Herford. Die erfolgreichsten Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften des Jahres 2011 werden am Freitag, 20. Januar, bei der Sportgala im Stadtpark Schützenhof geehrt. Neue Westfälische und Radio Herford stiften wie in den drei vergangenen Jahren den Medienpreis.
Die Leser der Neuen Westfälischen und die Hörer von Radio Herford entscheiden, wer diesen Preis bekommen soll. Abgestimmt wird
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Unser erster Vorschlag ist Sabine Ellerbrock. Die Rollstuhl-Tennisspielerin des TC Herford wurde Vize-Weltmeisterin im Doppel, belegt in der Weltrangliste derzeit Platz fünf im Einzel und Rang zehn im Doppel, gewann 2011 verschiedene Turniere der Internationalen Tennis-Federation (ITF). Damit hat sie gleich mehrere Ziele, die sie sich Anfang 2011 gesteckt hat, erreicht. Sie wollte das Jahr, in das sie als 13. der Einzel-Weltrangliste ging, auf Platz acht abschließen und sich für die Paralympics in London qualifizieren.
Beides hat sie geschafft. "2011 war ein erfolgreiches Jahr für mich", sagt Sabine Ellerbrock. Aber auch eines, das viel Kraft gekostet hat. "Ich war einfach platt nach einer sehr langen Saison. Ich habe sehr viele Turniere gespielt, um da stehen zu können, wo ich jetzt stehe", sagt die gebürtige Bielefelderin. Die Zeit rund um Weihnachten genoss sie deshalb bei ihrer Familie, auch wenn tägliches Tennis-Training mit ihrem Coach Kai Birck sowie mehrmals die Woche Krafttraining im Zentrum für Ambulante Rehabilitation in Bielefeld anstand. Gleich am 1. Januar startete Sabine Ellerbrock dann Richtung Australien, wo sie vier Turniere spielen wird und wo die Paralympics-Saison eingeläutet wird.
Die Erfolge Sabine Ellerbrocks sind umso bemerkenswerter, weil sie erst seit zweieinhalb Jahren Rollstuhl-Tennis spielt. Als "Fußgängerin" machte sich die begeisterte Sportlerin, die auch in anderen Ballsportarten wie Basketball und Fußball zu Hause war, als Spielerin im Bundesliga-Team des Bielefelder TTC einen Namen. Sie schlug unter anderem auch für den TC Herford und den TC Rödinghausen auf. Zudem hatte sie sich dem Ausdauersport verschrieben; sie lief Marathon, plante einen Start beim Triathlon. Beruflich etablierte sich Sabine Ellerbrock als Lehrerin für Biologie, Sport und Mathematik. Ihr Referendariat absolvierte Ellerbrock am Herforder Königin-Mathilde-Gymnasium, wo sie über ihre Kollegin Tanja Ziegenbruch, selbst ein Tennis-Ass, zum TC Herford kam.
Dann kam der September 2007. Sabine Ellerbrock musste sich einem Routine-Eingriff am rechten Fuß unterziehen. Es entwickelte sich ein Morbus Sudeck, eine Schmerz-Erkrankung, die durch eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems gekennzeichnet ist.Aus geplanten drei Tagen an Gehhilfen sind mittlerweile mehrere Jahre geworden. Sabine Ellerbrock verzagte aber nicht, sondern blieb dem Sport treu. Nach einem Probetraining bei Christoph Müller, Bundestrainer im Deutschen Rollstuhl-Tennisverband, beschloss sie, Rollstuhl-Tennis leistungsorientiert zu betreiben. "Manchmal, wenn es einmal nicht so gut läuft, vergesse ich, dass ich erst seit kurzer Zeit dabei bin", sagt Sabine Ellerbrock.
Mittendrin, statt nur dabei, ist sie im internationalen Tennis-Zirkus. 2011 spielte sie neben den europäischen Spitzenturnieren unter anderem in USA, Kanada, Südafrika und Südkorea. Einer ihrer größten Erfolge überhaupt war der Sieg bei den Sardinien-Open, einem Turnier der Kategorie ITF 1. Obwohl durch eine Armverletzung gehandicapt, gewann sie nicht nur gegen ihre Doppelpartnerin Katharina Krüger aus Berlin, sondern endlich auch gegen ihre Dauer-Widersacherin Aniek van Koot aus den Niederlanden. Diesen Turniersieg stellt sie in ihrer persönlichen Jahresbilanz noch über den Gewinn der Silbermedaille bei der Doppel-Weltmeisterschaft, "obwohl dies die beste deutsche Platzierung seit 25 Jahren ist". Insgesamt gewann Sabine Ellerbrock 2011 acht Einzelturniere, darunter in Südafrika auch ein weiteres der Kategorie ITF 1 . "Die Saison ist gut gelaufen. Deshalb hat sie sich finanziell einigermaßen getragen", sagt Sabine Ellerbrock.
Mit dieser Aussage spielt die 36-Jährige darauf an, wie kostspielig die Turniere und damit verbunden die Reisen um die Welt sind. 35.000 Euro, schätzt Ellerbrock, kostet eine Saison. Obwohl sie zum Top-Team, dem Paralympics-Kader des Deutschen Sportbundes, gehört, muss sie den Großteil der Kosten selbst tragen. Als Lehrerin hat Sabine Ellerbrock bis Ende vergangenen Jahres unbezahlten Urlaub genommen. Derzeit laufen Gespräche mit den Behörden, eine andere Lösung zu finden. So ist es einer der Wünsche für 2012, die Saison vernünftig durchfinanzieren zu können. Sportlich stehen wieder Turniere auf der ganzen Welt auf dem Plan. "Ich möchte an Weltranglistenplatz vier schnuppern. Sollte ich den erreichen, ist die Chance auf eine günstigere Auslosung bei den Paralympics größer", sagt Sabine Ellerbrock. Die Spiele von 31. August bis 8. September in London sollen zum sportlichen Höhepunkt Sabine Ellerbrocks werden.