Herford. Wie ein Häufchen Elend saß Marie Pollmann nach der Partie gegen Turbine Potsdam am Spielfeldrand, die Tränen kullerten ihr übers Gesicht. Die Torjägerin wusste, dass sie mit ihrem vergebenen Elfmeter einen durchaus möglichen Punktgewinn gegen Turbine Potsdam verpasst hatte. "Sie wirkte sicher, ich hätte sie auch schießen lassen!", sagte Herfords Trainerin Tanja Schulte nach der Partie zum Elfmeter, dessen Ausführung sie sich aber dennoch vorsichtshalber nicht anschaute - Schulte drehte sich mit dem Rücken zum Spielfeld und hörte den Fehlschuss mehr anhand der Reaktion des Publikums als dass sie ihn gesehen hätte.
"Natürlich machen wir Marie keinen Vorwurf", sagte nach der Partie auch ihre Mitspielerin Lena Wermelt, die per Kopfball für das zwischenzeitliche 1:1 gesorgt hatte ("Ich glaube, das war mein fünftes Bundesligator!"). Aber: Wermelt hätte den Elfmeter auch gern selbst geschossen. "Ich habe Marie noch zugerufen, dass ich schießen kann - aber sie hat es wohl nicht gehört", berichtete Wermelt, die schon auf dem Weg Richtung Strafraum war, als sich Pollmann den Ball zurecht legte. Ihr Schuss war nicht einmal unplatziert, vielleicht aber nicht hart genug. Und so durfte Potsdams Torhüterin Desiree Schumann jubeln.
Die Leistung seiner Torfrau wollte aber Gäste-Trainer Bernd Schröder nicht zu hoch einschätzen. "Gut", sagte er, "sie hat einen Elfmeter gehalten. Aber beim Foul vorher war für sie sogar die rote Karte möglich." Und dass Schumann beim Herforder Ausgleich auch keine besonders gute Figur abgegeben hatte, macht es Schröder nach eigener Aussage nun leicht, die Nummer eins im nächsten Spiel zu besetzen.
"Ich habe zwei Torhüterinnen, die in etwa auf dem gleichen Niveau spielen", sagte er, "da kann ich doch nicht eine vor den Kopf stoßen, indem ich ihr sage, die andere ist meine Nummer eins." Und so macht Schröder die Nominierung für den Platz zwischen den Pfosten regelmäßig von der Tagesform abhängig. Ein besonderes Kompliment hatte er übrigens für Herfords Tessa Rinkes parat: "Sie hat heute eine Glanzleistung gezeigt. Hut ab vor ihrer Leistung.
Wie sie zum Beispiel den Ball bei den Bogenlampe Viola Odebrechts gehalten hat, das war schon ganz stark." Dabei verheimlichte Schröder auch nicht, dass er die Herforder Nummer eins nicht ganz so stark eingeschätzt hatte. "Ich kenne sie ja schon seit Jahren, aber so stark wie heute hat sie noch nie gehalten. Entweder hat sie einen Schokoladentag erwischt - oder ihr habt einen besonders guten Torwart-Trainer", sagte er zu Tanja Schulte. Hätte Holger Kern das gehört, wäre er sicher um mindestens zehn Zentimeter gewachsen.
Ungewöhnlich war gestern übrigens auch die sehr starke Leistung des Schiedsrichter-Gespanns unter Leitung von Monique Klauß aus Duisburg. "Wenn wir immer solche Gespanne hätten, wären wir sicher zufrieden", sagte Bernd Schröder. Tanja Schulte dagegen monierte, dass es beim Foul gegen Laura Feiersinger, das zum Elfmeter für Herford führte, keine rote Karte gegen Desiree Schumann gegeben habe. "Das war keine klare Torchance", erklärte Klauß, warum sie Potsdams Torhüterin gar keine Karte zeigte.