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02.09.2010
Vom Turnverein Friesen bis zu TuRa
TURA LÖHNE: Eine bewegte Vereinsgeschichte / Anfangs wurde in Sälen und Fabrik-Räumen geturnt

In Reih und Glied

Löhne (nw/ebi). Und wieder ein 100-Jähriger. Vor einem Jahrhundert wurden viele Sportvereine gegründet - auch TuRa Löhne. Am kommenden Samstag wird dieses Jubiläum festlich mit geladenen Gästen in der Löhner Werretalhalle gefeiert. Die Lehrer Wille und Kolbus gründeten 1910 den Turnverein Friesen Löhne - und Kolbus war bis 1945 Vorsitzender dieses Vereins.

Er zählte schon bald mehr als 100 Mitglieder, die durch den 1. Weltkrieg aber dezimiert wurden. Nach Kriegsende wurde der Turnbetrieb sofort wieder aufgenommen. Es schloss sich auch erstmals eine Frauenriege an. Da noch keine Turnhalle vorhanden war, wurde in Sälen oder Fabrik-Räumen geturnt.

Die zweite Wurzel des heutigen Vereins reicht bis in das Jahr 1919 zurück. Nach dem 1. Weltkrieg kam es in Löhne parallel zu drei Vereinsgründungen: SC Löhne, FC Löhne und Westfalia Löhne. Alle drei Vereine betrieben ausschließlich Ball- und Rasensport - und schlossen sich dann zum Arbeitersportverein Westfalia Löhne zusammen. Der wurde 1933 aus politischen Gründen aufgelöst.

Die Gründung eines Ersatzvereins, der sich Blau-Weiß Löhne nannte, wurde vom Sportverband nicht anerkannt mit der fadenscheinigen politischen Begründung, dass bereits mit dem Sportverein Löhne-Obernbeck ein Ballsportverein in Löhne existiere. Um ihren geliebten Fußball-Sport nicht aufgeben zu müssen, schlossen sich deshalb die Mitglieder des Arbeitersportvereins Westfalia 1933 dem Turnverein Friesen Löhne an. Westfalia-Vorsitzender von 1926 bis 1933 war der heutige TuRa-Ehrenvorsitzende Fritz Fischer.

Durch den 2. Weltkrieg trat erneut eine entscheidende Unterbrechung des Sportbetriebes ein. Aber bereits im Sommer 1945 wurde das Vereinsleben bei Friesen Löhne wieder aufgenommen, und Vereinsvorsitzender wurde zunächst wieder Karl Kolbus, der am 9. November 1945 von Fritz Fischer abgelöst wurde. Als Sportarten wurden nach dem 2. Weltkrieg Fußball, Turnen, Handball, Boxen, Tischtennis und Schach betrieben.

Ab 1946 nahmen Vereinsmitglieder an Sportwettkämpfen auf Kreisebene teil. In der Monatsversammlung vom 12. September 1946 wurde eine Militärregierungs-Verordnung bekannt gegeben, wonach alle vor der Kapitulation des Dritten Reiches bestehenden Vereine aufzulösen waren. Somit wurde in dieser Versammlung bei Anwesenheit von 118 Mitgliedern auch die Auflösung des Sportvereins Friesen Löhne und die Neugründung des Vereins TuRa Löhne beschlossen.

Der personelle Aufschwung des Vereins (1948 228 männliche und 40 weibliche Mitglieder) ist der ständigen Werbearbeit und den sportlichen Leistungen zu verdanken. Die Probleme in der Zeit bis zur Währungsreform waren jedoch so groß und vielfältig, dass zeitweilig sogar ein Zusammenbruch des Sportbetriebes drohte.

Am 19. August 1948 beschlossen 120 anwesende Mitglieder die Vereinigung mit dem SVLO zum neuen Verein TuRa Löhne-Obernbeck. Das Ende des Zusammenschlusses beider Vereine war jedoch bereits im April 1949 besiegelt. Die fünf Vorstandsmitglieder des ehemaligen SVLO legten ihre Ämter nieder. Der Verein nannte sich in der Folgezeit wieder TuRa Löhne - bis heute. Und nun wird am Samstag der runde Geburtstag gefeiert.


Von 250 auf 410

In 1999 ging bei TuRa Löhne eine 20 Jahre währende Ära zu Ende: Der Verein bekam eine neue Heimat. Der Sportplatz an der Jasminstraße fiel der Wohnbebauung zum Opfer. Von da an ist der Kunstrasenplatz am Obernfeld die neue TuRaner Heimat. Im Jahr 2002 errichtete der Verein mit Mitteln der öffentlichen Hand, von Sponsoren, Bürgern des Stadtteils und insbesondere großer Eigenleistung vieler Vereinsmitglieder ein zeitgemäßes Vereinsheim.
In den folgenden Jahren hatte der Verein schwierige Zeiten zu überstehen. Finanziell ging es dem Klub gar nicht gut. Nur unter größter Anstrengung der jeweiligen Vorstände, Freunde und Gönner wurde der Spiel- und Sportbetrieb aufrecht erhalten. Die Mitgliederzahlen sanken bis zum Frühjahr 2008 auf 250 zahlende Mitglieder. Doch in den vergangenen zwei Jahren wurde der Abwärtstrend nicht nur gestoppt, sondern der Verein auch in ruhigerere Gewässer geführt werden. Mittlerweile können in den Jahresbilanzen wieder schwarze Zahlen vorgewiesen werden – und der Verein ist schuldenfrei. Auch bei den Mitgliederzahlen gab es einen Aufschwung, hat TuRa Löhne im Jubiläumsjahr 410 zahlende Mitglieder.


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