Herford. Stefan Hageböke, reisefreudiger Mitarbeiter der NW-Lokalsportredaktion Herford, verbindet den Weg zu Fußballplätzen in aller Welt gerne einmal mit dem Besuch einer lokalen Schankstätte. Diesmal war er in Sachsen-Anhalt unterwegs. Hier ist sein Bericht:
Oh je! Mark Knopfler würde lebensgefährliche Bauchschmerzen erleiden, sollte er erfahren, wie Björn die Stratocaster-Gitarre malträtiert. Einigen unkoordinierten Luftlöchern sei dank, dass nicht noch mehr akustisches Unheil in die Gehörgänge findet. Demgegenüber erweist sich aber das dem ehemaligen Sport-Club-Trainer Markus Kleine-Tebbe ähnlich sehende und laut Internetpräsenz belobigte Multitalent der Musikgruppe Simple Black mit "Sexy" als perfekter Westernhagen-Imitator. Zwar ist bei Bernhard Brinks Zwillingsbruder Axel vor geraumer Zeit der Föhn auf dem Kopf explodiert, wofür aber dessen Performance als Achim Reichel, Otis Redding und Karat-Sänger begeistert: Willkommen beim 10-jährigen Dessauer-Brauhaus-Jubiläum.
It's Easy. | FOTO: STEFAN HAGEBÖKE
Die mit einem Begrüßungsfreibier und Cover-Akustik aufwartende Schankstätte dient als Zwischenstopp nach dem vorherigen Abstecher in die Nordgruppe der Landesliga Sachsen-Anhalt. Dort haben sich die Aufstiegschancen des mit 0:2 gegen den SV Staßfurt unterlegenen Schönebecker SC erheblich verschlechtert, da sich der Rückstand auf die Halberstädter Reserve auf inzwischen neun Punkte vergrößert hat. Am Rande des Spielfelds gewährt der Volontär der "Volksstimme" Einblick über die lokalsportlichen Gepflogenheiten in den neuen Bundesländern. "Die Angabe der Zuschauerzahlen ist bei uns absolute Pflicht. Ansonsten erhalten wir sofort Beschwerden von den Vereinen."
Eine Spielklasse höher und rund 120 Kilometer südlicher ist sportlich betrachtet die Messe bereits kurz nach Wiederanpfiff gelesen. Das 0:3 des gastgebenden Abstiegskandidaten VfB Sangerhausen gegen den Spitzenreiter Preußen Magdeburg hat bereits nach 50 Minuten Gültigkeit. Grund genug also, die Ermittlungen in puncto Fußball-Devotionalien aus dem Mansfelder Land vorzeitig aufzunehmen. Diesbezüglich leistet der mit exklusiver Schlüsselgewalt ausgestattete Stadiondirektor Olaf Klage Abhilfe, so dass für 26 Euro ein Ausverkauf an Aufklebern, T-Shirt, Nostalgie-Wimpel, Schlüsselanhänger sowie seltener Stadionpostkarten aus der Vereinsvitrine erfolgt.
Allerdings weicht die Südharzer Idylle in plötzliche Panik beim Bemerken des Verlustes von Führerschein und Personalausweis. Nur gut, dass ehrliche VfB-Anhänger die kostbaren Dokumente zwischenzeitlich längst am Verkaufskiosk abgegeben haben und die erfolgte Lautsprecherdurchsage lediglich wegen des geschilderten Kaufrausches in den Katakomben ungehört bleibt. Die umgehend getätigte Spende des Verfassers dieser Zeilen hat der Verbandsligist bereits fest für einen neuen Kunstrasenplatz eingeplant. Sollte jetzt also die Sangerhauser Kupfermine wieder in Betrieb genommen werden, so wäre ein ostwestfälischer Eintrag auf der künftigen örtlich gefertigten Spendentafel gewiss.