HANDBALL: Jens Wiese pendelt zwischen Nordhemmern/Mindenerwald und TuS N-Lübbecke
Lübbecke. "Ich komme in die großen Hallen, ich sehe die großen Spieler – dafür allein lohnt es sich!" Jens Wiese macht das Doppelleben, das er im zweiten Jahr zwischen dem Bundesligisten TuS N-Lübbecke und dem Regionalligisten LiT Nordhemmern/Mindenerwald führt, "voll Spaß". Für Pausen bleibt dabei kaum Zeit, zumal der gerade 22 Jahre jung gewordene Rückraumspieler mittlerweile im dritten Semester noch ein Bauingenieurstudium absolviert.
"Seit ich zum Wintersemester von Hannover zur FH Minden gewechselt bin, ist es für mich von der Fahrerei her besser geworden", erläutert der Hille-Holzhauser, der bereits seit der Jugendzeit bei Nordhemmern/Mindenerwald bzw. der JSG NSM spielt und mittlerweile eine feste Größe in der von Bert Fuchs trainierten Regionalligamannschaft ist.
In der Regionalliga dreht sich alles um die Qualifikation für die neue 3. Liga, wofür (bei sechs Absteigern) der 10. Tabellenplatz erreicht werden muss. "Es sieht ganz gut aus für uns, obwohl wir in der Hinrunde einige Punkte haben liegen lassen. Wichtig ist für uns, dass wir unser Heimspiel am Sonntag gegen Soest gewinnen und damit unsere Position festigen", erklärt Jens Wiese und spricht von einem Vier-Punkte-Spiel der Nordies zum Rückrundenauftakt am 10. Januar (Anwurf um 17 Uhr in Nordhemmern). "Es wird aber eng bleiben", fügt der 22-Jährige gleich hinzu und verweist auf die Bundesligareserven von GWD Minden und Lemgo, mit denen - nach personellen Problemen in der Hinrunde - noch zu rechnen sei.
"Für Nordhemmern wäre es auf jeden Fall sensationell, wenn die Mannschaft in die 3. Liga kommen und sich dort auch behaupten würde, da es gleich noch einmal so viele Absteiger geben wird", meint Jens Wiese. Zur Erläuterung: In der Saison 2010/11 spielt die 2. Liga letztmals zweigleisig (Nord und Süd). Am Ende steigen 16 Vereine ab, was sich direkt auf die 3. Liga auswirkt.
Bei den Nordies läuft der Trainingsbetrieb bereits seit Wochenbeginn wieder. Beim TuS N-Lübbecke ist seit dem 30. Dezember Pause. "Danach hatte ich mein erstes freies Wochenende seit Juli", sagt Jens Wiese, der sich sowohl in Nordhemmern als auch in Lübbecke ("in der Mannschaft herrscht eine gute Stimmung") wohl fühlt. "Allein die Trainingseinheiten mit der Bundesligamannschaft bringen mich weiter", betont der Rückraumspieler, für den eigentlich nur die Freitage mit Video- und Trainingseinheiten sowohl in Lübbecke als auch in Nordhemmern "ein bisschen anstrengend" sind.
Besondere Momente sind natürlich die Bundesligaeinsätze. Wie beim Auswärtsspiel in Lemgo, wo er eine Viertelstunde spielte und drei Tore erzielte ("bei einem ging sogar ein Raunen durch die Zuschauerreihen"). Oder beim Hinrundenabschluss gegen MT Melsungen, wo Jens Wiese sein viertes Bundesligator warf und sich die beiden anderen Zweitspielrechtler, Gerrit Bartsch und Alexander Tesch, erstmals in die Bundesliga-Torschützenliste des TuS N-Lübbecke eintrugen.
Während die Nordies in der Tabelle auf den Abstand nach unten achten, geht der Blick in der Bundesligawertung eher nach oben. "Das haben wir uns fest vorgenommen. In der Hinrunde haben wir drei Auswärtsspiele mit einem Tor verloren, vielleicht gewinnen wir jetzt die knappen Spiele. Ich hab e in meiner kurzen Laufbahn bereits bei Nordhemmern festgestellt, dass sich dies im Laufe einer Saison ausgleicht", erzählt Jens Wiese.
Eine weitere Saison wäre für ihn noch ein Doppelspielrecht möglich. "Ich muss sehen, ob ich den Sprung schaffen kann. Vielleicht ist die Bundesliga auch etwas zu groß. Ich setze mich auf jeden Fall nicht unter Druck. Wenn es nicht klappt, geht davon die Welt auch nicht unter", äußert sich Jens Wiese trotz allen Ehrgeizes zurückhaltend und bescheiden.
Schließlich steht erst einmal mit den Nordies am Sonntag das Regionalligaspiel gegen den Soester TV an. Danach beginnt am Mittwoch mit dem Trainingsbetrieb beim TuS N-Lübbecke wieder das gewohnte Doppelleben.