Herford. Schon 100 Meter vor dem Ziel reckte Hagen Brosius die Arme nach oben, klatschte dem mehrere hundert Köpfe starken Publikum im Ludwig-Jahn-Stadion Beifall. Großer Jubel begleitete den jungen Mann aus Potsdam bis zum Zielbanner des Auto-Mattern-Wälle-Laufes, das erstmals seit drei Jahren nicht Ilona Pfeiffer als Erste überquerte. Die Läuferin des LC Solbad Ravensberg war immer noch schnellste Frau, doch Brosius holte die vier Minuten Rückstand, mit denen die Männer auf die Strecke geschickt wurden, locker auf.
"Das hat Riesen-Spaß gemacht", sprudelte es aus dem Sportler des Potsdamer Laufclubs heraus. "Solch einen tollen Lauf gibt es in ganz Brandenburg und auch in Berlin nicht", sagte der 21-Jährige, dessen Lebensgefährtin Carolin Elß ebenfalls in Herford an den Start ging. Vor allem die Anfeuerung auf der Wallstrecke hatte es dem Klasseläufer angetan. "Auf dem Marktplatz (dem Gänsemarkt, die Redaktion) standen die Leute in Dreier- und Viererreihen - klasse", sagte er mit einem Lächeln im Gesicht.
Hagen Brosius startete zum ersten Mal inHerford. Heiko Klein aus dem Organisationsteam des RC Endspurt und des Polizei-Sportvereins hatte bei einem befreundeten Sportler des Potsdamer Vereins nachgefragt, ob er nicht jemanden zum Wälle-Lauf schicken könnte, der im Stande ist, eine Zeit unter 32 Minuten zu laufen. Der Potsdamer Laufclub schickte nicht irgendjemanden, sondern den amtierenden Deutschen Vizemeister über 10 Kilometer, der Ilona Pfeiffers vierten Sieg in Folge verhinderte. Die zeigte sich zwar "ein wenig enttäuscht", freute sich aber vielmehr über "die wunderbare Atmosphäre an der Strecke". Brosius raste in 31:23,95 Minuten ins Ziel und verpasste die seit 1989 bestehende Bestzeit von Volker Stiede (31:17) nur um wenige Sekunden.
Überhaupt sorgten die beiden ausrichtenden Vereine mit ihren rund 100 ehrenamtlichen Helfern bei allem sportlichen Ehrgeiz der kleinen und großen Läufer für viel Spaß. Schon die Bambinis hüpften unter den Klängen von "Stark wie ein Tiger"vor dem Start um die Wette. Der Schülerlauf über 2,5 Kilometer erlebte mit 500 von insgesamt rund 1.200 Startern eine Rekordbeteiligung. Damit es nicht allzu eng wurde, starteten die Jungen zwei Minuten vor den Mädchen.
Jonathan Cierpinski, der vor drei Wochen bereits den Volksduathlon im Herforder Waldfrieden gewonnen hatte, lief mit Abstand die schnellste Zeit. "Nach dem ersten Kilometer konnte ich mich auf der schnellen Strecke absetzen", sagte Cierpinski, der für das Jugendzentrum "Die 9" läuft, das mit 50 Sportlern am Start war, aber auch beim BSV Herford boxt. Als schnellstes Mädchen kam Carla Ellersiek vom Friedrichs-Gymnasium Herford ins Ziel.
Heiko Klein freute sich besonders über die unglaubliche Starterzahl beim Nachwuchs. "Das liegt mir besonders am Herzen", sagte der Polizeibeamte, der gezielt mit Schulen Kontakt aufgenommen hatte. Mit 100 Schülern der Jahrgänge 1994 bis 1999 war allein das Herforder Königin-Mathilde-Gymnasium am Start. "Wir haben im Sportunterricht gezielt auf diesen Lauf trainiert. Die Schule spendierte für jeden Läufer ein T-Shirt und übernahm auch die Startgebühr", sagte Sportlehrerin Tanja Ziegenbruch. Einige Träger der blauen Shirts standen in diversen Altersklassen auch auf dem Siegertreppchen.
Dass der Herforder Lauf die Schluss-Station des "DAK-Kids-Marathon" war, trug ebenfalls zur Attraktivität bei. Die Schüler konnten bei diversen Läufen während der letzten Monate 42 Kilometer und damit eine Marathon-Distanz zusammen sammeln. Als beste Schule wurde das Gymnasium Löhne vor der Grundschule Stiftberg ausgezeichnet.