Herford. Die erfolgreichsten Herforder Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften des Jahres 2011 werden am Freitag, 20. Januar, bei der Sportgala des Stadtsportverbandes im Stadtpark Schützenhof geehrt. Neue Westfälische und Radio Herford stiften wie in den drei vergangenen Jahren den Medienpreis.
Die Leser der Neuen Westfälischen und die Hörer von Radio Herford entscheiden, wer diesen Preis bekommen soll. Abgestimmt wird im Internet unter
www.nw-news.de/sportgala.
Einer der Nominierten ist Wolf Nettingsmeyer (74), der seit über 57 Jahren im Fechtsport aktiv ist und dabei in seiner langen Karriere unzählige Medaillen und Auszeichnungen gesammelt hat.
Dass er erstmalig für den Medienpreis nominiert wurde, ist für Nettingsmeyer eine angenehme Überraschung: "Nach so vielen Jahren ist das eine schöne Sache für mich, denn auch wenn ich schon in den Jahren zuvor einige Erfolge feiern konnte, wird es mit zunehmendem Alter natürlich in jedem Jahr schwieriger, diese zu bestätigen", meint ein gutgelaunter Nettingsmeyer am Telefon in Zürich, wo er einen Kurzurlaub verbringt. "Gestern habe ich mir hier eine Opernaufführung angesehen, das ist eine schöne Abwechslung vom Alltag und für mich auch nur in den Ferien möglich, da ich ja immer noch neben meinem eigenen Training die Fecht-AGs am Königin-Mathilde-Gymnasium und am Ravensberger Gymnasium leite", steht Nettingmeyer, der im Mai seinen 75. Geburtstag feiert, noch immer bis zu viermal in der Woche auf der Planche.
Mit der Nominierung für den Medienpreis werden insbesondere die Leistungen Nettingsmeyers im vergangenen Jahr gewürdigt, das eines der erfolgreichsten in der Karriere des für die TG Herford startenden Senioren-Fechters war.
Nach seinem zweiten Platz bei den Internationalen Hessischen Meisterschaften im Februar sicherte sich der TGH-Sportler im April den Titel des Bayerischen Meisters in der Säbelklasse. Nur knapp zwei Monate später wurde er im französischen Henin-Beaumont Vize-Europameister und holte dabei wichtige Punkte für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2012.
Auch die Senioren-Weltmeisterschaft Anfang Oktober im kroatischen Porec verlief für den Weltmeister von 2001 und 2005 in dieser Klasse sehr erfolgreich. In der Säbel-Konkurrenz unterlag er erst im Finale dem Kanadier Marvin Fine nach spannendem Gefecht mit 9:10 und gewann mit Silber seine insgesamt zehnte Medaille bei den Senioren-Titelkämpfen.
Eine ganz besondere Ehrung wartete dann wenige Tage später bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften in Bad Dürkheim auf Nettingsmeyer. Vom Deutschen Fecht-Bund (DFB) und seinen Seniorenvertretern wurde er zum "Seniorenfechter des Jahres 2011" für seine herausragenden Erfolge und für seine Trainerarbeit mit dem Nachwuchs der TG Herford und an den Herforder Gymnasien ernannt. "Das war schon eine außergewöhnliche Auszeichnung", erinnert sich Nettingsmeyer gerne an die Verleihung des Wanderpokals durch die Offiziellen des DFB zurück.
Auch im neuen Jahr warten wieder einige sportliche Herausforderungen auf den Säbelfechter, schließlich stehen im Oktober die Senioren-Weltmeisterschaften im österreichischen Krems an. "Um mit dabei sein zu können, muss ich zuvor beden Turnieren in Kassel, München und Erfurt ausreichend Punkte sammeln, denn nur die besten vier Fechter in Deutschland dürfen in Krems an den Start gehen", erläutert Nettingsmeyer. Zur Zeit belegt er in seiner Altersklasse den ersten Platz in Deutschland. "Ich bin da ganz optimistisch, dass das klappt, aber die Gesundheit muss natürlich immer mitspielen", weiß Nettingsmeyer.
Die Leidenschaft für den Fechtsport hat der Herforder von seinem Vater Heinrich geerbt, denn der war als aktiver Fechter über lange Jahre Abteilungsleiter bei der TG Herford und fungierte zudem als Präsident des Westfälischen Fechterbundes. Im Alter von 17 Jahren entschied sich dann auch Wolf Nettingsmeyer dafür, den Fechtsport mal auszuprobieren. "Da es mir viel Spaß gemacht hat, bin ich dabei geblieben", so der ehemalige kaufmännische Angestellte, für den das Gemeinschaftserlebnis mit den anderen Aktiven immer ein wichtiger Bestandteil des Sports war und ist: "Ich habe durch das Fechten viel von der Welt gesehen und zahlreiche Freundschaften mit anderen Sportlern geknüpft", so Nettingsmeyer, der sich bereits auf die neuen Herausforderungen freut: "Solange die Knochen es mitmachen, bleibe ich auf jeden Fall dabei."