 93 Punkten und 105:27 Toren die Meisterschaft in der Westfalenliga
VON CARSTEN BIERMANN

Angekommen | FOTO: H. MARTINSCHLEDDE

Rheda-Wiedenbrück. Nur beim Schlussakkord bummelten die Fußballer. Als am 8. Mai der SC Wiedenbrück mit einer Zeltparty den Aufstieg in die NRW-Liga feierte, mussten die Fans nach Spielende zwei Stunden ausharren, ehe sie mit ihren Helden anstoßen konnten. Zuvor war das Team im ICE-Tempo durch die Westfalenliga gerauscht. Schon am 28. Spieltag stand die Meisterschaft fest, die sechs Partien später mit 93 Punkten und 105:27 Toren auf rekordverdächtige Werte anwuchs. "Die Saison der Superlative", wie Präsident Dr. Michael Reinker den Erfolg bezeichnet, honoriert auch die NW: Der SC Wiedenbrück zählt zu den Kandidaten der Sportlerwahl.

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So schnell wie nur möglich korrigierten die Wiedenbrücker mit dem Aufstieg den Betriebsunfall aus dem Jahr 2008. Als Tabellenletzter war der SCW durch die Umstrukturierung der Ligen aus der viertklassigen Ober- in die sechstklassige Westfalenliga abgestürzt. Aber der Verein lernte aus den Fehlern. "Wir hatten auch damals keine schlechten Spieler. Doch sie haben als Mannschaft nicht funktioniert", erinnert sich Reinker. Der zweite Anlauf, in den höherklassigen Fußball vorzustoßen, wurde gründlich geplant.

Er begann mit einem neuen Trainer. "Wir wollten jemanden haben, der die Spieler aus der Region kennt." Reinker konnte Thomas Stratos für das Projekt SC Wiedenbrück begeistern. Allein schon dessen prominenter Name half, in einer unattraktiven Spielklasse eine attraktive Mannschaft zusammenzustellen. Von seinem früheren Arbeitgeber Hammer Spvg. überzeugte der Ex-Profi von Arminia Bielefeld Robert Hietkamp, Steven Degelmann, Christian Werner und Janis Hoffmann mit ihm zu wechseln - allesamt Leute, die bereits über Erfahrung aus der NRW-Liga verfügten. "Für uns sehr wichtig", sagt Reinker, der Stratos die volle Verantwortung bei der Kaderzusammenstellung übertrug.

Der Coach bewies ein feines Händchen. Bei den Verpflichtungen des früheren Güterslohers Frederic Kollmeier sowie den regionalligaerfahrenen Verlern Mariusz Rogowski und Soner Dayangan war es nicht schwer, Treffer zu landen. Aber auch die Nobodies schlugen ein. Allen voran Stürmer Murat Turhan, der sich von der Ersatzbank vom FSV Optik Rathenow zum Torschützenkönig (28 Treffer) katapultierte. "Erstaunlich, wie sich einige Spieler bei uns entwickelt haben", stellt Reinker fest. Der Name Turhan fällt ein zweites Mal. Olcay, bei Arminia Bielefeld II noch Reservist, wuchs in Wiedenbrück zum Denker und Lenker im Mittelfeld.

Vor dem ersten Anpfiff hatte Stratos mehr als eine komplette Elf ausgetauscht. Mit 13 Neuzugängen nahm er das Unternehmen Titelgewinn in Angriff, nur sechs Absteiger durften bleiben. Die Leistungsstärke ließ sich schwer einschätzen - wohl ein Grund, warum die Konkurrenz den SCW trotz vieler klangvoller Namen nicht zum haushohen Titelfavoriten erklärte.

Der erste Auftritt gab den Skeptikern recht. Das enttäuschende 0:3 im Westfalenpokal gegen den SV Lippstadt wertet Reinker im Nachhinein als "Warnschuss zur rechten Zeit". Spätestens mit dem 5:2-Erfolg am 2. Spieltag gegen den TuS Dornberg bot die Mannschaft den kombinationssicheren Offensivfußball, mit dem das Publikum ins Jahnstadion gelockt werden sollte. 1.100 Zuschauer bejubelten drei Runden später das 1:0 im Spitzenspiel gegen Paderborn II. "Ein absoluter Höhepunkt", schwärmt Reinker von Leistung und Stimmung.

Weil sich der Tabellenführer von da an immer weiter von den Konkurrenten absetzte, stellte sich irgendwann nur noch eine Frage: Bleibt der SCW die Saison ohne Niederlage? Am 23. Spieltag verlor er ausgerechnet vor heimischer Kulisse seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit. Dem SuS Stadtlohn kam die Ehre zuteil, mit einem 3:1 dem Überflieger drei Punkte abzuknöpfen. Was Reinker damals als "sehr ärgerlich" empfand, nimmt er heute fast als beruhigend wahr: "Damit waren wir nicht mehr die Außerirdischen." 30 Siege, drei Unentschieden und eine Niederlage summierten sich schließlich zu einem Vorsprung auf den Tabellenzweiten Rheine von 28 Punkten.

Für diese Spitzenleistung sang die Partyband "Die Emsperlen" die passende Liedzeile: "Die Besten im Westen". Bei der Aufstiegsfete schmetterten sie Spieler und Fans bis in die frühen Morgenstunden. Und vielleicht ergibt sich ja bei der NW-Sportlerwahl die nächste Gelegenheit, den Hit anzustimmen.


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