Herford. Warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt doch so nahe - nämlich in den Niederlanden. Und dort war in der vergangenen Saison Tilburg aus der 2. Liga ab- sowie Oss aufgestiegen. Das bedeutete, dass NW-Mitarbeiter Stefan Hageböke aktuell nicht alle Zweitligisten aus dem Nachbarland heimgesucht hatte. Das aber änderte er jetzt. Und darüber berichtet er auch.
Der letztjährige November-Besuch in Tilburg lehrte dem entkoffeinierten Fußballreisenden, keine anderen Kaffeesorten außer der aus dem hohen Norden der Niederlande stammenden Premiummarke zu importieren. Den Ausführungen der intervenierenden weiblichen Arbeitsbelegschaft zur Folge sei lediglich das hauseigene Produkt der blau-weiß-farbigen Handelskette "Albert Heijn" gleichwertiger Ersatz, während der vom schwarz-gelben Kontrahenten "Jumbo" offerierten Hausmarke jegliche Erstligatauglichkeit abgesprochen wird. Nur gut, dass in unmittelbarer Nähe der Berghemer Garagen-Brauerei erstgenannter Supermarkt für vollendeten Spitzengenuss sorgt und darüber hinaus auch eine komplette kostenlose Mahlzeit in Form eines reichhaltig bestückten Probiertellers mit gereiftem Gouda feilbietet .
Vier Kilometer weiter wird in der siebtgrößten nord-brabantischen Stadt die nach einem belgischen Bierhersteller benannte zweite niederländische Fußball-Liga endlich komplettiert! Zielort ist das Frans-Heesen-Station des Wiederaufsteigers FC Oss, der abgesehen von der letztjährigen Abstinenz seit 1991 ununterbrochen zum Inventar des Profi-Unterhauses zählte und aktuell den Tabellenfünften Cambuur Leeuwarden empfängt. "Unsere Spieler sind Halbprofis. Tagsüber gehen sie arbeiten", ordnet Mediendirektor Bart van Grinsven die Rahmenbedingungen eher der westfälischen Landesliga als dem gleichklassigen bundesdeutschen Gegenstück zu. Dementsprechend spärlich ist mit 1.911 Besuchern auch die Abendkulisse.
Obwohl die Gäste aus der Provinz Friesland eine lange Anreise haben, erwischen sie den besseren Start. So könnten dem 0:1 durch Mittelstürmer de Vries durchaus weitere Gästetreffer folgen. Oss findet dafür ab Mitte der ersten Halbzeit besser ins Spiel und wandelt den Rückstand durch Nelemans’ Doppelschlag in ein 2:1, das Leeuwarden nach einer Stunde wiederum egalisiert. Für die kurz darauf aufgrund eines Platzverweises in Überzahl geratenen Hausherren erzielt Rechtsverteidiger Grootfaam in der Nachspielzeit den Siegtreffer.
Sportlich betrachtet hat der im gesicherten Mittelfeld stehende FC Oss mit vier Siegen und einem Unentschieden in den letzten fünf Partien einen rasanten Aufschwung hingelegt. Abseits des Rasens lassen sich hingegen neben dem fehlenden kulinarischen Angebot an Pommes Frites auch quantitative literarische Mängel ausmachen. Das im DIN-A6-Format gehaltene Programmheft hinkt nicht nur größenmäßig, sondern auch inhaltlich den Vereinspostillen der ranghöchsten Teams aus Herford hinterher. Der FCO verzichtet in seinem achtseitigen "Journaal" auf den Abdruck der kompletten Tabelle, sondern führt stattdessen lediglich Spitzenreiter, Schlusslicht, eigene Mannschaft sowie den jeweiligen Gegner auf. Derartige Diskrepanzen sind beim Herforder SV und Sport-Club undenkbar.