Spenge. Es gibt Gegner, gegen die spielt man gern. Und dann gibt es auch Mannschaften, die nicht so sehr als Gegner gelitten sind. Für den TuS Spenge gehört die SG Schalksmühle-Halver ganz eindeutig in die erste Kategorie.
Die Torwarte sind gefragt
Jeweils Dienstags sind in Spenge die Torwarte ganz besonders gefragt. Der Engeranber Olaf Grintz, der beim Handballkreis Bielefeld-Herford für das Torwarttraining zuständig ist, bietet dann besondere Trainingseinheiten an. Davon profitieren sollen Tobias Linke und andere junge Torhüter aus der Region. Bei Linke übrigens ist nach wie vor unklar, ob er in Spenge bleiben wird – ihm liegt dem Vernehmen nach auch ein Angebot des Oberligisten TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck vor.
Nicht nur die Tatsache, dass es gegen das Team aus dem Sauerland stets spannende Begegnungen gibt, ist dafür verantwortlich. Und auch nicht die lupenreine Heimbilanz der Spenger sorgt für Vorfreude auf Spiele gegen Schalksmühle. Viel mehr respektieren sich beide Mannschaften gegenseitig. "Ich war zwischenzeitlich weg getreten", berichtete Spenges Linksaußen Dennis Mathews, nachdem er nach einem Foulspiel kurz vor Spielende lange Zeit auf dem Hallenboden liegen geblieben war. Dass sich sein Gegenspieler Valdis Gutmanis sofort um ihn kümmerte, verwunderte Matthews nicht. "Die sind ja auch ganz in Ordnung", urteilte er über den Gegner.
Spenges Trainer Achim Frensing hatte schon vor dem samstäglichen 32:30-Sieg seiner Schützlinge viel Gutes über Schalksmühle berichtet. Und dabei blieb er auch. "Es war der erwartet schwere Gegner. Schalksmühle ist für mich weiter die von der Spielanlage her beste Mannschaft der Liga. Wir haben heute davon profitiert, dass wir zuletzt drei Spiele gewonnen haben", erklärte er, warum sein Team am Ende die Nase vorn hatte. Ganz so einfach wollte es sich Gäste-Coach Matthias Grasediek nicht machen. "Die Leute haben im Kopf: Man hat die Qualität, das setzt sich schon durch", glaubte er erkannt zu haben. Grasediek nennt dies "maßlos überheblich". "Dort, wo wir jetzt stehen, stehen wir zurecht. Wir sind eine gute Mannschaft, aber eben keine sehr gute. Die sehr gute steht mit ein paar Punkten Vorsprung vorne", lautete seine Zusammenfassung der aktuellen Tabellensituation.
Ob Spenge eine gute oder doch eine sehr gute Mannschaft hat, wird sich dagegen noch zeigen müssen, wobei das Erreichen von Platz eins sehr schwer werden wird, denn nach wie vor liegen die Ostwestfalen vier Punkte hinter Tabellenführer VfL Gladbeck zurück, verloren zudem das Hinspiel gegen den Spitzenreiter gleich mit 25:30. Also müssten entweder fünf Zähler gut gemacht werden – oder auch nur vier, wenn das Rückspiel in Gladbeck mit mindestens sechs Toren Unterschied gewonnen werden sollte. "Es klingt abgedroschen – aber wir müssen einfach von Spiel zu Spiel schauen", kommentierte Frensing diese Situation.
Sicher ist, dass nach der samstäglichen Partie noch richtig gut gefeiert wurde. Und auch Dennis Mathews verspürte beim abendlichen Essen keine Schmerzen mehr. Vielleicht war dafür zum Teil auch Dennis Czauderna verantwortlich, der kurzfristig für ihn in der Schlussphase hatte einspringen müssen und dabei zwei ganz wichtige Tore erzielte. "Nachgedacht habe ich dabei nicht", erklärte der. Sicher aber war für ihn eins: "Das war für mich bislang das schönste Spiel der Saison!"
Ähnliches könnte möglicherweise auch Tobias Linke behaupten – wenn der Spenger Torhüter nicht schon eine ganze Reihe von Erfolgserlebnissen in der laufenden Spielzeit hinter sich gehabt hätte. Eher zufällig kam er ins Spiel, als sich Sascha Grote eine Zeitstrafe eingehandelt hatte. Und denn hielt Linke gleich drei Würfe in Folge. "Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, noch zu spielen. Aber dann ist es meine Aufgabe, sofort da zu sein", erklärte der Torhüter ganz nüchtern. "Da kommen zwei Leute von der Bank und setzen entscheidende Akzente", lobte auch Dennis Mathews seine Mitspieler.
Aber natürlich waren nicht Czauderna und Linke allein für den wichtigen Sieg verantwortlich. "Dieses Mal sind wir richtig gut reingekommen", freute sich Trainer Achim Frensing, der sich nur ein wenig darüber ärgerte, dass sein Team nach dem zwischenzeitlichen 7:2 in der Deckung "nicht konsequent genug am Mann" gestanden und so den Vorsprung leichtfertig aus der Hand gegeben habe. "Wir wollen jetzt natürlich jedes Spiel gewinnen", schloss er ab, "und dann wird man sehen, was am Ende dabei herauskommt." Beantwortet wird dann auch die Frage, ob Spenge eine gute Mannschaft hat – oder vielleicht doch eine sehr gute.