Herford (NW). Nach Einsätzen in der näheren Umgebung zog es Stefan Hageböke, reisefreudiger Mitarbeiter der NW-Lokalsportredaktion wieder in die Ferne. In Albanien stellte er fest, dass es in der Hauptstadt Tirana ebenso wenig Bratwurst zu essen gab wie am vergangenen Sonntag beim Bezirksligaspiel des FC RW Kirchlengern. Dafür entdeckte er in der Kaon-Hausbrauerei mit gegrilltem Pansen eine neue Lieblingsspeise. Hier ist sein Bericht:
Verkehrsregeln sind dazu da, bisweilen nicht eingehalten zu werden. Insbesondere geschieht dies auf den Straßen Tiranas, wo Parken in dritter Reihe keine Seltenheit ist und Zebrastreifen sowie Kreuzungsbereiche ebenfalls für das Abstellen des Kraftfahrzeuges genutzt werden. Aufgrund verstopfter Straßen und fehlendem Untergrundsystem erfolgt daher die Erkundung von Albaniens Hauptstadt per Fahrrad, was durch fehlende Kanaldeckel und von Fußgängern bevölkerte Radwege allerdings ebenfalls erschwert wird.
Hageböke unterwegs. | FOTO: PRIVAT
Für umgerechnet nur 43 Cent je Stunde wird die Offerte des Zweiradverleihers gerne genutzt, um die Sportinstitutionen zeitnah zu konsultieren. Jedoch erweist sich die Souvenirbeschaffung beim FK Partizan als unmöglich. Der mehrfache Landesmeister und Pokalsieger ist inzwischen in die dritte Liga abgestiegen, wo Spielbetrieb und Existenz des Klubs stark gefährdet sind. "Partizan hat derzeit kein Stadion, keine Adresse, hohe Schulden und einen Präsidenten ohne Wohnung", berichtet der Platzwart des Selman-Stermasi-Stadions und spendet als Trost einen Wimpel des Stadtrivalen KF Tirana.
Ein nochmaliger Besuch zur richtigen Stunde lohnt sich auch beim Erstligisten KS Dinamo. Nachdem von hier ebenfalls zunächst "unbekannt verzogen" vermeldet wird, sind am Nachmittag während des Trainings ebenso diverse Devotionalien erhältlich wie auch im zweiten Anlauf beim Albanischen Fußballverband.
Des Abends sind rund um das Nationalstadion Quemal Stafa zunächst keine Programmhefte anlässlich des besuchten und 1:1 endenden Euro-Qualifikationsspiels zwischen Albanien und Rumänien zu bekommen. Abhilfe leistet dafür aber mit Victor Nicolaiasa die auswärtige Delegation. Der Buchautor aus Bukarest hat trotz fehlender Autobahnen und sportlicher Bedeutungslosigkeit die über 900 Kilometer lange Anreise per PKW auf sich genommen, um eigens entworfene Matchprogramme mit zweisprachigen Texten der jeweiligen Nationalhymnen kostenlos zu verteilen. "Ich möchte zur Völkerverständigung beitragen", so Nicolaiasa, der dem Ostwestfalen sogleich ein Exemplar seines 246-seitigen Meisterwerkes "Imnurile Terrei" widmet, damit dieser nun sämtliche europäische Nationalhymnen viersprachig vortragen kann.
Der weitgereiste Rumäne ist auch Anlaufstelle für den albanischen Fußballglobetrotter Albert, der von seinem kostspieligen Trip aus Montenegro heimgekehrt ist und sich ebenfalls an der Gratis-Postille erfreut. "Ich war vor vier Tagen in Podgorica beim England-Spiel. Dort musste ich auf dem Schwarzmarkt 160 Euro für die Karte bezahlen." Derweil liegen die vom NW-Mitarbeiter vermissten offiziellen Spielprogramme bereits verteilt auf den Sitzen.