Herford. Freitag Abend gab es das Drittliga-Eishockeyspiel zwischen Ratingen und Duisburg, tags darauf drei Fußballspiele in der 1. Frauen-Liga sowie der 1. und 4. Männer-Liga Belgiens. Das Programm, das sich der reiesefreudige NW-Mitarbeiter Stefan Hageböke bei seiner jüngsten Fußballreise selbst aufbürdete, hatte es in sich. Da sei es ihm nachgesehen, dass er den durchaus möglichen Besuch eines vierten Spiels (2. Frauen-Liga in Lochristi) zugunsten von insgesamt neun aufgesuchten Brauereien opferte. Hier der aktuelle Bericht des Fußball-Reisenden.
Übergewichtige Linienrichter und eine weitaus geringere Resonanz als beim Herforder SV lassen sich in der weiblichen Eliteliga Belgiens beim SV Zulte-Waregem ausmachen. Hiermit hat sich der Platzkassierer längst arrangiert. "Wir haben heute 90 zahlende Zuschauer. Insgesamt sind etwa 150 Besucher hier. Das ist sogar mehr als sonst", erklärt er. Die Ferngebliebenen verpassen die Sensation des Tages: Trotz chronischer Heimschwäche und eines 0:1-Rückstands schlagen die auf Rang zehn stehenden Zulte-Ladies den favorisierten Rangzweiten RSC Anderlecht im Kunstrasen-Kick noch mit 2:1.
Danach lässt im männlichen Fußballoberhaus eine halbe Stunde vor Anpfiff die verstopfte Moorselstraat eine hohe Besucherzahl beim KV Kortrijk gegen Anderlechts Herren der Schöpfung erahnen. Da der verständnisvolle Ordnungsdienst trotz fehlender Reservierung die Einfahrt auf den Hauptparkplatz gewährt und zudem auch noch ein sehr preiswertes Ticket ergattert wird, kann das aus den Nähten platzende Guldensporenstadion trotz Schneckentempo auf der Zielgeraden noch rechtzeitig betreten werden.
Das nach alt-britischem Vorbild mit vier freistehenden Tribünen versehene Stadion ist mit über 9.100 Zuschauern praktisch ausverkauft, zumal auf der Gegengerade ein Sitzplatzsektor sicherheitshalber nicht belegt wird. Als "The Kop für Arme" lässt sich in Anlehnung der Spielstätte des FC Liverpool nebst selbigem Vereinslied die 3.650 Menschen fassende Stehplatztraverse bezeichnen. Diese wird ausschließlich von mit rot-weißen Schals bekleideten Heimfans bevölkert und gerät nach einer Schweigeminute zu Ehren eines verstorbenen Sponsors ins Brodeln.
Trotz Dauerregens in Halbzeit eins entwickelt sich ein packendes Spitzenspiel mit reichlich Torszenen, in dem die überlegenen Gastgeber sich das durchgeweichte Grün zunutze machen und gegen den belgischen Rekordmeister auf gefährliche Schüsse aus der zweiten Reihe setzen. Der Treffer des Tages fällt jedoch eine Minute vor dem Seitenwechsel durch einen umstrittenen und von Gillet verwandelten Foulelfmeter für den Platz eins festigenden RSC.
60 Kilometer weiter nordöstlich und abermals auf Kunstrasen sind in Oostakker die Rahmenbedingungen beim Viertligaspiel zwischen dem Tabellensiebten KRC Gent-Zeehaven und dem Zehnten BS Poperinge mit rund 200 Besuchern wesentlich gemäßigter. Wegen der 1:0-Halbzeitführung des KRC ist die Mehrzahl der Anwesenden zur Pause noch gut gelaunt. Danach aber gewinnen auf Seiten der Schwarz-Weißen ausschließlich an die Adresse des Unparteiischen gerichtete ost-flandrische Flüche die Oberhand, nachdem die Partie durch einen für ungerechtfertigt befundenen Strafstoß und einen Platzverweis noch zum 1:3 kippt.
Trotz des Unmutes erweisen sich bei den Gastgebern zumindest die Genter Vorstandsherren mit der Herausgabe von Souvenirs als Gentlemen. Dank der Hilfe der ortskundigen Nachwuchskicker wird die zweite Flandern-Rundfahrt des neuen Kalenderjahres mit dem obligatorischen Frituur-Besuch erneut passend abgerundet.