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12.01.2010
Highlight für die Uni-Fußballerin
Gütersloher Zweitligaspielerin Christina Drewitz war 2009 bei der Universiade
VON WOLFGANG TEMME

Reifeprüfung | FOTO: HENRIK MARTINSCHLEDDE

Gütersloh. Es war das turbulentestes Jahr ihrer Karriere, denn Christina Drewitz wechselte den Verein, ohne den Verein zu wechseln: Die Fußballerin vollzog als Kapitänin des Zweitligateams den Übergang vom FC zum FSV Gütersloh. 2009 war für die 23-Jährige aber auch ein besonders erlebnisreiches Jahr, denn sie nahm mit der deutschen Studentenauswahl an der Universiade in Belgrad teil. Und es war ein persönlich erfolgreiches Jahr für Christina Drewitz. Deswegen ist sie Kandidatin für die Wahl zur "Sportlerin des Jahres".

Wenn in 2009 ein Gütersloher Zweitligaspiel angepfiffen wurde, stand Christina Drewitz auf dem Platz. Und wenn es abgepfiffen wurde auch. Die Innenverteidigerin setzte nicht eine Minute aus und war die große Konstante in wechselnden Aufstellungen. Ab und zu mussten auch mal Medikamente helfen, um die Knöchelschmerzen zu betäuben. Dies entspricht der Verantwortung, die sie mit ihrer Position verbindet: "Ich habe an mich den Anspruch, bei jedem Training da zu sein und in jedem Spiel alles zu geben."

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Zur Sportwahl 2009

So hatte Christina Drewitz ihren Anteil daran, dass der FC Gütersloh die Zweitligasaison als Tabellenvierter abschloss, nachdem die Ära von Andre Birker, der sie als Kapitänin abgesetzt hatte, als Siebter mit dem Rücktritt des Trainers geendet hatte. Sein Nachfolger Heiko Bonan ließ im Januar 2009 die Mannschaft über die Personalie entscheiden – heraus kam die neue alte Lösung. Mit dem 1:0 am 24. Mai beim 3:0-Abschlusssieg in Lütgendortmund erzielte die Teamführerin, die von allen nur Tina gerufen wird, dann auch endlich ein Tor. Doch versöhnlich stimmte sie das nicht. "Mich hat das ganze Jahr geärgert", blickt sie auf eine Saison zurück, in der der FCG wieder einmal an seinem Ziel, dem Aufstieg in die Bundesliga gescheitert war.

Geht das einer Spielerin ans Gemüt, die seit je her zum Inventar der 2. Liga gehört? "Schon", gibt sie zu, "vor allem wenn man aus Herford kommt." Es war schmerzlich für die im Jahr 2001 vom SV Sundern nach Gütersloh gewechselte Christina Drewitz zu sehen, wie der Herforder SV zum Konkurrenten des FCG heranwuchs und ihn im denkwürdigen Herzschlagfinale 2008 mit dem Aufstieg in die Bundesliga sogar als Nummer 1 in Ostwestfalen ablöste. Damals war ein Wechsel zum Klub ihrer Heimatstadt , bei dem auch ihre frühere Klassenkameradin Kristina Schulte spielt, fest beabsichtigt. Doch in der Hoffnung, nun sei der Weg ins Oberhaus für den FCG endlich frei, ließ sie sich auf ein weiteres Jahr Heidewald ein.
Abwehr

Parallel dazu trieb die Vollblut-Sportlerin (,,Ich bin total offen für andere Sportarten und schaue mir im Fernsehen alles an") ihr Studium an der Universität Bielefeld voran. Sport und Geschichte sind ihre Fächer für das Lehramt im gymnasialen Bereich. Wenn es gut läuft, beginnt sie zum nächsten Schuljahr ihr Referendariat. Der Titel ihrer für den Sommer geplanten Masterarbeit: "Zusammenarbeit von Schule und Verein am Beispiel Fußball". Praxiserfahrungen sammelte sie im vergangenen Jahr an einem Herforder Berufskolleg. Aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Nachwuchstrainerin im Verein zieht sie ebenfalls Nutzen: "Das gibt Sicherheit, vor einer Gruppe zu stehen und zu sprechen."

Der Status als Studentin und ihre Qualitäten als Fußballerin bescherten Christina Drewitz das Highlight im "Wahljahr". Über Lehrgänge und Testspiele in Paris, Duisburg, Kiew und Würzburg qualifizierte sie sich für das Team des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (ADH) für die Universiade in Belgrad. Über 10.000 Sportler aus 150 Nationen trafen sich vom 30. Juni bis 12. Juli in der serbischen Hauptstadt, durch die in diesen Tagen ein Hauch von Olympia wehte. "Große Stadien, Nationalhymnen, Abschlussfeier – ganz Vieles hat richtig Spaß gemacht", fasste Christina Drewitz ihre Eindrucke zusammen. Sportlich hatten sich der ADH und Trainer Norbert Düwel mehr ausgerechnet als Platz zehn. Doch gegen die mit A-Nationalspielerinnen gespickte Auswahl Koreas ("Ich dachte, ich bin im falschen Film") und gegen Brasilien gab es klare Vorrundenniederlagen. Da halfen die Siege über Südafrika (7:2) und Serbien (4:0) nicht. Und obwohl auch die Partie um Platz neun gegen Polen mit 0:2 verloren ging, gefielen Drewitz das Turnier und die "Weltspiele" so sehr, dass sie von der Teilnahme an der Universiade 2011 in China träumt.

Sie stellt in Belgrad auch fest, dass ihr persönliches Potenzial in Gütersloh noch nicht ausgereizt ist: "Man spielt besser, wenn man mit Besseren spielt." Die Erfahrung machte sie auch, als sie eine Zeit lang testhalber beim Bundesligisten Hamburger SV mittrainierte, weil sie einen Studienortwechsel nach Kiel in Betracht zog. Obwohl sie die Idee verwarf, hat sie den Wunschtraum "Bundesliga" noch nicht abgeschrieben: "Man hat zwar im Frauenfußball nicht viel davon, aber für einen selbst ist es wichtig."

Dazwischen kam ihr in Gütersloh die Abspaltung vom FCG und die Neugründung des FSV. "Man wollte schon dabei sein", sagt sie voller Bescheidenheit. Tatsächlich war die Kapitänin eine, die mit ihrem Team vor und hinter den Kulissen kräftig darum kämpfte, den Zweitligafußball für Gütersloh zu erhalten. "Da ist noch viel zu tun", lautet ein wenig ernüchtert ihre Bilanz nach dem ersten halben Jahr. Der FSV Gütersloh belegt in der Tabelle nach elf Spielen nur Rang sechs. "Ein Rückschritt", gibt Christina Drewitz unumwunden zu, dass es für sie eine Umstellung ist, nicht mit Titelambitionen aufzulaufen.

Vor allem ärgern sie 22 Gegentore: "Als Abwehrspielerin fällt man nur auf, wenn man Fehler macht", glaubt sie. Tatsächlich gehört der Innenblock, den sie meist zusammen mit Lisa Gebhardt bildet, zu den verlässlichsten Mannschaftsteilen. Er war mit dafür verantwortlich, dass der FSV im November bei Werder Bremen mit 5:1 gewann und damit in das Viertelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs einzog. Zwei Wochen nach der Sportlerwahl-Kür am 22. Januar im Parkhotel ist das Spiel beim Bundesligisten SG Essen-Schönebeck angesetzt. In beide Veranstaltungen geht die Leistungssportlerin Christina Drewitz mit einer für sie charakteristischen Einstellung: "Bei mir herrscht immer das Gewinnenwollen."


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