Herford. Die benachbarten Niederlande sind immer wieder ein beliebtes Reiseziel für NW-Lokalsportmitarbeiter Stefan Hageböke. Dieses Mal musste er sich gleich zweifach mit ungewohnten Regelungen dortselbst auseinandersetzen. Der aktuelle Reisebericht folgt hier.
Nur rund ein Fünftel an Einwohnern, aber fast doppelt so große Einkaufswagen als in der Bundesrepublik! Damit scheint "Sligro" den idealen Drehort für die lebensechte nordbrabantische Neuverfilmung von Alice im Wunderland zu verkörpern. Allerdings zerplatzt der Traum von pfandfreiem Dosenbier, Königinnensuppe, leckerem niederländischen Knabbergebäck sowie den hoch und heilig versprochenen Kaffee-Pads umgehend am Eingangsbereich. "Tut mir sehr leid, meine Herren. Wir sind hier ein Großhandel und kein Supermarkt", klärt die Empfangschefin Sabrina Kolkman das verdutzte germanische Trio auf. "Ich hab’ mich schon gewundert, warum hier so wenig Autos auf dem Parkplatz stehen", bekräftigt Reiseleiter Peter Kupka beim Abgang seine böse Vorahnung. Nur gut, dass der niedersächsisch-ostwestfälische Kaufrausch auf Oranje-Terrain bereits einen Kilometer weiter im Hause "Jumbo" die ersehnte Befriedigung erfährt.
Wunschgemäß vollbepackt geht es daher umgehend weiter zu Tilburgs 14.700 Zuschauer fassender royaler Fußballstätte, die gegenwärtig von 8.500 Interessenten bevölkert wird und wo die Sportfotografen mit ihren Teleobjektiven bisweilen ungewohnt auf der Tribüne postiert sind. "Wir haben fast ein Vierteljahrhundert ununterbrochen in der 1. Liga gespielt", bedauert nicht nur Mediendirektor Rene Vermetten den im Sommer erfolgten Abstieg in die Zweitklassigkeit. Diesen Betriebsunfall will Willem II Tilburg am liebsten umgehend wieder korrigieren, jedoch beträgt der Rückstand auf den zum direkten Aufstieg erforderlichen ersten Platz bereits sieben Punkte.
Durch die vom Kolumnisten begutachtete 1:2-Heimschlappe gegen den letztjährigen Fast-Absteiger Almere City FC sowie dem gleichzeitigen Auswärtssieg von Spitzenreiter Zwolle vergrößert sich der Abstand gar auf zehn Zähler. Die letzte errungene Meisterschaft aus dem Jahr 1955 ist bereits länger verwelkt als die glorreiche Zweitliga-Ära des SC Herford.
Dank des komplizierten Spielmodus’ mit der Prämierung sogenannter Periodenmeister bliebe auch eine Platzierung ab Rang vier abwärts als Hintertür zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Ehrendivision. Demgegenüber wurde die Abspaltung zu den Amateurklassen aufgehoben, wodurch der Tabellenletzte des Profi-Unterhauses seit 2010 faktisch absteigt, sofern der unterklassige Champion überhaupt aufstiegswillig ist. Aber was passiert eigentlich, wenn ein Periodenmeister mit der roten Laterne einläuft? Nur gut, dass Fußball manchmal kompliziert ist - insbesondere bei unseren westlichen Nachbarn.