Dominik Treuherz stieß für TriSpeed Marienfeld in die Elite der 2. Bundesliga vor
VON WOLFGANG TEMME
Gütersloh. Was braucht ein Triathlet, um erfolgreich zu sein? Ein starkes Herz. Was braucht er noch? Treue zu seinen Trainingsplänen. Dominik Treuherz hat beides. Deswegen war 2009 sein erfolgreichstes Jahr als Schwimmradläufer. Und deswegen ist der 20-jährige Oerlinghausener, der TriSpeed Marienfeld zum Klassenerhalt in der 2. Bundesliga führte, Kandidat für die NW-Sportlerwahl.
Dass der persönliche Erfolg ihrer Nummer 1 auch eine "Kehrseite" hat, war den Marienfeldern klar. Schon früh wurde Dominik Treuherz von anderen Klubs umworben, er entschied sich im Dezember für den Wechsel zum Zweitligateam Asics Witten II. Dass TriSpeed im gleichen Atemzug das Team aus der 2. Liga zurückzog, hat aber kaum damit zu tun, sondern mit genereller Personalnot.
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Für Treuherz, der Mitglied im Verein bleibt und ein Zweitstartrecht für Marienfeld erwarb, ist die Auflösung der Mannschaft sogar in gewisser Weise entlastend: "Dadurch muss ich mir nicht den Vorwurf machen, das Team im Stich gelassen zu haben." Drei Jahre lang war er für TriSpeed im Ligabetrieb gestartet, seit ihn Klubchef Robert Becker und Trainer Heiko Lewanzik im Sommer 2006 beim Triathlon in Senne "entdeckt" hatten. "Ich hatte auch damals schon ein Angebot aus Lemgo, aber ich wollte lieber klein anfangen und langsam hoch kommen, als gleich hoch anzufangen und dann womöglich tief zu fallen", schildert Treuherz seine Karriereplanung.
Das Jahr 2009 brachte den Durchbruch. "Von der körperlichen Leistungsfähigkeit her, war es das beste Jahr. Ich war so schnell und so stark wie nie", lässt der 1,90 Meter große Athlet sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein aufblitzen. Mit Platz zehn beim Zweitliga-Wettkampf in Hannover, einem Sprint über 0,5–20–5 Kilometer, setzte er Anfang Juni das erste Ausrufezeichen. "An dem Tag hat alles perfekt gepasst", erinnert sich Treuherz selbst überrascht gewesen zu sein, auf der Radstrecke plötzlich den nationalen Top-Athleten Michael Zöll neben sich gehabt zu haben.
Mit Platz 19 in Grimma, wo die Olympische Distanz von 1,5–40–10 Kilometer gefordert war, und Rang 12 in Schwerin, wo wieder ein Sprint ausgetragen wurde, etablierte sich der Marienfelder im Top-Feld der 2. Liga. Überhaupt entpuppte er sich als Spezialist für kurze Strecken: So gewann er im August den Senne-Triathlon in Bielefeld, nachdem er drei Monate zuvor die Saison mit Platz zwei in Buschhütten begonnen hatte. "Ich liebe das Tempo und die Action", gibt er zu, sich für die Geduldsprobe einer Mitteldistanz noch nicht aufraffen zu können. Weil er aber gerne den Urlaubswunsch seiner Mutter erfüllen möchte, hat er ihr versprochen, irgendwann beim Ironman Hawaii starten zu wollen.
Der Leistungssprung 2009 kam nicht von ungefähr. "Ein Sommersportler wird im Winter geboren", weiß Dominik Treuherz. In den Osterferien absolvierte er mit dem Bundesligateam des TSV Obergünzburg, für das TriSpeed-Coach Heiko Lewanzik startet, ein Trainingslager in Italien. Zudem konnte er nach dem im Frühjahr in Lemgo erworbenen Fachabitur semiprofessionell trainieren. "Manchmal drei- bis viermal am Tag – das war echt schön." Seine Berufsausbildung zum Physiotherapeuten am Klinikum Detmold begann nämlich erst im September.
Die viele Freizeit ermöglichte Dominik Treuherz auch, sein Faible für internationale Altersklassenwettbewerbe auszuleben. Diese Wettkämpfe für Amateure nennen sich Europa- und Weltmeisterschaften, ohne dass eine Qualifikation nötig ist. "Von manchem wird man belächelt, aber jeder weiß, dass man viel investiert, um dahin zu kommen und dass dort nur startet, wer auch Leistung bringt", sagt Treuherz.
Immerhin stattete die DTU alle deutschen Teilnehmer mit einem Wettkampfanzug aus, und auf der Startnummer prangte die Nationenkennung GER. Bei der EM in Holten (Niederlanden) wurde er in der Klasse 20 bis 24 Jahre auf der Olympischen Distanz Zweiter hinter einem Belgier. Bei der WM in Australien belegte er als zweitbester Deutscher Rang 27. Der Erlebnisgehalt des Trips nach Down Under entschädigte dafür, das es nicht zu der erträumten Top-Ten-Platzierung gereicht hatte.
Zur größten Enttäuschung der Saison wurde die deutsche Altersklassenmeisterschaft in Peine. Mit Titelambitionen gestartet und in aussichtsreicher Position liegend bog Dominik Treuherz auf der Radstrecke falsch ab und bemerkte das erst nach 2,5 Kilometern. "Ich habe das Rad in den Graben geschmissen", schildert er seine wütende Reaktion. Schuld sei er selbst gewesen, gibt der Athlet zu: "Ich hatte mir die Strecke vorher nicht angesehen." Und dann kommt ein Satz, der aus einer Sammlung von Sportweisheiten stammen könnte: "Man lernt daraus. Der große Nachteil am Gewinnen ist nämlich: Du lernst nichts. Aber wenn Du Zweiter wirst, dann hast Du was gelernt."
"Ich lebe meinen Sport und mache ihn Tag für Tag mit Leib und Seele", denkt Treuherz voller Schwärmerei an den Sommer zurück. Nach 13 Wettkämpfen registrierte er aber auch die mentale Ermüdung: Das war meine bislang härteste Saison." Dank der Unterstützung von Vater Ralf und Mutter Martina sowie seiner Freundin Nane zog er sie durch – und muss sich jetzt neu motivieren. Weil er merkt, dass der 40-Stunden-Arbeitstag an den Kräften zehrt, hat Dominik Treuherz das Jahr 2010 schon mal zum Übergangsjahr erklärt. Sein Ziel: "Ich will im Ligabetrieb gut mitschwimmen."
Ins Visier genommen hat er das Jahr 2011, dann findet die Altersklassen-Weltmeisterschaft auf dem Olympiakurs in der chinesischen Hauptstadt Peking statt. "Dort aufs Treppchen zu kommen, das wäre was", sagt Dominik Treuherz. Um das zu schaffen, braucht er zwei Dinge: Ein starkes Herz und Treue zu seinen Trainingsplänen.
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