Herford. Was der Mann sich alles ansieht! Eigentliich hatte Stefan Hageböke, Mitarbeiter der NW-Lokalsportredaktion, seine letzte Reise dieses Jahres mit fußballerischem Hintergrund ja nach Manchester antreten wollen (wir berichteten). Weil aber sein Flug annuliert wurde, gab es zunächst ein deutsches Zweitliga-Handballspiel, dann eine Frauen-Erstligapartie in Belgien zu bewundern. Das aber reichte dem Reiselustigen natürlich längst nicht aus. Deswegen hier der zweite Teil seines Berichtes aus Belgien.
Beveren liegt am südwestlichen Stadtrand von Antwerpen und verfügt in etwa über die Einwohnerzahl von Bünde. Im Gegensatz zum Bünder SV ging der einstige KSK aber als zweimaliger belgischer Landesmeister bereits auf höchster nationaler Ebene in die Annalen ein und machte Ende der 1970-er Jahre als Halbfinalist im Europapokal der Pokalsieger auch international von sich reden. Eine finanzielle Schieflage ließ letztes Jahr den KVRS Waasland-SK Beveren als inoffizielles Fusionsprodukt entstehen, das gegenwärtig auf Platz sechs der zweiten Liga rangiert und Gegenstand des germanischen Besuchs ist.
Glücklicherweise hat Petrus ein Einsehen und stellt den Dauerregen für fünf Minuten ab - gerade ausreichend, um trocken vom Parkplatz via Fanshop ins Freethiel-Stadion zu gelangen. Ein blau-gelbes Mini-Dress sowie aktuelle und alte Stadionzeitungen sind die Mitbringsel. Gegengerade, unüberdachte Stehtribüne sowie der mit zunehmender Spieldauer mehr braun als grün aussehende Rasen lassen Erinnerungen an den alten Aachener Tivoli aufkommen. Die torlose, jedoch keinesfalls langweilige Partie gegen die Brüsseler Vorstädter von White Star Woluwe interpretieren die Trainer unterschiedlich - zumindest sprachlich.
Der in Niederländisch vorgetragenen Spielanalyse von Beverens Coach Dirk Geeraerd kann der Brüsseler Schreiberling nur dank der Unterstützung eines Kollegen folgen. Die Ausführungen von Woluwe-Übungsleiter Felice Mazzu sind hingegen für alle Anwesenden kompatibel, da im Presseraum auch die flämischen Medienvertreter dem Französischen mächtig sind. Danach lernt der Autor in der Frituur Klapperhoek die überdimensionalen Ausmaße einer Beverer Portion Pommes Frites in Normalgröße kennen und verzockt sich auf dem Rückweg analog der europäischen Bankenkrise an der Tankstelle, da im Gegensatz zum März-Besuch die erhoffte nächtliche Preissenkung sehr extrem genau ins Gegenteil umschlägt.
Aus ostwestfälischer Sicht wäre eine Teilung Belgiens sicherlich sinnvoll, um die wallonisch-flämischen Diskrepanzen in sämtlichen Lebenslagen beizulegen und um so endlich für neue Länderpunkte im Rahmen dieser Kolumne zu sorgen.